Im schwar­zen Her­zen Ita­li­ens

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Ein un­ge­wöhn­li­cher Ma­fia-Thril­ler aus der Sicht der Tä­ter: Au­tor Cri­a­co ist in der düs­te­ren Welt, von der er er­zählt, groß ge­wor­den. Drei un­zer­trenn­li­che Freun­de aus dem Hin­ter­land des süd­ita­lie­ni­schen Ka­la­bri­ens wol­len den Teu­fels­kreis des Elends durch­bre­chen, in dem ih­re Vor­fah­ren seit Jahr­hun­der­ten ge­fan­gen sind. Mit be­son­de­rem Fleiß kämp­fen sich die Bu­ben durch die Schu­le. Und mit krampf­haf­tem Ehr­geiz per­fek­tio­nie­ren sie über die Jah­re hin­weg ihr Ver­bre­cher­tum: Schon sehr jung hel­fen die Vor­zei­ge­schü­ler ih­ren Ver­wand­ten, Ent­füh­rungs­op­fer zu ver­ste­cken. Spä­ter kom­men spek­ta­ku­lä­re Raub­über­fäl­le da­zu und schließ­lich die gro­ßen Kar­rie­ren als Dro­gen­bos­se in Mai­land.

Das klingt nach klas­si­schem Ma­fia-Noir-Thril­ler, der Ro­man geht aber über das Gen­re hin­aus: Er dringt tief in das düs­te­re Herz des süd­ita­lie­ni­schen Ver­bre­cher­tums ein, in die „schwar­ze See­le“der Haupt­prot­ago­nis­ten. Über­zeu­gend be­schreibt Gioac­chi­no Cri­a­co „die Dä­mo­nen“, die die Gangs­ter an­trei­ben – ein in frü­hes­ter Kind­heit ge­sä­ter Hass so­wie das Ge­fühl, als ewi­ge Au­ßen­sei­ter ei­ner frem­den, ar­chai­schen Welt an­zu­ge­hö­ren. Der Au­tor ist in die­ser Rea­li­tät groß ge­wor­den, sein Bru­der ist ein be­rüch­tig­ter Kri­mi­nel­ler.

Cri­a­co meis­tert die schwie­ri­ge Her­aus­for­de­rung, aus der Per­spek­ti­ve der Prot­ago­nis­ten von die­sem dunk­len Ita­li­en zu er­zäh­len, oh­ne da­bei in ver­ein­fa­chen­de Schwarz-Weiß-Ma­le­rei zu ver­fal­len. Er fällt kei­ne Ur­tei­le, sei­ne Spra­che bleibt stets prä­zi­se und nüch­tern – und zeich­net so­mit ein um­so er­schüt­tern­de­res, rea­les Por­trät des kri­mi­nel­len Ita­li­ens. bas­ta Gioac­chi­no Cri­a­co: „Schwar­ze See­len“, über­setzt von Ka­rin Flei­schan­derl, Fo­lio-Ver­lag, 229 Sei­ten, 22,90 Eu­ro.

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