»Auch die Ver­lie­rer brau­chen Hoff­nung«

Der Eu­ro ist ge­ret­tet, die Kri­se scheint über­stan­den. Ei­gent­lich geht es in der Eu­ro­päi­schen Uni­on wie­der auf­wärts. Aber trotz­dem wächst die EU-Skep­sis – und die Uni­on wird zur Ge­fan­ge­nen ih­rer ei­ge­nen Ver­trä­ge. Ein Lo­kal­au­gen­schein.

Die Presse am Sonntag - - Eco - VON NI­KO­LAUS JILCH

Wenn sich die Elite der eu­ro­päi­schen Buch­sta­ben­sup­pe, von EZB bis ESM, in Brüssel zum Stell­dich­ein trifft, dann fehlt es nie an krea­ti­ven Ide­en zum Aus­bau der Eu­ro­päi­schen Uni­on und ih­rer In­sti­tu­tio­nen. Erst recht dann nicht, wenn die EU-Kom­mis­si­on zum Brus­sels Eco­no­mic Fo­rum lädt, dem größ­ten di­rekt von der EU or­ga­ni­sier­ten Wirt­schafts­fo­rum. Aber in die­sem Jahr war ir­gend­wie al­les an­ders. Die EU-Eli­ten wie Zen­tral­bank­chef Ma­rio Draghi, Klaus Reg­ling (Chef des Eu­ro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ESM) oder der fran­zö­si­sche Wirt­schafts­kom­mis­sar Pier­re Mosco­vici ga­ben sich heu­er ge­läu­tert.

Gro­ße Vi­sio­nen, wie die Idee ei­nes EU-Fi­nanz­mi­nis­ters, wur­den nur am Rand ge­streift – et­wa vom fran­zö­si­schen No­ten­bank­prä­si­den­ten, Fran­cois¸ Vil­le­roy de Gal­hau. Aber auch er ent­schärf­te sei­nen Vor­schlag – und zwar durch ei­nen Witz: „Wenn die Fran­zo­sen über stär­ke­re wirt­schaft­li­che In­te­gra­ti­on re­den, ver­mu­ten die Deut­schen da­hin­ter meist ei­nen Trick, sich vor Re­for­men in der Hei­mat zu drü­cken. Und manch­mal hat das so­gar ge­stimmt.“ Ver­trä­ge. Aber zwei Wo­chen vor der bri­ti­schen Ab­stim­mung über ei­nen Aus­tritt aus der EU gro­be Zen­tral­staats­plä­ne zu skiz­zie­ren wä­re wahr­schein­lich auch un­an­ge­bracht. Auch des­we­gen, weil die Skep­sis ge­gen­über der EU in vie­len Län­dern wächst – nicht nur auf der In­sel. Das macht die Uni­on der­zeit mit oder oh­ne Br­ex­it zu ei­ner Ge­fan­ge­nen ih­rer selbst, wie ESM-Chef Klaus Reg­ling be­ton­te. „Um in der Zu­kunft ir­gend­et­was neu zu or­ga­ni­sie­ren, müs­sen wir die EU-Ver­trä­ge än­dern. Wir wis­sen al­le, wie schwie­rig das ist.“So ist sei­ne ei­ge­ne In­sti­tu­ti­on, der ESM, bis­her noch nicht ein­mal of­fi­ziel-

Reu­ters

EZB-Chef Ma­rio Draghi (r.) hat den Eu­ro ge­ret­tet. Aber der grie­chi­sche Fi­nanz­mi­nis­ter, Eu­kli­des Tsaka­lo­tos, will von der EU mehr als nur ei­ne sta­bi­le Wäh­rung.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.