Die Pflan­ze aus ¤em Rpack

In ei­ner Stadt ei­nen Gar­ten an­zu­le­gen, ist nicht ein­fach. Fritz Schwärz und Ze­no Va­len­ti er­leich­tern mit Stadt­beet das Ur­ban Gar­de­ning.

Die Presse am Sonntag - - Mein Geld - VON ELI­SA­BETH HO­FER

Der Mor­gen­ver­kehr rollt über den Ler­chen­fel­der Gür­tel. Das Vor­an­kom­men ist zäh, der Ge­ruch von Ab­ga­sen liegt in der Luft, und das kon­stan­te Mo­to­ren­ge­räusch rauscht in den Oh­ren. Wer Wi­en täg­lich so er­lebt, hält es kaum für mög­lich, dass nur fünf Geh­mi­nu­ten ent­fernt, in Ot­ta­kring, Zwetsch­ken­bäu­me wach­sen, Ri­bi­sel­stau­den ers­te Früch­te tra­gen und auch die Ra­dies­chen schon be­reit zur Ern­te sind. Stellt sich die Fra­ge, wo ist die­ser Gar­ten?

Wer nach Wie­se sucht, wird nicht fün­dig wer­den. Viel­mehr wächst die Pflan­zen­viel­falt in ei­nem be­to­nier­ten In­nen­hof, um­ge­ben von Bü­ros. Aber nicht im Bo­den wur­zeln die Bäu­me, sie ste­hen im Sack. Das Pro­jekt trägt den Na­men Stadt­beet und ist ein Klein­un­ter­neh­men, das Gär­ten dort­hin bringt, wo sie na­tur­ge­mäß sel­ten zu fin­den sind – in die Groß­stadt. Die Wie­ner, das wis­sen die Be­trei­ber des Ge­schäfts, Fried­rich „Fritz“Schwärz und Ze­no Va­len­ti, lie­ben es grün. Doch wer hat schon ei­ne Ra­sen­flä­che, auf der er nach Be­lie­ben Ge­mü­se, Kräu­ter oder eben gan­ze Bäu­me an­pflan­zen kann? Und selbst wenn, wie kommt der Stadt­mensch zur Hain­bu­che?

Die­se Fra­gen stell­ten sich Schwärz und Va­len­ti schon wäh­rend ih­res Stu­di­ums an der Uni­ver­si­tät für Bo­den­kul­tur. Dort tra­fen der Salz­bur­ger und der Süd­ti­ro­ler in ih­rem ers­ten Se­mes­ter am In­sti­tut für Land­schafts­pla­nung und Land­schafts­ar­chi­tek­tur auf­ein­an­der. Sie wur­den bes­te Freun­de und teil­ten ein ge­mein­sa­mes Pro­blem: Nir­gend­wo fan­den sie im städ­ti­schen Um­feld die rich­ti­gen Pro­duk­te, um ih­re Bal­ko­ne und Ter­ras­sen zu be­grü­nen. Ge­sucht wa­ren vor al­lem Pflan­zen­sä­cke als Al­ter­na­ti­ve zum her­kömm­li­chen Blu­men­topf. Eben je­ne Sä­cke, in de­nen es mitt­ler­wei­le im In­nen­hof vor ih­rem Ge­schäft grünt und blüht.

Stadt­bee­te sind Kom­plett­sys­te­me, be­ste­hend aus Pflanz­ge­fäß, Was­ser- spei­cher­sys­tem, Pflan­zer­de und aus­ge­such­ten Pflan­zen­kom­bi­na­tio­nen. Ein Ge­mü­se­beet ist ab 68 Eu­ro zu ha­ben, ein Baum­beet kos­tet um die 170 Eu­ro. Im April 2015 zo­gen die bei­den pas­sio­nier­ten Gärt­ner Schwärz und Va­len­ti mit­samt der Pflan­zen und Gar­ten­pro­duk­te, die sie zum Ver­kauf an­bie­ten, in den 16. Be­zirk. „Da­vor wa­ren wir im Kel­ler“, er­klärt Schwärz. „Das heißt, wir ha­ben im Kel­ler ge­ar­bei­tet und hat­ten schon ei­nen On­line-Shop. Die Pflan­zen ha­ben wir bei uns zu Hau­se zwi­schen­ge­la­gert und dann di­rekt zu den Kun­den ge­bracht.“

Kon­kret be­deu­tet „zum Kun­den brin­gen“, dass Schwärz sein Las­ten­fahr­rad be­lädt und los­ra­delt. Bis zu 100 Pflan­zen kön­ne er so trans­por­tie­ren, oder ei­nen klei­nen Baum mit bis zu 100 Ki­lo. Ne­ben dem Ver­kauf un­ter­schied­lichs­ter Ge­wäch­se über­nimmt Stadt­beet auch die Pla­nung von Stadt­gär­ten oder führt ein Pflanzen­ser­vice durch. Im­mer­hin ist nicht je­der ein Ur­ban-Gar­de­ning-Pro­fi wie die bei­den Land­schafts­pla­ner. Den­noch meint Schwärz: „Ich glau­be zwar, dass es so et­was wie den be­rühm­ten grü­nen Dau­men gibt, aber ich glau­be nicht an das Ge­gen­teil, den Pflan­zen­ver­nich­tungs­Dau­men so­zu­sa­gen.“Wenn nicht am Hob­by­gärt­ner, woran liegt es dann, wenn Ge­mü­se ein­fach nicht wach­sen möch­te oder sich die Blät­ter schon im Hoch­som­mer gelb ver­fär­ben? Meis­tens, sagt der Fach­mann, sind zwei Fak­to­ren ent­schei­dend: Ent­we­der es schei­tert an der schlech­ten Qua­li­tät der Pflan­ze, oder der Stand­ort ist nicht gut ge­wählt. Trifft bei­des zu, wür­de so­gar ein ge­üb­ter Gärt­ner an den Rand der Mach­bar­keit sto­ßen. Viel von den Groß­el­tern ge­lernt. Na­tür­lich spielt auch die Er­fah­rung mit der Bo­ta­nik und die Lie­be zur Na­tur ei­ne Rol­le. Schwärz ist auf ei­nem Bau­ern­hof im Salz­bur­ger­land auf­ge­wach­sen. Schon die Groß­el­tern pfleg­ten dort lie­be­voll ih­ren Gar­ten. Von ih­nen und auch von sei­ner Mut­ter ha­be er schon als Bub viel über den Um­gang mit Pflan­zen ge­lernt. Sei­nen Kind­heits­er­in­ne­run­gen ist sei­ne be­son­de­re Vor­lie­be zu Ri­bi­sel­sträu­chern und Zwetsch­ken­bäu­men ge­schul­det. Der Groß­va­ter näm­lich be­zahl­te sei­nen En­kel für das Auf­klau­ben von Zwetsch­ken, in wei­te­rer Fol­ge wid­me­te sich der Opa dann der Schnaps­bren­ne­rei. Groß­mut­ter und Mut­ter bau­ten un­ter­des­sen Ri­bi­sel in gro­ßer Men­ge an. „Mit der Bee­re ver­bin­det mich ja eher ei­ne Hass­lie­be“, sagt Schwärz. „Ich muss­te die Ri­bi­seln im­mer ern­ten, durf­te sie aber nicht es­sen, weil ja Mar­me­la­de dar­aus ge­macht wer­den muss­te.“

Für je­man­den, der die Na­tur so schätzt, scheint Wi­en aber doch auf den ers­ten Blick ein schlecht ge­wähl­ter Wohn­ort zu sein. Schwärz sieht das an­ders. „Ich hät­te nur hier oder in Mün­chen stu­die­ren kön­nen. Und Wi­en und Gar­ten sind ja kein Wi­der­spruch.“

Die Kun­den sei­en zu ei­nem gro­ßen Teil jun­ge Fa­mi­li­en. Oh­ne­hin un­ter- schei­den die Be­trei­ber zwei Ar­ten von Pflan­zen­käu­fern. Die ei­nen ha­ben sich vor­her schon in­for­miert, se­hen sich al­les ge­nau an und lie­ben den Aus­tausch mit den Fach­män­nern. Die Prag­ma­ti­ker un­ter den Kun­den hin­ge­gen schät­zen das Know-how der Gärt­ner da­hin­ge­hend, dass sie ih­nen die Pla­nung und den Auf­bau des Stadt­gar­tens voll­kom­men über­las­sen. Schwärz ist bei­des recht, denn: „Am Liebs­ten bin ich eh al­lein mit den Pflan­zen“, sagt er und lacht.

Von April bis Ju­ni er­for­dern die Ge­wäch­se die ge­sam­te Auf­merk­sam­keit der Stadt­beet-Grün­der. Aber was ma­chen Gärt­ner ei­gent­lich nach der Haupt­sai­son? „Win­ter­schlaf!“, ant­wor­tet Schwärz. Tat­säch­lich wird ab Au­gust nicht mehr ge­pflanzt, dann ist Zeit für Ur­laub, oder, im Fall des Jung­gärt­ners, für ei­ne aus­gie­bi­ge Rad­tour mit Zelt bis nach Kroa­ti­en. Um die Pflan­zen braucht er sich in die­ser Zeit nicht zu sor­gen. Zur Si­cher­heit ha­ben er und Va­len­ti ein aus­ge­klü­gel­tes, au­to­ma­ti­sches Be­wäs­se­rungs­sys­tem ent­wi­ckelt, das die Pflan­zen ver­sorgt.

Die Pflan­zen kom­men per Las­ten­fahr­rad zum Kun­den.

Sta­nis­lav Je­nis

Fritz Schwärz von Stadt­beet.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.