Mit Fäus­ten ge­gen die Ra­di­ka­li­sie­rung

Sport­ler, vor al­lem Kampf­sport­ler – und vor al­lem Mus­li­me – ma­chen in ei­ner So­ci­al-Me­dia-Kam­pa­gne ge­gen die Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat und ge­gen Ge­walt im Na­men der Re­li­gi­on mo­bil. Das Pro­jekt ist auch für Bel­gi­en in­ter­es­sant.

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON EVA WINROITHER

Das Stöh­nen ist zu hö­ren, be­vor die Kämp­fer zu se­hen sind. Das dump­fe Ge­räusch von Le­der­hand­schu­hen, die auf nack­te Haut schla­gen, hallt die Stie­gen hin­un­ter. Im Kampf­sport­cen­ter To­san schla­gen vier Män­ner in ne­on­far­be­nen Ho­sen und Shirts auf­ein­an­der ein, wei­chen den Fäus­ten des an­de­ren aus, fal­len zu Bo­den und ste­hen wie­der auf.

Mi­xed Mar­ti­al Arts (MMA), Ki­ckund Thai­bo­xen, Jiu Jitsu. Vor ei­ni­gen Jah­ren wa­ren das ein­fach nur Sport­ar­ten, jetzt be­schäf­ti­gen sich Staats­schüt­zer und So­zi­al­ar­bei­ter zwangs­wei­se mit der Sze­ne. Denn auf­fäl­lig oft gin­gen jun­ge Män­ner in den Dschi­had nach Sy­ri­en, die sich beim Kick­bo­xen oder bei MMA ken­nen­ge­lernt hat­ten. Vo­ri­ges Jahr dach­te sich Alex­an­der Ka­ra­kas, da­mit las­se sich ar­bei­ten – im po­si­ti­ven Sinn. Der Wie­ner ist Start-upG­rün­der, gläu­bi­ger Christ und Ös­ter­rei­cher mit tür­ki­schen Wur­zeln. Als er in ei­nem Kampf­trai­ning sieht, dass die Ju­gend­li­chen dem Trai­ner aufs Wort ge­hor­chen, grün­det er mit Hil­fe des Thai­bo­xers Ka­rim Ma­b­rouk, selbst ein be­kann­ter Thai­bo­xer in Ös­ter­reich, das Pro­jekt Not in God’s Na­me. Sport­ler als Vor­bil­der. Auf ei­ner Face­book-Sei­te ver­su­chen sie (Kampf-) Sport­ler je­der Re­li­gi­on zu ge­win­nen, die sich ge­gen den Ter­ror im Na­men der Re­li­gi­on aus­spre­chen. In ers­ter Li­nie, da­mit sich Ju­gend­li­che nicht der Ter­ror­mi­liz IS an­schlie­ßen. Aber auch, da­mit Ge­walt – ganz all­ge­mein – nicht im Na­men von Re­li­gi­on aus­ge­übt wird. Da­für las­sen sich die Sport­ler mit der aus­ge­streck­ten Hand fo­to­gra­fie­ren: Kei­ne Pro­fi­fo­tos, kei­ne Schein­wer­fer, son­dern Han­dy­fo­tos in Trai­nings­klei­dung. Oder Sel­fies.

Da gibt es Foad Sa­deghi (am­tie­ren­der Thai­box-Welt­meis­ter der In­ter­na­tio­nal Ka­ra­te Sport As­so­cia­ti­on) und In­ha­ber des Kampf­sport­zen­trums To­san, das jetzt auch Ver­eins­sitz ist, oder Ad­nan Sert, der in der in­ter­na­tio­na­len Thai­boxing-Su­per-Le­ague an­tritt. Ins­ge­samt 15 Kampf­sport­ler un­ter­stüt­zen das Pro­jekt. Zu­letzt konn­te Mair­bek

»Je­der von uns kommt von der Stra­ße. Und jetzt schau­en die Ju­gend­li­chen zu uns auf.«

Tai­su­m­ov ge­won­nen wer­den. Der Tsche­tsche­ne, der als Kind nach Ös­ter­reich kam, ist ein welt­be­kann­ter MMA-Su­per­star. Tai­su­m­ov ist der ein­zi­ge Kämp­fer aus Ös­ter­reich, der in der Ul­ti­ma­te Fight­ing Cham­pi­ons­hip kämpft – der MMA-Kö­nigs­klas­se in den USA. Das im­po­niert auch an­de­ren. Not in God’s Na­me wur­de vom bel­gi­schen Bot­schaf­ter in Ös­ter­reich nach Brüs­sel ein­ge­la­den, wo Ka­ra­kas und Co. die In­te­gra­ti­ons­ge­mein­de­rä­te von Brüs­sel

Mich`ele Pau­ty

Not in God’s Na­me: Ka­rim Ma­b­rouk, Mair­bek Tai­su­m­ov, Alex­an­der Ka­ra­kas und Nach­wuchs­kampf­sport­ler Ad­nan Mir­za (v. l.).

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