De­li­ka­tes­se oder Ri­si­ko

In den USA ist Roh­milch ver­bo­ten, in Frank­reich ist der Kä­se dar­aus ei­ne De­li­ka­tes­se.

Die Presse am Sonntag - - Essen Und Trinken - KA­RIN SCHUH

Für die ei­nen ist sie die Ba­sis ei­ner De­li­ka­tes­se, die an­de­ren se­hen da­rin ein ge­fähr­li­ches Pro­dukt, das – wenn auch in sel­te­nen Fäl­len – schwe­re Krank­hei­ten her­vor­ru­fen kann. Die Re­de ist von Roh­milch, die hier­zu­lan­de eher ein Schat­ten­da­sein fris­tet, in Frank­reich aber wich­ti­ger Be­stand­teil hoch­wer­ti­ger Kä­se­sor­ten wie Ca­mem­bert ist.

In den USA ist Roh­milch gar ver­bo­ten. An­geb­lich blüht dort der Schwarz­markt un­ter Foo­dies. Roh­milch und die dar­aus ge­won­ne­nen Pro­duk­te sol­len un­ter der Hand ver­kauft wer­den.

Bei uns ist es nicht ganz so schlimm. Die Ös­ter­rei­chi­sche Agen­tur für Er­näh­rungs­si­cher­heit (Ages) emp­fiehlt aber beim Ver­zehr von Roh­milch­pro­duk­ten „ge­ne­rel­le Vor­sicht, da die­se Pro­duk­te Krank­heits­er­re­ger und sel­ten das FSME-Vi­rus ent­hal­ten kön­nen“. Die Ages de­fi­niert Roh­milch als Milch, die we­der über 40 Grad Cel- si­us er­hitzt wur­de noch ei­ner sons­ti­gen Be­hand­lung mit ähn­li­cher Wir­kung un­ter­zo­gen wur­de.

Roh­milch darf in Ös­ter­reich, eben­so wie Roh­milch­pro­duk­te, ver­kauft wer­den. Al­ler­dings muss die Roh­milch als sol­che er­kenn­bar sein und mit dem Hin­weis „Roh­milch, vor dem Ver­zehr ab­ko­chen“ver­se­hen sein. Bei pas­teu­ri­sier­ter Milch wird die­se üb­ri­gens für kur­ze Zeit (15 Se­kun­den) auf rund 72 Grad Cel­si­us er­hitzt, da­mit et­wai­ge Kei­me ab­ge­tö­tet wer­den.

Roh­milch-Fans sind al­ler­dings der Mei­nung, dass da­durch nicht nur der Ge­schmack, son­dern auch wich­ti­ge, ge­sun­de In­halts­stof­fe ver­lo­ren ge­hen, die wie­der­um et­wai­ge Kei­me ab­tö­ten wür­den. So­fern hy­gie­nisch ge­ar­bei­tet wird und die Kuh „rich­tig“– sprich so wie sie es auch in der Na­tur vor­fin­det – ge­füt­tert wird, se­hen Roh­milch-Be­für­wor­ter kei­ne Ge­fahr da­rin.

Für die Ages hin­ge­gen ist Roh­milch vor al­lem des­halb hei­kel, weil sie eben­so wie Schmier­kä­se, Räu­cher­fisch oder ro­hes Fleisch wäh­rend der Ge­win­nung mit Lis­te­ri­en (ei­nem Er­re­ger der Lis­te­rio­se) ver­un­rei­nigt wer­den kann. Des­halb sol­len Schwan­ge­re auf die­se Le­bens­mit­tel ver­zich­ten. In sehr sel­te­nen Fäl­len kann es laut Ages auch zur Über­tra­gung der In­fek­ti­ons­krank­heit Früh­som­mer-Me­nin­go­en­ze­pha­li­tis (FSME) kom­men. Im Jahr 2008 er­krank­ten vier Men­schen in Vor­arl­berg durch den Ver­zehr nach Zie­gen­roh­milch an FSME. Da­bei stell­te sich her­aus, dass „die Milch­zie­ge in ei­ner See­hö­he von über 15000 m von Ze­cken ge­bis­sen wor­den ist. Das weist dar­auf hin, dass sich der Le­bens­be­reich der Ze­cken of­fen­sicht­lich in Hö­hen­la­gen ver­scho­ben hat“, schreibt die Ages. Ei­nem fran­zö­si­schen Roh­milch­kä­se-Her­stel­ler braucht man mit sol­chen Sze­na­ri­en al­ler­dings nicht kom­men.

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