Un­ter­wegs

WAS EI­NEM AUF REI­SEN SO AL­LES ÜBER DEN WEG LÄUFT

Die Presse am Sonntag - - Globus - VON TI­MO VÖL­KER

Bi­zar­re Ri­tua­le auf Ös­ter­reichs Au­to­bah­nen: Will­kom­men in der Ret­tungs­gas­se!

Was ist denn jetzt los? Drei fah­ren un­ver­mit­telt nach links, drei schwen­ken aus der Fahr­spur nach rechts, zwei blei­ben zö­gernd in der Mit­te wie beim Kin­der­ge­hüp­fe „1, 2 oder 3“, mit ei­nem Mal geht es zu wie in Bag­dad oder Ka­ra­chi zur Rush­hour. Ach so, al­les klar: Hier wird ge­ra­de ei­ne Ret­tungs­gas­se ge­bil­det.

Die Ret­tungs­gas­se ist ein Ver­mächt­nis der Ära Bu­res im Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um. Die Auf­re­gung bei ih­rer Ein­füh­rung hat sich längst ge­legt, der üb­li­che Rech­nungs­hof-Bericht, der an­schlie­ßend die hor­ren­den Kos­ten bei miss­glück­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on und frag­wür­di­gem Nut­zen an­ge­pran­gert hat: gut in Schub­la­den ver­staut. Die ös­ter­rei­chi­sche Ret­tungs­gas­se ist ver­mut­lich der teu­ers­te Ver­kehrs­weg der Welt, weil sie viel ge­kos­tet hat, aber phy­sisch nichts ge­baut wur­de. Man hat sie po­li­tisch ge­wollt, nach deut­schem Vor­bild, wie­wohl es dort nur schma­le Stand­strei­fen gibt im Un­ter­schied zu un­se­ren breit be­mes­se­nen Pan­nen­strei­fen. Viel­leicht hilft sie der As­fi­nag, je­ne Pan­nen­strei­fen in Zu­kunft als kos­ten­güns­ti­ge neue Fahr­spu­ren zu ge­win­nen.

Fürs Ers­te blei­ben de­li­ka­te Schau­spie­le, die sich ein­stel­len, so­bald der Ver­kehr stockt, wo­mit zur Ur­laubs­zeit ver­mehrt zu rech­nen ist. Ir­gend­wer fin­det sich im­mer, der sich flugs an die Leit­plan­ke schmiegt, um die Gas­se zu er­öff­nen, auch, wenn auf ei­ner Spur noch Be­we­gung ist. Und wer will schon Ver­hin­de­rer des selbst­lo­sen An­sin­nens sein? Nur wie, wo und wann genau zu ver­fah­ren ist, das ist Ge­gen­stand von Be­leh­run­gen, die sich die Ret­tungs­gas­sen­be­woh­ner dann schön nach­bar­schaft­lich mit Ges­ten und Wor­ten zu­kom­men las­sen.

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