Auf dem Berg, im Zir­kus, am See: Ich hei­ra­te, wie ich will!

Hei­ra­ten am Strand, das war ges­tern. Hoch­zeits­fei­ern wer­den im­mer in­di­vi­du­el­ler, grö­ßer und dau­ern län­ger. Man will sei­nen Gäs­ten ein Er­leb­nis schen­ken.

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON AN­NA-MA­RIA WALL­NER UND EVA WINROITHER

gen sei, er­klärt er da­mit, dass „nie­mand mehr Lust hat, sich stän­dig als Paar neu er­fin­den zu müs­sen“. Nur ein Part­ner? „In un­se­rem Al­ter ,Le­bens­ab­schnitts­part­ner‘ zu sa­gen fin­de ich to­tal blöd“, so Stie­ger-Lietz. Der­zeit be­fin­det sie sich mit ih­rem Mann, Hein­rich, auf Hoch­zeits­rei­se in Ha­waii. Die bei­den brauch­ten, bis sie ge­sund­heit­lich wie­der fit wa­ren. Ir­gend­wann hat er ge­sagt: „Wor­auf war­ten wir? Das Le­ben darf jetzt auch gut sein.“

Auch Fritz Krempl und Iris Rein­gru­ber (bei­de ha­ben ih­re Na­men be­hal­ten) ha­ben vor zwei Jah­ren ge­hei­ra­tet. Aus Lie­be, aber auch, um sich ab­zu­si­chern. Nach sei­ner zwei­ten Ehe war er fi­nan­zi­ell rui­niert; sie hat­te zwar Geld, aber ei­ne ge­rin­ge Pen­si­on. „In der heu­ti­gen Zeit muss man sich auch um das Fi­nan­zi­el­le küm­mern“, sagt sie. „Und das Ge­fühl ist ganz an­ders, wenn man sagt: ,Mei­ne Frau oder mein

Im Schloss, auf dem Sand­strand von Mau­ri­ti­us, in der Plas­tik­kir­che in Las Ve­gas. Schon bis­her wa­ren der Fan­ta­sie von Braut­paa­ren bei der Aus­wahl des Hoch­zeits­or­tes kaum Gren­zen ge­setzt. Mit dem stei­gen­den Wohl­stand der Ge­sell­schaft und leist­ba­ren Flü­gen be­gann in den spä­ten 1980er- und frü­hen 1990er-Jah­ren ein re­gel­rech­ter Hoch­zeits­tou­ris­mus in weit ent­fern­te Länder. Da konn­ten Paa­re Trau­ung und Hoch­zeits­rei­se prak­ti­scher­wei­se gleich zu­sam­men­le­gen. Die Ver­wand­ten ließ man ent­we­der zu Hau­se (und schick­te nur ei­ne Post­kar­te: „Wir ha­ben uns ge­traut!“) oder lud nur die engs­ten Freun­de als Trau­zeu­gen da­zu. Hoch­zei­ten am Strand oder in Las Ve­gas, die gibt es heu­te auch noch, al­ler­dings sind sie nichts Be­son­de­res mehr.

Aber „be­son­ders“, das muss ei­ne Hoch­zeit heu­te für vie­le sein. Ein Grund da­für ist, dass Paa­re im­mer spä­ter hei­ra­ten, zu­erst die Kar­rie­re an­kur­beln, ih­re Be­zie­hung lang prü­fen – und dann gern be­reit sind, Geld und Zeit in die Trau­ungs­ze­re­mo­nie zu ste­cken. Heu­te wird wie­der sehr tra­di­tio­nell ge­hei­ra­tet, al­so mit der ge­sam­ten Fa­mi­lie und vie­len Ri­tua­len – oder sehr in­di­vi­du­ell. Und je­den­falls aus­schwei­fend und meh­re­re Tage lang. Be­liebt sind auch „Sa­la­mi-Hoch­zei­ten“: zu­erst die Fei­er im Stan­des­amt mit den engs­ten Freun­den und Ver­wand­ten, da­nach die gro­ße Par­ty für den weit­ver­zweig­ten Freun­des­kreis und die kirch­li­che Hoch­zeit im Jahr dar­auf, gern auch bei der wei­ter weg le­ben­den Ver­wandt­schaft von Braut oder Bräu­ti­gam, de- Mann.‘“Ge­hei­ra­tet ha­ben sie für sich al­lein am Stan­des­amt, erst zum Es­sen wur­den Kin­der und En­kel ein­ge­la­den.

Die Freun­de ih­res Man­nes hät­ten von der Ehe ei­ne Zeit lang nichts ge­wusst. Sie hät­ten ihn schon vor der zwei­ten Ehe ge­warnt und ge­meint, das sei kei­ne gu­te Idee. „Aber ich se­he an der Ehe nichts Schlech­tes. Es ist schön, wenn es Lie­be gibt. Und es ist wich­tig, dass man sich vor dem Ge­setz auch noch recht­fer­ti­gen muss“, sagt er.

Um­ge­kehrt ken­ne er frei­lich auch Frau­en, die sa­gen, sie wür­den nur ei­nen Part­ner wol­len, der wo­an­ders woh­ne. „Es gibt auch vie­le Al­te, die su­chen je­man­den, um die Wä­sche zu wa­schen.“Das wür­de ein­deu­tig ge­gen Ehen im Al­ter spre­chen. Für ihn trifft das nicht zu. Er war es, der sei­ner Frau ver­spro­chen hat, sie auf Hän­den zu tra­gen. Sie lä­chelt ihn an und kurz bil­den sich Tränen in ih­ren Au­gen: „Das hat er bis heu­te ge­tan.“ nen man die An­rei­se zur ers­ten Ze­re­mo­nie nicht an­tun woll­te. Manch­mal hat das auch mit dem sich an­kün­di­gen­den Nach­wuchs zu tun. Vor oder nach der Ge­burt des ers­ten Kin­des wird im klei­nen Kreis die standesamtliche Hoch­zeit ge­fei­ert, erst im Jahr dar­auf folgt ein gro­ßes Fest.

Dass die in­di­vi­du­el­len Ze­re­mo­ni­en im­mer be­lieb­ter wer­den, hat laut Hei­rats­pla­ne­rin Ga­bi So­cher aus Gmun­den auch da­mit zu tun, dass Braut­paa­re wirk­lich dort hei­ra­ten wol­len, wo es ih­nen ge­fällt: auf ei­nem Schiff auf dem Traun­see, in den Ber­gen oder im Zir- kus. Es ge­be aber Ge­mein­den, in de­nen der Stan­des­be­am­te bei sol­chen Ze­re­mo­ni­en nicht mit­wan­dern dür­fe, oder Pfar­rer, die das nicht tun wür­den. Al­so wird um­dis­po­niert, die Fei­er mit­hil­fe ei­nes Hoch­zeits­red­ners ab­ge­hal­ten oder viel­leicht doch ein Pries­ter ge­fun­den, der ei­ne Seg­nungs­fei­er an­bie­tet – die dann frei­lich nicht als kirch­li­che Trau­ung gilt. Zu­rück an den Hoch­zeits­ort. Es kä­me im­mer wie­der vor, dass die Braut­paa­re dann al­le Jah­re wie­der (am Hoch­zeits­tag) an den Ort zu­rück­keh­ren. „Das sind be­son­de­re Mo­men­te, die dich ein gan­zes Le­ben lang be­glei­ten.“Den Trend zu ta­ge­lan­gen Fes­ten hat auch So­cher be­ob­ach­tet. Bis zu drei Tage dau­ern­de Hoch­zeits­fei­ern sind heu­te kei­ne Sel­ten­heit mehr. Die Gäs­te kom­men et­wa am Frei­tag an, dann gibt es ei­nen „Ken­nen­lern­abend“in Tracht, am Sams­tag wird ge­hei­ra­tet (in Weiß), und zum Ab­schluss folgt am Sonn­tag ein Hoch­zeits­brunch oder ei­ne Wan­de­rung. Die­se ta­ge­lan­gen Fei­ern wer­den oft von weit ge­reis­ten Paa­ren oder Paa­ren, die aus un­ter­schied­li­chen Län­dern kom­men, ge­plant, de­ren Fa­mi­li­en und Freun­de na­tur­ge­mäß aus vie­len ver­schie­de­nen Län­dern an­rei­sen. Wer sei­ne Liebs­ten schon dar­um bit­tet, ein Flug­zeug zu be­stei­gen, der will ih­nen mehr als nur ei­nen Hoch­zeits­abend bie­ten. Wer sei­ne Liebs­ten oh­ne­hin sel­ten sieht, will auch ein biss­chen mehr von ih­nen ha­ben. „Das wert­volls­te Gut ist heut­zu­ta­ge, Zeit zu schen­ken“, sagt So­cher.

Vie­le Braut­paa­re wol­len ih­ren Gäs­ten da­her ein rich­ti­ges Er­leb­nis schen­ken. Al­so gibt es Fo­to­bo­xen, Kut­schen­fahr­ten, Hot­dog-Stän­de, vie­le Spie­le – und ir­gend­ein lie­be­voll aus­ge­such­tes oder so­gar vom Braut­paar selbst ge­mach­tes Ge­schenk für je­den Gast (Mar­me­la­de, Schnaps, Ser­vi­et­ten­rin­ge, . . .).

Dem Wunsch nach in­di­vi­du­el­len Fes­ten wird auch in ty­pi­schen Hei­rats­re­gio­nen Rech­nung ge­tra­gen. Bei der von So­cher mit­ge­grün­de­ten Platt­form „Sag Ja im Salz­kam­mer­gut“kön­nen Paa­re ih­re Hoch­zeit selbst or­ga­ni­sie­ren oder sich in­spi­rie­ren las­sen. Dort wird auch mit „aben­teu­er­li­chen Ze­re­mo­ni­en zwi­schen den Wip­feln im Hoch­seil­gar­ten“und ei­nem „Tauch­a­ben­teu­er im At­ter­see“ge­wor­ben. Es gibt heu­te we­nig, was nicht mög­lich ist.

Sa­la­mi-Hoch­zei­ten sind auch be­liebt: Stan­des­amt, Par­ty, im Jahr dar­auf die kirch­li­che Fei­er.

Www.sa­gJA-imSalz­kam­mer­gut.at, Day­leACla­vin

Iris Rein­gru­ber (59) und Fritz Krempl (75) ha­ben sich beim Mo­deln ken­nen­ge­lernt. Die Fo­tos zei­gen nicht die Bil­der ih­rer ei­ge­nen Hoch­zeit, son­dern wur­den für die Hoch­zeits­platt­form www.sag­jaim-salz­kam­mer­gut. at auf­ge­nom­men.

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