Twin Ci­ty Walk: Ein Marsch zu Fuß von Wi­en nach Bra­tis­la­va

Ver­gŻn­ge­nes JŻhr gŻã es ©en PlŻn ei­nes Li­ni­en­flu­ges von Wi­en nŻch BrŻ­tis­lŻvŻ. Er kŻm letzt­lich nicht, ©och ©ie HerŻus­for©erung ist trotz©em noch ©Ż – stŻtt im Flug­zeug ein­fŻch zu Fuß von ei­ner StŻ©t in ©ie Żn©ere zu ge­hen. Un© ©Żs nŻtür­lich Żn nur ei­nem T

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON ERICH KOCINA UND DA­NI­EL NITSCH

Er­in­nert sich noch je­mand an die Plä­ne, ei­nen Flug zwi­schen Wi­en und Bra­tis­la­va ein­zu­rich­ten? Vor rund ein­ein­halb Jah­ren hat­te die Flug­li­nie Fly­ni­ki die­ses Vor­ha­ben prä­sen­tiert – doch letzt­end­lich hat sie kal­te Fü­ße be­kom­men und den kür­zes­ten Li­ni­en­flug zwi­schen zwei Haupt­städ­ten nicht ins Pro­gramm auf­ge­nom­men. Scha­de, ei­gent­lich. Denn da hät­te sich ein hüb­scher Ver­gleichs­kampf er­ge­ben – wie oft bie­tet sich schon die Ge­le­gen­heit, ei­ne in­ter­na­tio­na­le Flug­stre­cke in ei­nem Ta­ges­marsch zu Fuß zu ab­sol­vie­ren. Aber gut, nur weil die Flug­li­nie nicht will, muss man ja den Fuß­marsch nicht auch gleich sein las­sen.

Dass die bei­den Städ­te, die sich so gern als Twin Ci­ties ver­mark­ten – et­wa mit dem Twin Ci­ty Li­ner, der die Do­nau ent­lang­bret­tert –, noch nicht auf die Idee ge­kom­men sind, ei­ne Wan­der­rou­te zu in­stal­lie­ren, ist ja fast schon er­staun­lich. Als Twin Ci­ty Walk lie­ße sich da doch si­cher et­was ma­chen. Bleibt nur die Fra­ge, wel­che Stre­cke man nimmt. Von Flug­ha­fen zu Flug­ha­fen sind es et­wa 50 Ki­lo­me­ter Luft­li­nie. Vom Ste­phans­platz bis in die Alt­stadt von Bra­tis­la­va sind es knapp 55 Ki­lo­me­ter – eben­falls nur auf ei­ner ge­dach­ten Luft­li­nie – zu flie­gen ist die­se Stre­cke ja nur be­dingt. Zu Fuß muss man aber in je­dem Fall ein we­nig mehr ein­pla­nen.

Der ers­te Ge­dan­ke an ei­ne mög­li­che Rou­te führt na­tür­lich ent­lang der Do­nau – doch was mit dem Fahr­rad gut funk­tio­niert, muss bei ei­ner Wan­de­rung nicht auch gut ge­hen. Ein Rad­weg ist halt doch nur ein Rad­weg – und ein biss­chen land­schaft­li­cher Reiz und Ab­wechs­lung wä­ren beim Wan­dern auch nicht schlecht. Al­so lie­ber ei­ne an­de­re Rou­te, die land­schaft­lich et­was ab­wechs­lungs­rei­cher ist. Wo­bei das March­feld zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen ei­ne, sa­gen wir, fla­che An­ge­le­gen­heit ist. »WŻm­per­tes Kreuz«. Letzt­lich bie­tet sich ei­ne Rou­te an, die von Stadt­gren­ze zu Stadt­gren­ze et­wa 40 Ki­lo­me­ter lang ist – und fast aus­schließ­lich über Feld­we­ge führt. Der Start ist am Ran­de von Wi­en in Neu­ess­ling – der Bus 24A fährt von der U1-Sta­ti­on Ka­gra­ner Platz fast bis zum Stadt­rand. Und un­mit­tel­bar beim Start der Wan­de­rung war­tet schon ei­nes der tou­ris­ti­schen High­lights: Der Bild­stock Wei­ßes Kreuz – im Volks­mund auch „Wam­per­tes Kreuz“ge­nannt. Die Sa­ge be­rich­tet, dass ein Rit­ter, der nach lan­ger Zeit aus dem Os­ten heim­kehr­te, ihn er­rich­te­te. Und sei­ne Frau, die in­zwi­schen von ei­nem an­de­ren Mann ein Kind er­war­te­te, dar­in ein­mau­er­te. (Bei der Re­no­vie­rung

Ki­lo­me­ter

sind es von der Wie­ner Stadt­gren­ze bis zu der von Bra­tis­la­va.

Stun©en

braucht man für die Stre­cke, je nach Ge­schwin­dig­keit. des Mar­terls 2009 konn­te al­ler­dings kein Hin­weis dar­auf ge­fun­den wer­den.)

Die ers­ten zwei bis drei Ki­lo­me­ter sind noch un­an­ge­nehm – weil der Weg über das Ban­kett der Lan­des­stra­ße L2 führt und Au­tos vor­bei­ra­sen. Doch ab Raas­dorf – ein ty­pi­sches An­ger­dorf mit Pfarr­kir­che zur hei­li­gen Ma­ria Mag­da­le­na in der Mit­te – wird es in­ter­es­sant. Denn ab dann geht es auf den Feld­weg, ir­gend­wo zwi­schen Spar­gel­fel­dern und Wind­rä­dern. Die ge­hö­ren auf dem Twin Ci­ty Walk zu den mar­kan­tes­ten Er­he­bun­gen in der Land­schaft. Nicht wahn­sin­nig ori­gi­när, soll hei­ßen, sie schau­en al­le sehr ähn­lich aus. Aber im En­sem­ble er­zeu­gen sie ei­ne ei­ge­ne Äs­t­he­tik, vor al­lem in Kom­bi­na­ti­on mit ih­rem mo­no­to­nen Sur­ren.

Es geht vor­bei an Groß­ho­fen, der mit 90 Ein­woh­nern kleins­ten Ge­mein­de Nie­der­ös­ter­reichs – und ih­rem Wahr­zei­chen, der Orts­ka­pel­le des hei­li­gen Lau­ren­ti­us. Die ist zwar nur sehr schlicht, aber In­ter­es­sier­te kön­nen dar­in ein Bild des Na­mens­ge­bers der Ka­pel­le aus der ers­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts se­hen. Zu­ge­ge­ben, das ist recht schnell er­le­digt. Da­für geht es dann wei­ter nach Glin­zen­dorf, wo man über­le­gen kann, die im Kern ro­ma­ni­sche und dann ba­ro­cke Fi­li­al­kir­che zur hei­li­gen Kat­ha­ri­na zu be­su­chen. Doch aus­ge­dehn­tes Sight­see­ing als Ablen­kung von der An­stren­gung ist zu die­sem Zeit­punkt ei­gent­lich noch gar nicht an­ge­bracht – im­mer­hin hat man ja noch nicht ein­mal zehn Ki­lo­me­ter hin­ter sich.

Die nächs­te Men­schen­an­sied­lung folgt mit Un­ter­sie­ben­brunn – Fuß­ball­con­nais­seu­re ken­nen die­se klei­ne Ge­mein­de we­gen des SC Un­ter­sie­ben­brunn, der von 1999 bis 2005 sechs Sai­so­nen lang in der Ers­ten Di­vi­si­on spiel­te. Das Sta­di­on ist dann auch der mar­kan­tes­te Blick­fang. Und weil wir ge­ra­de beim Na­men sind, im Jahr 1115 wur­de er erst­mals er­wähnt und be­zieht sich auf die sie­ben Qu­el­len des St­emp­fel­ba­ches. Aber ver­su­chen Sie nicht, sich auf die Su­che nach de­nen zu ma­chen – die Zahl sie­ben stand näm­lich nur stell­ver­tre­tend da­für, dass es vie­le sind.

Et­wa drei­ein­halb bis vier St­un­den (je nach Tem­po) nach dem Start bie­tet sich in Un­ter­sie­ben­brunn ei­ne ers­te Ein­kehr an. Ein­hei­mi­sche emp­feh­len et­wa das Gast­haus Sum­me­rer, das zu Mit­tag im­mer nur ei­ne Spei­se (et­wa ge­ba­cke­ne Fleisch­la­berln mit Ro­te-Rü­ben-Sa­lat) zu ei­nem recht güns­ti­gen Preis ser­viert. Als Wan­de­rer fällt man üb­ri­gens auf. „Seid’s ihr mit dem Radl oder mit dem Au­to da“, fragt die Kell­ne­rin. „Zu Fuß.“In­tro­ver­tier­tes Kopf­schüt­teln, Kell­ne­rin geht ab.

Ent­lang der Tras­se der Mar­cheg­ger Ost­bahn geht es dann ziem­lich end­los ge­ra­de­aus. Falls Sie ge­nau an die­sem Stre­cken­ab­schnitt von ei­nem spon­ta­nen Wol­ken­bruch über­rascht wer­den, ist das Pech. Denn un­ter­stel­len ist hier kaum mög­lich. Es bie­tet sich auch an, das Han­dy in ei­nem was­ser­dich­ten Beu­tel ver­packt zu ha­ben und es erst wie­der her­aus­zu­ho­len, wenn der Re­gen vor­bei ist. Vor­bei geht es schließ­lich am Kies­werk (in­klu­si­ve dem Warn­schild „Ach­tung Berg­bau­ge­biet“) bis zum Bahn­hof Las­see. Der ist ers­tens ziem­lich ru­hig. Und zwei­tens auch so et­was wie ei­ne Se­hens­wür­dig­keit – denn vor dem Fall des Ei­ser­nen Vor­hangs dürf­te er auch nicht an­ders aus­ge­se­hen ha­ben. Nach et­was mehr als 20 Ki­lo­me­tern wan­dern kann man hier al­so auch noch ei­ne Zei­t­rei­se er­le­ben. Flie­sen­gesch´ft stŻtt GŻs­tro­no­mie. Ir­gend­wann – wir hal­ten mitt­ler­wei­le bei et­wa 25 Ki­lo­me­tern – geht die Stre­cke süd­öst­lich nach Brei­ten­see. Wer ein biss­chen Wall­fahrt­flair auf­kom­men las­sen möch­te, kann in der den bei­den Hei­li­gen Pe­trus und Pau­lus ge­weih­ten Pfarr­kir­che vor­bei­schau­en. Die ist zwar nur ei­ne ehe­ma­li­ge Wall­fahrts­kir­che, aber so ge­nau muss man es ja nicht neh­men. Ei­ne Ein­kehr ist in Brei­ten­see al­ler­dings schwie­rig – „Na, Gast­haus ha­ben wir kei­nes“, sagt ei­ne Ein­hei­mi­sche, „aber ein Flie­sen­ge­schäft“.

Es geht al­so wei­ter qu­er­feld­ein – die nächs­te Etap­pe ist schon Schloß­hof, in dem das gleich­na­mi­ge, aber mitt­ler­wei­le an­ders ge­schrie­be­ne, Schloss Hof steht. Das größ­te der March­feld­schlös­ser lockt Tou­ris­ten un­ter an­de­rem mit ei­nem Ba­rock­gar­ten, be­ste­hend aus sie­ben Ter­ras­sen und der be­rühm­tem Pa­tis­se­rie Prinz Eu­gen. Hier im Rah­men der Wan­de­rung auf ei­nen Kaf­fee und ei­ne Tor­te zu ge­hen, ist al­ler­dings teu­er – denn oh­ne Ta­ges­kar­te zu 13 Eu­ro (Kin­der und Ju­gend­li­che acht Eu­ro) wird man gar nicht erst in die Nä­he des Ca­fes´ ge­las­sen. Im­mer­hin, der Gast­hof Prinz Eu­gen ne­ben dem Schloss emp­fängt Gäs­te auch oh­ne Ti­cket. Zu die­sem Zeit­punkt ist man schon an die 34 Ki­lo­me­ter ge­wan­dert – die Fü­ße kön­nen sich da schon mit der Bit­te um Gna­de mel­den.

Al­ler­dings ist es jetzt nicht mehr all­zu weit. Es folgt qua­si die Ziel­ge­ra­de – vom Schloss aus sind schon die Plat­ten­bau­ten von Dev´ıns­ka No­va´ Ves zu se­hen. Und da­bei han­delt es sich schon um ei­nen Stadt­teil von Bra­tis­la­va. So, als wür­de man in Wi­en vor der Nor­d­rand­sied­lung auf­tau­chen. Hier be­geg­net man auch wie­der meh­re­ren Spa­zier­gän­gern – auf den Feld­we­gen zu­vor hat sich noch kein all­zu

Die mŻr­kŻn­tes­ten Er­heãun­gen Żuf ©em Weg ©urch ©Żs MŻrch­fel© sin© Win©r´©er. Fu­ßãŻll­con­nŻis­seu­re ken­nen Un­ter­sieãenãrunn noch Żus ©er Zeit in ©er Ers­ten Di­vi­si­on. Goog­le MŻps ãe­nennt ©ie FŻhr­rŻ©ãrü­cke ©er Frei­heit nŻch Chuck Nor­ris.

star­ker Wan­der­tou­ris­mus eta­bliert, war­um auch im­mer.

Die Druck­stel­len und Bla­sen in den Schu­hen sind schon spür­bar, wenn es auf die Fahr­rad­brü­cke der Frei­heit geht. Die wä­re üb­ri­gens fast nach USAc­tionstar Chuck Nor­ris be­nannt wor­den – in ei­ner In­ter­net­abstim­mung in der Slo­wa­kei hat­te ei­ne Mehr­heit da­für ge­stimmt. Al­lein, die slo­wa­ki­sche Po­li­tik ak­zep­tier­te das Er­geb­nis nicht. (Auf Goog­le Maps wird das Ge­bil­de trotz­dem „Cy­klo­most Chu­cka Nor­ri­sa“ge­nannt.) Im Sep­tem­ber 2012 wur­de das hü­ge­li­ge Brü­cken­kon­strukt mit ei­ner Ge­samt­län­ge von 550 Me­tern schließ­lich er­öff­net.

Und ir­gend­wo mit­ten auf der Brü­cke ist man plötz­lich

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