Googles KI ist hung­rig und auf der Jagd

Auf der dies­jäh­ri­gen Ent­wick­ler­kon­fe­renz Goog­le I/O prä­sen­tier­te der Such­ma­schi­nen­rie­se die Vi­si­on der Zu­kunft. Und die­se ist span­nend, aber auch be­ängs­ti­gend.

Die Presse am Sonntag - - Spielzeug - VON BAR­BA­RA GRECH

Die zehn­te Goog­le I/O star­te­te wie ge­wohnt mit der Er­öff­nungs­keyno­te, die tra­di­tio­nell von Sun­dar Pich­ai ge­lei­tet wur­de. Doch das war es dann schon mit den Re­mi­nis­zen­zen zu frü­he­ren I/Os. Al­les neu und doch ir­gend­wie zu­rück zu den Wur­zeln. Ein neu­er Ver­an­stal­tungs­ort, ein Open-Air-Au­di­to­ri­um na­he dem Goog­le-Haupt­quar­tier, das der Kon­fe­renz ei­ne Nerd-Ober­li­ga-Fes­ti­val­stim­mung ver­pass­te. Nach zwei St­un­den Prä­sen­ta­ti­on voll mit Neu­hei­ten, In­no­va­tio­nen und Zu­kunfts­vi­sio­nen folg­ten Show-Acts. Al­les sehr ent­spannt und lo­cker. Ty­pisch Goog­le.

Die Goog­le-I/O war auch für Sun­dar Pich­ai et­was Be­son­de­res. Denn seit die­sem Jahr ist er Goog­le-Chef, nach­dem das Un­ter­neh­men und Sub­fir­men un­ter der Dach­fir­ma Al­pha­bet zu­sam­men­ge­schlos­sen wur­den. Sun­dar Pich­ai und sein Team kon­zen­trie­ren sich wie­der auf die Stär­ken von Goog­le. Das ist die Such­funk­ti­on und der da­mit vor ei­ni­gen Jah­ren ent­wi­ckel­te Know­ledge Graph. Goog­le will al­les wis­sen. Mit dem Goog­le-As­sis­tant kommt die Tech­no­lo­gie auf den Markt, die Goog­le ei­gent­lich schon seit Jah­ren in Hän­den hält. Ei­ne Ma­schi­ne, die auf dem Weg zur All­wis­sen­heit ist. Der Da­ten­pool ist in den letz­ten Jah­ren mas­siv ge­wach­sen. Kein Wun­der, wird er doch tag­täg­lich von je­dem Nut­zer an­ge­rei­chert.

Mitt­ler­wei­le ist der Know­ledge Graph – zu­min­dest auf Eng­lisch – so weit, dass die Fra­ge nach ak­tu­el­len Ki­no­fil­men be­reits Ki­nos in der Nä­he an­zeigt und im nächs­ten Schritt di­rekt über die App der Ti­cket­kauf ab­ge­schlos­sen wer­den kann. Ob der aus­ge­wähl­te Film über­haupt gut ist, be­ant­wor­tet die Such­ma­schi­ne auch gleich. Es folgt aber kei­ne Auf­lis­tung von Kri­ti­ken oder Ein­spiel­ergeb­nis­sen, son­dern ei­ne Ein­schät­zung an­hand der Kri­ti­ken. Der As­sis­tent wird zum un­er­setz­li­chen Be­glei­ter und zieht mit in die ei­ge­nen vier Wän­de. Als klei­ne, un­schein­ba­re Sta­ti­on. Er soll ein dau­er­prä­sen­ter An­sprech­part­ner wer­den. Ein As­sis­tent, der im­mer zu­hört. Ein Ge­rät, das nicht schläft und im­mer da ist, um zu re­agie­ren. Aber was, wenn man es ein­mal nicht braucht? Si­cher­heit bleibt auf der Stre­cke. Die De­mos von Goog­le wa­ren be­ein­dru­ckend. Die Rea­li­sie­rung von kon­text­ba­sier­ter, se­man­ti­scher Su­che wur­de seit Jah­ren dis­ku­tiert. Und nun ist sie da.

Goog­le ver­spricht, dass die kom­men­de Soft­ware An­dro­id N in vie­len Be­rei­chen hin­sicht­lich der Si­cher­heit „auf­ge­bohrt und grund­le­gend ver­bes­sert“wur­de. Doch der­ar­ti­ge Ver­spre­chen müs­sen vor­erst als Lip­pen­be­kennt­nis an­ge­se­hen wer­den, so­lan­ge das Un­ter­neh­men nicht den Be­weis er­bracht hat. Sol­che Ver­spre­chen müs- sen mit Vor­sicht ge­nos­sen wer­den. An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass im neu­en Mes­sen­ger Al­lo Ver­schlüs­se­lung nur ei­ne Op­ti­on ist. Und das, nach­dem füh­ren­de Mes­sen­ger-Di­ens­te ei­ne En­de­zu-En­de-Ver­schlüs­se­lung ha­ben.

Spe­ku­la­tio­nen dar­über, dass es sich da­bei um ein Ein­ge­ständ­nis ge­gen­über US-Be­hör­den han­delt, sind eher ab­we­gig. Viel­mehr ist es Googles Be­stre­ben, dass die Ver­schlüs­se­lung letzt­end­lich nicht ge­nutzt wird, denn hin­ter Al­lo und al­len neu­en Ser­vices ste­hen der Know­ledge Graph und die KI (Künst­li­che In­tel­li­genz), und die­se müs­sen ge­füt­tert wer­den. Mit Da­ten, mit dem Surf­ver­hal­ten der Nut­zer und mit den zig Mil­lio­nen an Such­an­fra­gen. Ei­ne En­de-zu-En­de-Ver­schlüs­se­lung wür­de die Un­ter­neh­mens­stra­te­gie zu­nich­te­ma­chen. Goog­le setzt hier auf die Be­quem­lich­keit der Nut­zer.

AFP

Sun­dar Pich­ai bringt Goog­le wie­der auf Er­folgs­kurs.

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