Der Sieg über He­pa­ti­tis C

Die jŻhr­zehn­telŻng Żls un­heilãŻr gel­ten©e In­fek­ti­ons­krank­heit könn­te ©urch neue un© vor Żl­lem leis­tãŻ­re Me©ikŻ­men­te schon ãŻl© Żus­ge­rot­tet sein.

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON KÖKSAL BALTACI

Der Auf­schrei war ge­wal­tig. Da ge­lingt es ei­nem Phar­ma­un­ter­neh­men mit ei­nem re­vo­lu­tio­nä­ren Durch­bruch in der For­schung, ein hei­len­des Me­di­ka­ment ge­gen die In­fek­ti­ons­krank­heit He­pa­ti­tis C zu ent­wi­ckeln, aber weil es so teu­er ist, wer­den die we­nigs­ten Pa­ti­en­ten da­mit be­han­delt. In den Ge­nuss kom­men nur je­ne, bei de­nen be­reits schwe­re Le­ber­schä­den auf­ge­tre­ten sind und bei de­nen die al­te, deut­lich güns­ti­ge­re The­ra­pie nicht ver­tra­gen wird bzw. wirkt. Das ist nun zwei Jah­re her.

Das Me­di­ka­ment vom Phar­ma­her­stel­ler Gi­lead, in des­sen Füh­rungs­rie­ge sich auch der ös­ter­rei­chi­sche Bio­che­mi­ker Nor­bert Bi­schof­ber­ger be­fin­det, heißt So­val­di (Wirk­stoff: So­fos­bu­vir) und wur­de als die „1000-Dol­lar-Ta­blet­te“be­rühmt. Sie weist Er­folgs­ra­ten von 98 bis 100 Pro­zent auf, die zwölf­wö­chi­ge Kom­bi­na­ti­ons­the­ra­pie, die ca. 90.000 Eu­ro pro Per­son kos­tet, hat zu­dem kei­ner­lei nen­nens­wer­te Ne­ben­wir­kung. Gi­lead nahm mit So­val­di im ers­ten Halb­jahr sechs Mil­li­ar­den Dol­lar ein.

Bi­schof­ber­ger, der einst auch das In­flu­en­za-Me­di­ka­ment Ta­mif­lu ent­wi- ckelt hat, hat den Preis stets ver­tei­digt. Denn was viel­fach igno­riert wer­de, sei die Tat­sa­che, dass He­pa­ti­tis C nicht nur die Le­ber be­tref­fe. In­fi­zier­te hät­ten auch mehr kar­dio­vas­ku­lä­re Er­kran­kun­gen, mehr Dia­be­tes, mehr Nie­ren­er­kran­kun­gen etc. „Wenn wir je­man­den von He­pa­ti­tis C hei­len kön­nen, kön­nen wir nicht nur Le­ber­trans­plan­ta­tio­nen, son­dern auch wei­te­re Er­kran­kun­gen ver­hin­dern“, be­ton­te Bi­schof­ber­ger. Als „ethi­sche Ka­ta­stro­phe“be­zeich­ne­te hin­ge­gen Pe­ter Fe­ren­ci vom AKH Wi­en, ei­ner der füh­ren­den He­pa­to­lo­gen Ös­ter­reichs, da­mals die Si­tua­ti­on.

Seit­her hat sich viel ver­än­dert. Das Un­ter­neh­men Ab­bVie hat ein ähn­lich wirk­sa­mes, deut­lich güns­ti­ge­res Me­di­ka­ment her­aus­ge­bracht. Und der Haupt­ver­band in Ös­ter­reich ge­neh­migt mitt­ler­wei­le auch die Be­hand­lun­gen von Pa­ti­en­ten oh­ne star­ke Le­ber­schä­den (ab Sta­di­um F2, zu­vor ab F4). „So­mit wer­den mehr als 90 Pro­zent al- ler Be­trof­fe­nen mit den neu­en The­ra­pi­en be­han­delt“, sagt Fe­ren­ci am Ran­de ei­nes He­pa­ti­tis-C-Sym­po­si­ums in Bar­ce­lo­na. „Dar­un­ter bei­spiels­wei­se je­der, der ei­ne Le­ber­trans­plan­ta­ti­on hin­ter sich hat.“ Neue In­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne. Ob­wohl Fe­ren­ci im Ru­he­stand ist, be­treut er sei­ne Pa­ti­en­ten an vier Ta­gen in der Wo­che im AKH nach wie vor selbst. Er hofft, dass die wei­te­ren Ver­hand­lun­gen zwi­schen dem Haupt­ver­band und den Phar­ma­fir­men er­folg­reich ver­lau­fen und bald sämt­li­che mit He­pa­ti­tis C in­fi­zier­ten Pa­ti­en­ten be­han­delt wer­den und die Krank­heit aus­ge­rot­tet wird.

Da vie­le In­fi­zier­ten von ih­rer Krank­heit gar nichts wis­sen, star­te­te Ab­bVie ei­ne um­fas­sen­de In­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne. Auf der Sei­te www.he­pa­ti­tisc-in­fo.at kön­nen sich Be­trof­fe­ne und An­ge­hö­ri­ge im Um­gang mit der Krank­heit in­for­mie­ren.

„Mit­hil­fe an­schau­li­cher Su­jets wer­den auf die­ser Sei­te mit ei­nem hu­mor­vol­len An­satz Si­tua­tio­nen prä­sen­tiert, die je­dem von uns be­kannt sein dürf­ten“, sagt Ju­dith Kunc­zier, Ex­ter­nal Af- fairs-Ver­ant­wort­li­che von Ab­bVie. „Die Kam­pa­gne wur­de ge­mein­sam mit ei­ner Pa­ti­en­ten­or­ga­ni­sa­ti­on und Selbst­hil­fe­grup­pen ge­star­tet und soll da­zu an­re­gen, sich über die Krank­heit He­pa­ti­tis C zu in­for­mie­ren und da­bei gleich­zei­tig die ei­ge­ne Ge­sund­heits­kom­pe­tenz stär­ken.“ Recht­zei­ti­ge The­ra­pie wich­tig. Rund 30.000 Ös­ter­rei­cher lei­den Schät­zun­gen zu­fol­ge un­ter ei­ner chro­ni­schen He­pa­ti­tis C. Welt­weit dürf­ten es et­wa 180 Mil­lio­nen Men­schen sein. Bei Neu­in­fek­tio­nen ist die recht­zei­ti­ge The­ra­pie be­son­ders wich­tig, weil da­durch der Über­gang in ei­ne chro­ni­sche Er­kran­kung ver­hin­dert wer­den kann. 50 bis 80 Pro­zent der In­fek­tio­nen wer­den chro­nisch.

Nach 20 Jah­ren ha­ben 15 bis 20 Pro­zent der Pa­ti­en­ten ei­ne Le­ber­zir­rho­se. Je­des Jahr er­kran­ken dann fünf Pro­zent die­ser Men­schen an Le­ber­krebs. Die Über­tra­gung er­folgt haupt­säch­lich über di­rek­ten Kon­takt mit kon­ta­mi­nier­tem Blut. Ri­si­ko­grup­pen sind Dro­gen­ab­hän­gi­ge, die un­ter­ein­an­der Sprit­zen tei­len, oder Per­so­nen, die sich beim Ste­chen von Pier­cings und Tat­toos bei un­se­riö­sen An­bie­tern im Aus­land an­ste­cken. Ei­ne Über­tra­gung im All­tag ist prak­tisch nicht mög­lich.

Wird im Üb­ri­gen ei­ne chro­ni­sche He­pa­ti­tis C durch ei­ne me­di­ka­men­tö­se Be­hand­lung aus­ge­heilt, ver­hilft das den Be­trof­fe­nen mit schwe­ren Le­ber-

Zwi­schen HŻupt­ver­ãŻn© un© PhŻr­mŻ­un­ter­neh­men lŻu­fen wei­te­re Ver­hŻn©lun­gen. PŻ­ti­en­ten mit ei­ner ge­heil­ten He­pŻ­ti­tis C hŻãen ei­ne nor­mŻ­le Leãens­er­wŻr­tung.

schä­den zu ei­ner nor­ma­len Le­bens­er­war­tung. Das hat ei­ne ita­lie­ni­sche Lang­zeit­stu­die er­ge­ben, die vor Kur­zem im „Jour­nal of He­pa­to­lo­gy“ver­öf­fent­licht wur­de.

Sa­vi­no Bru­no von der Hu­ma­ni­tasU­ni­ver­si­tät in Roz­za­no in Ita­li­en und sei­ne Ko­au­to­ren ha­ben ei­ne Per­so­nen­grup­pe von 1802 Pa­ti­en­ten mit chro­ni­scher He­pa­ti­tis C und be­reits auf­ge­tre­te­ner Le­ber­zir­rho­se be­ob­ach­tet. 795 der Er­krank­ten er­hiel­ten die al­te In­ter­fe­ron/Ri­ba­vi­rin-The­ra­pie.

Die­se The­ra­pie dau­er­te 24 bis 72 Wo­chen, schlug nur bei der Hälf­te der Pa­ti­en­ten an und hat­te schwe­re Ne­ben­wir­kun­gen wie Fie­ber, Mü­dig­keit, De­pres­sio­nen und Haar­aus­fall. Nur 181 der Be­han­del­ten zeig­ten lang­fris­tig ei­ne völ­li­ge Un­ter­drü­ckung der He­pa­ti­tis C-In­fek­ti­on.

Die Wis­sen­schaft­ler ver­gli­chen lang­fris­tig die Über­le­bens­ra­te der ge­heil­ten Pa­ti­en­ten mit je­ner der All­ge­mein­be­völ­ke­rung. Nach zehn Jah­ren wa­ren noch 90 Pro­zent der Pa­ti­en­ten am Le­ben, nach 20 Jah­ren 63 Pro­zent. Das ent­spricht der Über­le­bens­ra­te der Nor­mal­be­völ­ke­rung.

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Von He­pa­ti­tis C ist in ers­ter Li­nie die Le­ber be­trof­fen. 50 bis 80 Pro­zent der In­fek­tio­nen wer­den chro­nisch und kön­nen zu Le­ber­zir­rho­se füh­ren.

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