»Jetzt sind wir Ga­mer alt ge­nug«

Nach sei­nem De­büt­film »Moon« und dem »Sour­ce Co­de« legt der 45-jäh­ri­ge Bri­te Dun­can Jo­nes sei­ne drit­te Re­gie­ar­beit vor. War­um »War­craft« nur ein Spie­ler ma­chen konn­te – und war­um sei­ne Lie­be zu Sci­ence-Fic­tion viel mit sei­nem Va­ter Da­vid Bo­wie zu tun hat.

Die Presse am Sonntag - - Menschen - VON PATRICK HEID­MANN

Von ei­nem „War­craft“-Film ist seit min­des­tens zehn Jah­ren die Re­de. War­um hat es so lang ge­dau­ert, das Spiel ins Ki­no zu brin­gen? Dun­can Jo­nes: Da­für gab es si­cher­lich ver­schie­de­ne Grün­de. Be­vor ich mit an Bord kam, sah es zum Bei­spiel ei­ne gan­ze Wei­le so aus, als wür­de mein Kol­le­ge Sam Rai­mi den Film ma­chen. Doch dann hat­ten Bliz­zard, die für das Spiel ver­ant­wort­li­che Fir­ma, und er wohl un­ter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen dar­über, wie die Sa­che aus­se­hen sol­le. Dass es zwi­schen Sam und mir ei­nen nicht ganz un­er­heb­li­chen Al­ters­un­ter­schied gibt, hat si­cher ei­nen Grund. Wie mei­nen Sie das? Dass ihm die ers­ten „Spi­der-Man“-Fil­me so gut ge­lun­gen sind, hat­te viel da­mit zu tun, dass er als rie­si­ger Co­mi­cFan auf­ge­wach­sen war. Das war sei­ne Welt, und er war ge­nau der Rich­ti­ge für den Job. Com­pu­ter­spie­le da­ge­gen sind ei­ne Sa­che mei­ner Ge­ne­ra­ti­on, ich ha­be in mei­ner Ju­gend je­de Men­ge ge­spielt. Viel­leicht war al­so die Zeit für ei­nen „War­craft“-Film erst reif, als wir frü­hen Ga­mer alt ge­nug wa­ren, ihn selbst zu dre­hen. Sie ha­ben tat­säch­lich „War­craft“ge­spielt? Oh ja, da war ich ein Mann der ers­ten St­un­de. Das al­ler­ers­te Spiel hieß „Orcs & Hu­mans“und kam vor 20 Jah­ren auf den Markt. Das ha­be ich mit Be­geis­te­rung ge­spielt. Und da­nach die Echt­zeit-Stra­te­gie­spie­le und an­fangs auch „World of War­craft“. Doch je wei­ter sich da die Ga­me-Wel­ten ent­wi­ckel­ten, des­to mehr Raum nahm die Ar­beit in mei­nem Le­ben ein. Ich hat­te kaum noch Zeit zum Spie­len, ich muss­te Geld ver­die­nen. Zum Glück be­kam ich mei­ne „War­craft“-Sucht in den Griff. Aber ein Ga­mer bin ich heu­te noch. Spie­le-Ver­fil­mun­gen ha­ben kei­nen gu­ten Ruf. Gibt es ei­ne, die Sie gern moch­ten? „Mor­tal Kom­bat“. Ich weiß schon, dass das kein groß­ar­ti­ger Film ist. Aber er hat mir viel Spaß ge­macht. Da­von ab­ge­se­hen gibt es gu­te Fil­me, die sich er­zähl­tech­nisch an Vi­deo­spie­len ori­en­tie­ren. Den­ken Sie nur an „Edge of To­mor­row“mit Tom Crui­se. Sie ha­ben al­so nie be­fürch­tet, dass es un­mög­lich sein kön­ne, ei­ne gu­te Spie­le-Ad­ap­ti­on auf die Lein­wand zu brin­gen? Dann hät­te ich „War­craft“si­cher nicht ge­dreht, oder? Aber im Ernst: Ich glau­be, man kann wirk­lich aus je­dem Qu­el­len­ma­te­ri­al ei­nen gu­ten Film ma­chen. Man braucht nur die rich­ti­ge Idee und

1971

wur­de Dun­can Jo­nes in Lon­don ge­bo­ren.

2010

kam mit dem Sci­en­ceFic­tion-Dra­ma „Moon“sein ers­ter Ki­no­film als Re­gis­seur her­aus und brach­te ihm gu­te Kri­ti­ken ein. Ein Jahr spä­ter folg­te der Thril­ler „Sour­ce Co­de“mit Ja­ke Gyl­len­haal und Mi­chel­le Mo­nag­han in den Haupt­rol­len und eta­blier­te Jo­nes als ernst­zu­neh­men­den Fil­me­ma­cher. Vi­si­on. Als es vor ei­ni­gen Jah­ren hieß, Da­vid Fin­cher dre­he ei­nen Film über Face­book, konn­te sich nie­mand vor­stel­len, was das wer­den soll. Dann kam „The So­ci­al Net­work“da­bei her­aus. Al­le Ih­re Fil­me ha­ben mit Sci­ence-Fic­tion oder Fan­ta­sy zu tun. Das ha­be ich si­cher­lich auch mei­nem Va­ter zu ver­dan­ken. Er hat mich dies­be­züg­lich früh ge­prägt, hat mir die Fil­me von Ku­brick ge­zeigt und die Wer­ke von Ge­or­ge Or­well, Phi­lip K. Dick oder John Wynd­ham nä­her­ge­bracht. Auch Fritz Langs „Me­tro­po­lis“ha­be ich zu­sam­men mit ihm ge­se­hen. Ha­ben Sie ihn zu Dreh­ar­bei­ten be­glei­tet? Selbst­ver­ständ­lich. Ich war da­mals mit am Set von „Die Rei­se ins La­by­rinth“, was für mich als Kind na­tür­lich das Größ­te war. Dreh­ar­bei­ten nicht nur mit dem Pa­pa, son­dern vor al­lem mit Jim Hen­son und sei­nen Schöp­fun­gen. Bei „Ab­so­lu­te Be­gin­ners“und „Be­gier­de“ha­be ich ihn aber auch mal ein paar Ta­ge be­sucht. Als er dann an der Fern­seh­sen­dung „The Hun­ger“ar­bei­te­te, lern­te ich vor Ort Leu­te wie To­ny Scott ken­nen. Das war der Knack­punkt in mei­ner Lauf­bahn. Da­vor war Ihr Ziel ei­gent­lich ein Dok­to­rat. Ja, in Nash­ville. Ich ha­be da­mals ei­ne gan­ze Wei­le ver­sucht, bloß nichts Krea­ti­ves zu ma­chen. Das lag un­be­wusst si­cher auch dar­an, dass ich stets ver­such­te, mei­nen Weg voll­kom­men un­ab­hän­gig von mei­nem Va­ter zu ge­hen und nicht stän­dig als „Sohn von“ge­se­hen zu wer­den. Selbst als ich spä­ter als Re­gis­seur in der Wer­be­bran­che ar­bei­te­te, be­müh­te ich mich im­mer dar­um, dass mög­lichst we­ni­ge Leu­te wuss­ten, wer ich bin. Und nun fol­gen Sie wo­mög­lich sei­nen Spu­ren und dre­hen ei­nen Film in Ber­lin. Das ist der Plan. Wo­bei „Mu­te“nichts mit mei­nem Va­ter zu tun hat, auch kein neu­es Pro­jekt ist. Ur­sprüng­lich soll­te das mein ers­ter Film wer­den. Wenn nicht wie­der et­was da­zwi­schen kommt, wer­de ich schon dem­nächst in Ber­lin zu dre­hen be­gin­nen, mit Paul Rudd und Alex­an­der Skars­gard.˚ Und be­vor Sie fra­gen: Ja, auch das ist wie­der ei­ne Sci­ence-Fic­tion-Ge­schich­te.

Com Rich Fu­ry/AP/pic­tu­re­desk.

Dun­can Jo­nes Der bri­ti­sche Re­gis­seur ei­ne Sa­che mei­ner Ge­ne­ra­ti­on.“„Com­pu­ter­spie­le sind Film zu ma­chen. um ei­nen glaub­wür­di­gen er­klärt, was es braucht,

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