Kraft­meie­rei statt no­bler Grö­ße

Die Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker un­ter Chris­toph Eschen­bach: auf­schnei­de­risch wuch­tig, laut – und da­durch er­mü­dend. Al­les klang

Die Presse am Sonntag - - Kultur - VON WA LT E R W E I D R I N G E R

Das Orches­ter formt ei­nen klang­ge­wal­ti­gen Dop­pel­punkt, um in der So­lo­ka­denz der Gei­ge­rin das Feld zu über­las­sen – doch da setzt die Pau­ke mit ei­nem dra­ma­ti­schen Wir­bel ein, grun­diert die stol­zen Vir­tuo­sen­ges­ten der Vio­li­ne mit auf­wal­len­dem, dump­fem Grol­len, schließ­lich steh­len sich die Strei­cher von der Tie­fe her da­zu, be­rei­ten un­ter auf­stei­gen­den Tril­lern der So­lis­tin den wun­der­bar zar­ten Be­ginn der dar­auf­hin ein­set­zen­den Co­da vor: Es war Fer­ruc­cio Bu­so­nis 1913 kom­po­nier­te Ka­denz zum Vio­lin­kon­zert von Jo­han­nes Brahms, mit der Li­sa Ba­tia­sh­vili und die Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker un­ter Chris­toph Eschen­bach das Mu­sik­ver­ein­s­pu­bli­kum über­rasch­ten. Ihr et­was über­dra­ma­ti­sier­ter Cha­rak­ter pass­te durch­aus zu ei­nem ins­ge­samt pa­the­tisch-pom­pö­sen Abend, an dem der Ge­samt­klang im­mer wie­der zu be­acht­li­chen Phon­stär­ken deut­lich jen­seits so­no­rer No­bles­se ge­führt wur­de.

Esa-Pek­ka Sa­lo­nen ist ein sel­te­ner Gast am Pult der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker. Aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den hat­te er die Termine des ach­ten Abon­ne- mentkon­zerts am Wo­che­n­en­de und die Fest­wo­chen-Vor­weg­nah­me am Frei­tag ab­ge­sagt, wor­auf das Orches­ter Chris­toph Eschen­bach als Ein­sprin­ger hol­te. Fa­mo­se Ba­tia­sh­vili. Un­ter den der­zeit be­vor­zug­ten Phil­har­mo­ni­ker-Di­ri­gen­ten fin­det sich wohl kei­ner, der von Sa­lo­nens Stil- und Klang­vor­stel­lun­gen wei­ter ent­fernt wä­re als der 76-jäh­ri­ge Deut­sche: Legt der spor­ti­ve Fin­ne Wert auf Trans­pa­renz, Tem­po, Ge­schmei­dig­keit, re­gier­ten nun epi­sche Brei­te, ein Hang zu ein­ge­dick­ter Li­ne­a­tur und über­lau­te Stei­ge­run­gen. Ob Beet­ho­vens „Eg­mont“-Ou­ver­tü­re, Brahms oder Schu­manns Zwei­te, al­les klang auf die glei­che Wei­se auf­schnei­de­risch wuch­tig und da­durch er­mü­dend – wo­bei der Kraft­auf­wand zwar nicht die Wir­kung auf das Pu­bli­kum, wohl aber den Ein­druck er­ha­be­ner Grö­ße ver­fehl­te. Be­wun­derns­wert, wie sich die fa­mo­se Li­sa Ba­tia­sh­vili bei Brahms mit glü­hend in­ten­si­vem Ton auf die­se Tour de force ein­stell­te und, so­weit in der so zu­ge­spitz­ten Les­art mög­lich, auch Leich­tig­keit und Ly­rik zu ih­rem Recht ver­half.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.