»Die­se Pa­trouil­le der Chan­cen­lo­sen«

Ös­ter­reichs Po­li­tik wir© nur sel­ten im Aus­lŻn© erw´hnt. Oh­ne Rechts­ruck sin© wir fŻ©. Bun©es­kŻnz­ler Kern ist im Ver­gleich ei­ne Fuß­no­te.

Die Presse am Sonntag - - Medien - VON NOR­BERT MAY­ER

Wir sind wie­der wer in der Welt“, kön­nen sich pa­trio­ti­sche Ös­ter­rei­cher sa­gen – zu­min­dest, was die Be­richt­er­stat­tung in in­ter­na­tio­na­len Me­di­en be­trifft. Un­se­re Bun­des­po­li­tik in­ter­es­siert von den USA bis Russ­land, in ganz Eu­ro­pa, be­son­ders in Deutsch­land. Al­ler­dings gibt es in den Auf­ma­chun­gen ei­nen star­ken Rechts­drall.

Die BBC wid­me­te der FPÖ am Sams­tag ein aus­führ­li­ches Fea­tu­re, in dem sich das Wort Fa­schis­mus häuf­te. Mos­kaus Sprach­rohr RT Deutsch sieht längst schon „Rechts­po­pu­lis­ten auch in Ös­ter­reich auf dem Vor­marsch“. „Aus­tria’s elec­tion is a warning to the west“, hieß es die­se Wo­che in „The New York Ti­mes“alar­mis­tisch von de­ren Op-Ed- Ko­lum­nis­tin Syl­vie Kauffmann, ei­ner ehe­ma­li­gen Chef­re­dak­teu­rin des Pa­ri­ser Welt­blat­tes „Le Mon­de“. Es kön­ne leicht sein, dass die west­li­che Welt am Mon­tag mit der Neu­ig­keit auf­wa­che, dass „erst­mals seit der Be­sie­gung des Na­zis­mus ein eu­ro­päi­sches Land de­mo­kra­tisch ein Staats­ober­haupt ge­wählt hat, das ganz rechts ist“.

Und was ist mit der eben er­folg­ten Wen­de zum neu­en Bun­des­kanz­ler? Sie fin­det we­sent­lich we­ni­ger Be­ach­tung. In der Vor­wo­che hat zum Bei­spiel das deut­sche Nach­rich­ten­ma­ga­zin „Der Spie­gel“auf acht Sei­ten ge­nüss­lich ein Sit­ten­bild des klei­nen Nach­barn ge­zeich­net: „Fesch, freund­lich, na­tio­nal“be­schäf­tigt sich in­ten­siv mit den er­folg­rei­chen Rechts­po­pu­lis­ten des Al­pen­lan­des. Und an die­sem Sams­tag, nach Amts­an­tritt des neu­en Bun­des­kanz­lers, Chris­ti­an Kern, von der SPÖ? Kei­ne Zei­le in der ge­druck­ten Aus­ga­be des „Spie­gel“. „On­ly bad news are good news.“

Ähn­lich ist die­se Wo­che die Ge­wich­tung in der Ös­ter­reich-Aus­ga­be des links­li­be­ra­len Wo­chen­blat­tes „Die Zeit“. Kern muss sich mit ei­nem ana­ly­ti­schen Zwei­spal­ter (zu­min­dest aber auf Sei­te 1) zu­frie­den­ge­ben. Im Blatt­in­ne­ren hin­ge­gen do­mi­niert der Kampf um die Hof­burg – und in ihm der frei­heit­li­che Shoo­ting­star Nor­bert Ho­fer, der im ers­ten Wahl­gang Ers­ter wur­de. Auf der Ti­tel­sei­te ist er wie ein blau­er Füh­rer im Stil ei­ner alt­mo­di­schen Dik­ta­tur ge­zeich­net. Ti­tel: „Kommt die Drit­te Re­pu­blik?“Bei sol­chem Droh­po­ten­zi­al wird Kern zur Ran­der­schei­nung, er ist gar nicht erst ab­ge­bil­det.

Im Blatt­in­ne­ren gibt es ein klei­nes Fo­to Alex­an­der Van der Bel­lens, des längst nicht mehr nur grü­nen Kan­di­da­ten, ne­ben dem von Ho­fer, aber auf zwei wei­te­ren Sei­ten fol­gen nur Bil­der von Ho­fer. 3:1:0. In der Ana­ly­se Joa­chim Riedls zur neu­en Bun­des­re­gie­rung wird die Auf­ga­be des Kanz­lers als Him­mel­fahrts­kom­man­do be­zeich­net: „Chris­ti­an Kern ist sicht­lich ge­schmei-

»The New York Ti­mes«: »Ös­ter­reichs WŻhl ist ei­ne WŻr­nung Żn ©en Wes­ten.«

chelt, dass man ihn da­zu aus­er­ko­ren hat, die­se Pa­trouil­le der Chan­cen­lo­sen ins Un­ge­wis­se zu füh­ren.“Düs­te­res Fa­zit: Kern stür­ze sich „wie ein Ret­tungs­schwim­mer in die­se See von Pla­gen. Schwer vor­stell­bar, dass ihm die Volks­par­tei den Ruhm des Le­bens­ret­ters frei­wil­lig über­lässt. Ge­mein­sam un­ter­ge­hen wä­re auch ei­ne Op­ti­on.“

Das li­be­ra­le bri­ti­sche Wo­chen­ma­ga­zin „The Eco­no­mist“nä­her­te sich der Cau­sa die­sen Sams­tag in der Ko­lum­ne „Char­le­ma­gne“mit „Ve­xed in Vi­en­na“. Das kann ver­är­gert, ge­quält, um­strit­ten oder viel dis­ku­tiert be­deu­ten. Die Un­ter­zei­le gibt Ös­ter­reich erst recht zwei­fel­haf­tes Lob: Ei­nes der stets fa­des­ten Län­der Eu­ro­pas wer­de plötz­lich in­ter­es­sant. Wel­che Rol­le spielt Kern in dem Text? Ei­ne un­dank­ba­re: „Die Re­gie­rung hat nun ih­re letz­te Chan­ce zu be­wei­sen, dass ihr die Ide­en nicht aus­ge­gan­gen sind.“

Cle­mens FŻã­ry

Im Fo­kus, zu­min­dest in Wi­en: der neue Bun­des­kanz­ler Chris­ti­an Kern und sein Vi­ze­kanz­ler Rein­hold Mit­ter­leh­ner (r.) bei Bun­des­prä­si­dent Heinz Fi­scher (l.).

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