As­phalt­pick­nick mit Fuß­ball

Mit der EM be­ginnt in Wi­en auch wie­der das gro­ße Pu­b­lic Viewing. Ein Über­blick über die bes­ten Plät­ze – oh­ne An­spruch auf Voll­stän­dig­keit.

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON KA­RIN SCHUH, MIR­JAM MARITS UND ANNA THALHAMMER

Zwei Män­ner lau­fen auf­ein­an­der zu, um­ar­men sich, klop­fen sich kum­pel­haft auf die Schul­ter und ru­fen: „End­lich!“Nein, das ist kei­ne Sze­ne auf ei­nem Bahn­hof oder nach ei­nem Tor, das in Frank­reich ge­schos­sen wur­de. Die zwei Her­ren ha­ben mit ih­rem Freu­den­tanz nicht nur den Fei­er­abend am Frei­tag­abend ein­ge­läu­tet, son­dern den Be­ginn der heiß er­sehn­ten Fuß­ball-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft. Die bei­den ha­ben sich für das kol­lek­ti­ve Fuß­ball­schau­en – oder Pu­b­lic Viewing, wie man das nun nennt – den Rat­haus­platz aus­ge­sucht. Fan-Are­na auf dem Rat­haus­platz. Die­ser sieht der­zeit fast so aus wie beim all­jähr­li­chen Film­fes­ti­val. Nur dass hier eben vor der 100 Qua­drat­me­ter gro­ßen Lein­wand kei­ne Ses­sel mehr ste­hen, son­dern die Be­su­cher auf dem As­phalt Platz neh­men. Beim Er­öff­nungs­spiel Frank­reich ge­gen Ru­mä­ni­en sind nur sehr we­ni­ge Men­schen mit Fuß­ball-T-Shirts oder Fah­nen aus­ge­stat­tet. Ei­ne klei­ne Grup­pe ru­mä­ni­scher Fans hält vorn die Stel­lung. Wäh­rend des Spiels wird aber schnell deut­lich, dass es hier mehr Frank­reich-Fans gibt.

Der Rat­haus­platz ist kein schlech­ter Ort, um Fuß­ball zu schau­en. Es gibt viel Gas­tro­no­mie – vom Fi­sch­re­stau­rant Kor­nat über fran­zö­si­sche Kü­che vom Le Salz­gries bis zu Steaks aus dem Hau­se Flat­schers. So­gar das Schwar­ze Ka­meel ist mit ei­nem Stand im Park ver­tre­ten. Ne­ben dem Haupt­trakt der Fan-Are­na, wie es hier of­fi­zi­ell heißt, gibt es links und rechts da­von bei den bei­den Brun­nen lau­schi­ge Plätz­chen, in­klu­si­ve Gar­ten­mö­bel, Hol­ly­woo­dSchau­kel und Pa­vil­lons.

Lan­ge Schlan­gen vor den Ge­tränkeoder Es­sens­stän­den gibt es hier nicht. Ot­ta­krin­ger Bier wird um 3,10 bzw. 4,10 Eu­ro ver­kauft. Selbst bei der Be­cher- rück­ga­be be­kommt man ei­ne Rech­nung aus­ge­hän­digt. Ei­ge­ne Mit­ar­bei­ter sind da­zu da, um die vie­len Aschen­be­cher, die bei je­dem noch so klei­nen Tisch auf­ge­stellt sind, aus­zu­lee­ren. Strand­bar in Aspern. Die EM spürt man in der Stadt nicht nur ent­lang der Ring­stra­ße – et­wa im Kur­sa­lon Wi­en –, son­dern auch weit au­ßer­halb: In Aspern hat die Strand­bar Herr­mann erst­mals ei­nen Pu­b­lic-Viewing-Ab­le­ger auf­ge­zo­gen. Gleich ne­ben der U2-Sta­ti­on Aspern Nord zwi­schen Hü­geln, grau­er U-Bahn-Sta­ti­on-Ar­chi­tek­tur und der See­stadt samt Bau­krä­nen als Ku­lis­se.

Dort ist es we­sent­lich bes­ser be­sucht, als man bei der Hin­fahrt mit der U2 er­war­tet – von der See­stadt sieht man grup­pen­wei­se Men­schen hin­spa­zie­ren. Über Fel­der zum Gro­ßevent: Hat man so in Wi­en auch noch nicht oft er­lebt. Hier sitzt, wer früh(er) ge­kom­men ist – do­nau­ka­na­ler­probt –, in Lie­ge­stüh­len. Für die an­de­ren gibt es aus­rei­chend Heu­ri­gen­bän­ke und -ti­sche. Vor Spiel­be­ginn fin­det man auch als Grup­pe – das Pu­bli­kum sehr he­te­ro­gen: Jung­fa­mi­li­en, äl­te­re Grup­pen, Stu­den­ten – noch Platz, mit dem An­pfiff wird es sehr gut be­sucht, aber nicht über­rannt. Die Schlan­ge bei den Food­trucks (In­disch, Bur­ger, Cre­pes):ˆ über­schau­bar. Vor den Klos: det­to.

Die drei gro­ßen Lein­wän­de lie­fern gesto­chen schar­fe Bil­der, so­gar bei Ta­ges­licht. Nein, da gibt es nichts zu me­ckern. Au­ßer, dass ein Strand­bar-Cha­rak­te­ris­ti­kum, der Sand, fehlt. Und dass die Heim­fahrt ziem­lich lang wird. In­of­fi­zi­el­le Fanmei­le Do­nau­ka­nal. Als ei­ne Art in­of­fi­zi­el­le Fanmei­le wid­met sich auch der Do­nau­ka­nal der EM. Auf bei­den Ufer­sei­ten von der Grel­len Fo­rel­le über die Sum­mers­ta­ge bis zum Tel Aviv Beach sieht man den Fuß­ball­ra­sen von Bild­schir­men flim­mern. An man­chen Or­ten wird mit sehr viel Eu­pho­rie ge­schaut, wie in der sehr über­lau­fe­nen Strand­bar Herr­mann. Hier­her kommt, wer viel Zeit hat, um Plät­ze zu re­ser­vie­ren, und die EM als kol­lek­ti­ves, lau­tes Mit­fie­bern er­le­ben will.

Eher ne­ben­her läuft die EM am Ufer beim Ba­de­schiff, in den Pop-upLo­ka­len von Pub Klemo bis Gschupf­ter Ferdl. Hier nach An­pfiff ei­nen Platz zu be­kom­men ist fast un­mög­lich, auch wenn vie­le Gäs­te eher we­gen des Es­sens hier zu sein schei­nen. Auf dem Ba­de­schiff selbst ragt ei­ne rie­si­ge Lein­wand auf dem Deck (auch hier: Lie­ge­stüh­le), groß ge­nug, da­mit vor­bei­kom­men­de Spa­zier­gän­ger ei­nen Blick dar­auf wer­fen kön­nen.

Kon­zen­trier­ter wird im Flex Fuß­ball ge­schaut – auch wenn man sich ein biss­chen ein­ge­engt fühlt, durch die un­hüb­schen Trenn­wän­de zwi­schen Flex-Gar­ten und Geh­weg am Ka­nal. Dicht an dicht sitzt man hier in sehr lan­gen Rei­hen und fast im Dun­keln. Flir­ten im Wuk. Auch im Wuk auf der Wäh­rin­ger Stra­ße wird Fuß­ball ge­schaut. Das Pu­bli­kum ist dort wie im­mer: Jun­ge Er­wach­se­ne zwi­schen 20 und 40, eher al­ter­na­tiv und recht in­ter­na­tio­nal. Es gibt nicht ein­fach Hot­dogs, son­dern so­ge­nann­te Ki­mo­bo­dogs. Das

Die 100 Qua­drat­me­ter gro­ße Lein­wand vor dem Rat­haus ist die größ­te der Stadt. Gut be­sucht, aber nicht über­rannt ist die Strand­bar Herr­mann in Aspern.

sind Hot­dogs mit Kän­gu­ru-Wurst oder ve­ga­ner Fül­lung – da­zu gibt es Top­pings wie Man­go­sal­sa, ka­ra­mel­li­sier­te Zwie­beln oder Rot­kraut. Mit 6,90 Eu­ro über­teu­ert, aber wirk­lich gut.

Auf­fäl­lig ist, dass hier min­des­tens so vie­le Frau­en wie Män­ner die EM ver­fol­gen. Es wird hef­tig ge­flir­tet – bei gu­tem Wet­ter im Hof auf grü­nem Kun­st­ra­sen, sonst in der Hal­le. Das Wuk-EM-Quar­tier steht un­ter der Schirm­herr­schaft des Sen­ders FM4. Ge­mein­sam mit Ot­ta­krin­ger wur­de ein EM-Bier ge­braut (In­dia Pa­le Ale). Die Spie­le wer­den über gro­ße HD-Fern­se­her und Lein­wän­de über­tra­gen, die Sicht ist gut. Bei den Ös­ter­reich-Spie­len und ab dem Ach­tel­fi­na­le gibt es ein Pro­gramm mit DJs. Hier ist es recht ge­müt­lich, und der Ein­tritt ist – wie bei al­len Pu­b­lic Viewings – frei.

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