»Die Fol­gen wä­ren ziem­lich schlecht bis sehr,

Kein Tag, an dem die Bri­ten nicht vor den Fol­gen ei­nes EU-Aus­stiegs ge­warnt wer­den. Das be­deu­tet aber nicht, dass die Men­schen im Kö­nig­reich sich von ei­nem Aus­tritt ab­hal­ten las­sen.

Die Presse am Sonntag - - Eco - VON GA­B­RI­EL RATH

In der De­bat­te um die Zu­kunft Groß­bri­tan­ni­ens in der EU hat die Rea­li­tät längst die Sa­ti­re über­holt. Zu­letzt er­schien das Sa­ti­re­ma­ga­zin „Pri­va­te Eye“mit Pre­mier­mi­nis­ter Da­vid Ca­me­ron und Schatz­kanz­ler Ge­or­ge Os­bor­ne auf dem Co­ver. Da­bei sagt Ca­me­ron: „Es könn­te ei­nen Welt­krieg ge­ben“, wor­auf Os­bor­ne er­wi­dert: „Oder noch schlim­mer: Die Haus­prei­se könn­ten fal­len.“In ei­nem In­ter­view mit der Zei­tung „Mail on Sun­day“er­klär­te Ca­me­ron we­nig spä­ter: „Der Aus­stieg aus der EU wür­de für die Wirtschaft ei­nen Schock be­deu­ten und ei­ne der Fol­gen wä­re die Ge­fahr hö­he­rer Hy­po­the­kar­zin­sen.“

Os­bor­ne füg­te ge­gen­über der „Sun­day Ti­mes“hin­zu: „Wenn wir die EU ver­las­sen, wird un­ser Land är­mer, wird es Un­si­cher­heit auf den Fi­nanz­märk­ten ge­ben und das wird die Kos­ten für Woh­nungs­kre­di­te nach oben trei­ben.“Die durch­schnitt­li­chen Kos­ten be­zif­fer­te das Pro-EU-La­ger mit fast 1000 Pfund im Jahr pro Kre­dit­neh­mer. In dem Land, das „My ho­me is my cast­le“zur Re­li­gi­on er­ho­ben hat, trä­fe das Mil­lio­nen Men­schen.

Die öko­no­mi­schen Fol­gen ei­nes Br­ex­it sind ganz klar das Haupt­ar­gu­ment der Be­für­wor­ter der EU. Von der Welt­wirt­schaft über die bri­ti­sche Volks­wirt­schaft (im­mer­hin die fünft­größ­te der Welt) bis zur Geld­bör­se des klei­nen Bür­gers spannt sich der Bo­gen der War­nun­gen. Und der Chor könn­te ein­stim­mi­ger nicht sein: Neun von zehn Öko­no­men be­trach­ten ei­nen EU-Aus­stieg als ne­ga­tiv für die bri­ti­sche Wirtschaft. In den Wor­ten der Che­fin des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds, Christine La­g­ar­de: „Die Fol­gen wür­den von ziem­lich schlecht bis sehr, sehr schlecht rei­chen.“ 45 Pro­zent der Ex­por­te in die EU. Die EU ist der wich­tigs­te Han­dels­part­ner Groß­bri­tan­ni­ens. Rund 45 Pro­zent al­ler bri­ti­schen Ex­por­te ge­hen in die EU. Die Teil­nah­me am Ge­mein­sa­men Markt er­laubt ab­ga­ben­freie Ein- und Aus­fuh­ren, zu­dem er­spa­ren Har­mo­ni­sie­run­gen und ge­mein­sa­me Stan­dards den Ex­por­teu­ren Mil­li­ar­den. 3,3 Mil­lio­nen Ar­beits­plät­ze in Groß­bri­tan­ni­en, et­wa zehn Pro­zent der Ge­samt­zahl, sind nach of­fi­zi­el­len An­ga­ben vom Han­del mit der EU ab­hän­gig.

Auch die Mehr­heit der bri­ti­schen Ein­fuh­ren, zu­letzt rund 53 Pro­zent, kommt aus der EU. Tra­di­tio­nell hat Groß­bri­tan­ni­en ein Han­dels­de­fi­zit mit der Uni­on, das al­lein in den ers­ten drei Mo­na­ten die­ses Jah­res ei­nen Re­kord­wert von 23,9 Mil­li­ar­den Pfund er­reicht hat. Die EU-Geg­ner schlie­ßen dar­aus, dass die Uni­on nach ei­nem Aus­stieg der Bri­ten an ei­ner Fort­set­zung der für sie vor­teil­haf­ten Han­dels­be­zie­hun­gen in­ter­es­siert sein wird. „Sie brau­chen uns mehr, als wir sie brau­chen“, meint der kon­ser­va­ti­ve Ab­ge­ord­ne­te Phi­lip Da­vies. Deutsch­land wer­de wei­ter sei­ne Au­tos, Frank­reich sei­nen Cham­pa­gner und Ita­li­en sei­nen Par­me­san an die kon­sum­hung­ri­gen Bri­ten ver­kau-

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.