Ho­tel als Hoch­si­cher­heits­trakt »Wir neh­men das The­ma ernst«

Si­cher­heits­maß­nah­men ste­hen bei der EM in Frank­reich im Vor­der­grund, selbst Trai­ning-Ti­ckets sind per­so­na­li­siert. Mal­lem­ort ist für das ÖFB-Team ge­schmückt.

Die Presse am Sonntag - - Sport -

Fuß­bal­ler müs­sen rei­se­freu­dig sein, vor al­lem in Sai­so­nen, in de­nen ein Groß­er­eig­nis auf dem Pro­gramm steht. Es war­ten zwi­schen und nach dem Li­ga­be­trieb meh­re­re Trai­nings­la­ger, und wenn das Tur­nier be­ginnt, ist das ste­te Pen­deln zwi­schen Quar­tier und Spiel­ort mit­un­ter schnell ei­ne Be­las­tung. Das ÖFB-Team trifft sich am Sonn­tag beim Trai­nings­la­ger in Laax, Schweiz. Es war­ten noch zwei Län­der­spie­le – am 31. Mai in Klagenfurt ge­gen Mal­ta und am 4. Ju­ni in Wi­en ge­gen die Nie­der­lan­de –, und am 8. Ju­ni wird die Mann­schaft von Te­am­chef Mar­cel Kol­ler nach Frank­reich auf­bre­chen und in der Pro­vence Quar­tier be­zie­hen.

Hin­ter dem sport­li­chen Pro­gramm ste­hen vie­le lo­gis­ti­sche Aspek­te, und, an die­sem The­ma gibt es für die Eu­ro 2016 nach den Ter­ror­an­schlä­gen von Pa­ris im No­vem­ber 2015 auch wei­ter­hin kein Vor­bei­kom­men: der Si­cher­heits­fra­ge. Zwei En­gel wa­chen. Das ÖFB-Team soll sich bei der EM in Frank­reich trotz der An­schlä­ge si­cher füh­len. Die Mann­schaft wird wäh­rend des Tur­niers per­ma­nent von zwei Per­so­nen­schüt­zern der fran­zö­si­schen Po­li­zei­Spe­zi­al­ein­heit GIGN be­glei­tet. Das be­stä­tig­te Hei­mo Kraus, der Si­cher­heits­be­auf­trag­te des ÖFB.

Aus­nahms­los je­der Trans­fer mit dem Mann­schafts­bus, selbst die An- fahrt zum we­ni­ge Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Trai­nings­platz, wird von der Po­li­zei es­kor­tiert. „Wir ba­ga­tel­li­sie­ren nicht, wir er­star­ren aber auch nicht in Ehr­furcht, son­dern neh­men das The­ma ernst“, sag­te Kraus. Man sei seit Wo­chen mit dem Ver­bin­dungs­be­am­ten in Frank­reich und der Uefa in Kon­takt. Die Vor­be­rei­tun­gen sei­en ab­so­lut pro­fes­sio­nell.

Das Te­am­camp der Ös­ter­rei­cher in Mal­lem­ort wird wäh­rend des Tur­niers zur Si­cher­heits­zo­ne. Das Ho­tel Mou­lin de Ver­ne­gues` steht dem ÖFB ex­klu­siv zur Ver­fü­gung, der Zu­tritt ist nur mit ei­ner vor­he­ri­gen Au­to­ri­sie­rung mög­lich. „Der Gast­ge­ber ent­schei­det, wer ein und aus geht“, er­klär­te Kraus, al­so der ÖFB. Selbst Lie­fe­ran­ten müss­ten sich vor­ab an­mel­den, wer plötz­lich vor der Tür steht und Ein­lass be­gehrt, wird ab­ge­wie­sen. Auf dem Ho­tel­ge­län­de ist ein von der Uefa en­ga­gier­ter pri­va­ter Si­cher­heits­dienst un­ter­wegs. Im Um­feld sor­gen fran­zö­si­sche Gen­dar­men da­für, dass nie­mand un­be­fugt Zu­tritt er­hält. Das Ho­tel ist folg­lich kom­plett ab­ge­rie­gelt, der 5-Ster­ne-Pa­last gleicht ei­nem Hoch­si­cher­heits­trakt. „Ja, das Ho­tel wird kom­plett ab­ge­rie­gelt“, kün­dig­te Di­rek­tor Je­ro­me Pin­c­epo­che an. „Es wird nur ei­nen Zu­gang ge­ben. Dort wird sich auch je­der Mit­ar­bei­ter aus­wei­sen müs­sen.“ Neu­er Ra­sen, ei­ge­nes Es­sen. In Frank­reich herr­sche seit dem Vor­jahr „ein Trau­ma. Da­her neh­men wir das al­les sehr ernst“, sagt Pin­c­epo­che. Mel­dun­gen, wo­nach auch Teams nun Ziel der Ter­ro­ris­ten sei­en, woll­te er nicht be­ant­wor­ten. Die War­nung vom deut­schen BKA aber ließ auf­hor­chen, die Fort­set­zung des Aus­nah­me­zu­stan­des in Frank­reich war schon vor­ab be­schlos­se­ne Sa­che. „Si­cher­heit ist ein mehr als hei­ßes The­ma. Aber ich ha­be das Ge­fühl, dass es sehr gut an­ge­gan­gen wor­den ist. Ich füh­le mich hier sehr si­cher.“Auch dank der GIGN-Be­am­ten. Der Ho­tel­di­rek­tor nennt sie sanft „Si­cher­heits­en­gel“. Idyll: Das ÖFB-Te­am­ho­tel in Mal­lem­ort.

Al­le 24 Teams wer­den bei der Fuß­ball-EM in Frank­reich durch Be­am­te ei­nes Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos ge­schützt. Die Per­so­nen­schüt­zer wer­den das ÖFB-Team auch zu den Spie­len be­glei­ten. Auch bei den drei öf­fent­li­chen Trai­nings in Mal­lem­ort wer­de aus­rei­chend Si­cher­heits­per­so­nal vor Ort sein. Es gel­te dann die glei­che Haus­ord­nung wie in al­len Eu­ro-Sta­di­en: Per­so­nen- und Be­hält­nis­kon­trol­le un­ter Po­li­zei­auf­sicht.

Die Bür­ger­meis­te­rin von Mal­lem­ort, Hel´ene` Gen­te, freut sich schon auf Ala­ba und Co. Sie gab auch die Termine für die­se Trai­nings be­kannt: 9. Ju­ni (17 Uhr), 15. Ju­ni (18 Uhr) und 19. Ju­ni (16.30 Uhr). Al­le Übun­gen fin­den im Sta­de d’Hon­neur zu Mal­lem­ort statt, es sind je­weils aber nur 500 Zu­schau­er zu­ge­las­sen. „Al­le Ti­ckets sind per­so­na­li­siert. Die Si­cher­heit liegt mir sehr am Her­zen.“Er­hält­lich sind die Ein­tritts­kar­ten in lo­ka­len Ge­schäf­ten, Ju­gend­li­che sol­len bei der Ver­ga­be be­vor­zugt wer­den. „Für sie ist das ei­ne ein­ma­li­ge Ge­le­gen­heit“, mein­te Gen­te.

Am Trai­nings­platz, kei­ne zehn Bus­mi­nu­ten vom Te­am­ho­tel ent­fernt, wur­de ein neu­er Ra­sen samt Be­wäs­se­rungs­sys­tem und mo­der­ner Drai­na­ge ver­legt. „Die Ös­ter­rei­cher sind sehr an­spruchs­voll“, er­klär­te An­toi­ne Al­le­gri­ni, der Sport­ver­ant­wort­li­che der Ge­mein­de und lang­jäh­ri­ge Prä­si­dent von Olym­pi­que Mal­lem­or­tais. Der Klub aus der 6300-Ein­woh­nerS­tadt ver­dingt sich in der ers­ten Di­vi­si­on der Pro­vence, der zehnt­höchs­ten Spiel­klas­se. Am ei­ge­nen Sport­platz ist bis EM-Start noch ei­ni­ges zu tun. Die neu­en Zu­fahrts­we­ge wol­len fer­tig­ge­stellt wer­den. Da­zu kommt ein vier Me­ter ho­her Zaun, der das ÖFB-Team vor Kie­bit­zen schüt­zen soll.

Auch bei der Ver­pfle­gung geht man sei­tens des ÖFB kein Ri­si­ko ein. Man bringt ei­ge­ne Kö­che nach Frank­reich, den lo­ka­len Gour­mets wol­le man aber nicht den Rang ab­lau­fen, wur­de vom Ver­band ver­laut­bart. Und: Im Ge­gen­satz zur Zim­mer­be­le­gung steht der Spei­se­plan längst fest.

»Mou­lin de Vern`egues«: Ho­tel­zu­tritt ist nur nach Au­to­ri­sie­rung mög­lich.

Die Völ­ker­wan­de­rung. 70.000 Ös­ter­rei­cher wer­den in Frank­reich er­war­tet, von die­ser Zahl ge­hen In­nen­mi­nis­ter Wolf­gang So­bot­ka (ÖVP) und

Drei­mal ist das ÖFB-Trai­ning öf­fent­lich, 500 Fans pas­sen in das »Sta­de d’Hon­neur«.

ÖFB-Prä­si­dent Leo Windt­ner aus. 2,5 Mil­lio­nen Men­schen ha­ben Ti­ckets er­wor­ben, in den Fan­zo­nen und beim Pu­b­lic Viewing wer­den fünf Mil­lio­nen wei­te­re er­war­tet. Auch 30.000 Un­garn wol­len da­bei sein, selbst aus Is­land wur­den ei­ge­ne Char­ter-Flot­ten en­ga­giert. Thor­dis Kol­brun Gyl­fa­dot­tir, sie ist die po­li­ti­sche Be­ra­te­rin der is­län­di­schen In­nen­mi­nis­te­rin, sprach von 15.000 Lands­leu­ten, die zur Eu­ro fah­ren. Bei 350.000 Ein­woh­nern sei der Ver­gleich mit ei­ner „Völ­ker­wan­de­rung“nicht ver­mes­sen.

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