Franz und die Dä­mo­nen

Die Presse am Sonntag - - Lesenhören -

Ama­ryl­lis Som­me­rer hat ei­nen be­rüh­ren­den Ro­man über ei­nen Mann ge­schrie­ben, der über dem Ab­grund bau­melt und zu schwer für die ret­ten­de Hand ist. Seit Ma­rie von Eb­ner-Eschen­bach hat es her­aus­ra­gen­de Frau­en in der ös­ter­rei­chi­schen Li­te­ra­tur ge­ge­ben, und sel­ten mehr als zur­zeit: Va­le­rie Fritsch, Ger­traud Klemm, Ka­rin Pesch­ka oder die hier eben­falls be­spro­che­ne Ju­lya Ra­bi­no­wich. Ei­ne lei­se, aber um nichts we­ni­ger ein­dring­li­che Stim­me ist je­ne von Ama­ryl­lis Som­me­rer. Kei­ne Au­to­rin, die pünkt­lich im Herbst vor dem An­sturm auf die Buch­hand­lun­gen ei­nen Ro­man her­aus­bringt, sie lässt sich Zeit. Was dann kommt, ist je­doch ge­wal­tig – so ge­wal­tig, wie das Le­ben, das geht und ver­geht.

Franz – Sohn ei­nes al­lein­er­zie­hen­den Al­ko­ho­li­kers – wächst in Ot­ta­kring auf, wird kurz vor Kriegs­en­de noch zum Volks­sturm ein­ge­zo­gen, kehrt ins ka­put­te Wi­en zu sei­nem ka­put­ten Va­ter zu­rück. Statt ei­ner bür­ger­li­chen Nach­kriegs­wirt­schafts­wun­der-Lauf­bahn macht er Kar­rie­re in der Un­ter­welt. Im „Ve­gas“, Vor­stadt­ka­schem­me mit schmie­ri­gen Ani­mier­da­men, wird er zum Spie­ler. Bis er Hel­li ken­nen­lernt, die Lie­be sei­nes Le­bens, die al­les tut, um Franz zu ret­ten. Doch Franz ist nicht zu ret­ten. Ei­ne Fi­gur wie Ger­hart Haupt­manns Bahn­wär­ter Thiel in Fall­hö­he und -ge­schwin­dig­keit. Franz weiß, was er falsch macht. Aber so wie sich der Bahn­wär­ter nicht von sei­ner herz­lo­sen Frau trennt, so lässt Franz sei­ne Dä­mo­nen nicht los: das Spiel und den Al­ko­hol.

Sprach­lich geht Som­me­rers Ro­man weit über ei­ne na­tu­ra­lis­ti­sche Mi­lieu­stu­die hin­aus. Es ist kein Re­por­ta­ge­ro­man, son­dern ei­ne zar­te, sen­si­ble Er­zäh­lung über ei­nen zu­tiefst trau­ri­gen Men­schen. cle Ama­ryl­lis Som­me­rer: „Wie das Le­ben geht“, Pi­cus, 268 S., 24 Eu­ro

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