»Sei­ne Trä­nen sind mehr als ein Sym­bol«

Mit dem 2:1-Sieg fei­ert Gast­ge­ber Frank­reich ei­ne Form der Be­frei­ung. Der Tur­nier­start ist ge­lun­gen, zig Kon­trol­len ver­dar­ben Fans nicht die Stim­mung.

Die Presse am Sonntag - - Euro2016 -

Frank­reich hat schon nach dem ers­ten Spiel bei die­ser Fuß­bal­lEM ei­nen neu­en Hel­den. Der Sieg­tor­schüt­ze zum 2:1 ge­gen Ru­mä­ni­en, Di­mi­tri Pay­et, ist der um­ju­bel­te Spie­ler. Sein Traum­tor do­mi­nier­te die Zei­tun­gen, war in al­len Nach­rich­ten­sen­dun­gen zu se­hen – und auch sei­ne Emo­tio­nen, als er von Te­am­chef Di­dier De­schamps kurz vor Schluss vom Platz ge­holt wur­de und sei­nen Son­der­ap­plaus emp­fing. Pay­et, 29, heul­te Rotz und Was­ser.

Mit sei­nem Gold­tor in der 89. Mi­nu­te ret­te­te er das Fest des EM-Gast­ge­bers und setz­te ei­ner star­ken Leis­tung die Kro­ne auf. De­schamps wird sich in sei­ner Ent­schei­dung be­stä­tigt füh­len, doch noch auf den West-Ham-Le­gio­när zu set­zen. Er hat­te ihn in Wahr­heit schon aus der Equi­pe Tri­co­lo­re aus­ge­mus­tert. Aber nun stahl Pay­et so­gar Star Paul Pog­ba die Show.

„Da war viel Stress, viel Druck. Wenn es mir je­mand vor­her ge­sagt hät­te, hät­te ich es nicht ge­glaubt, dass mir das ge­lingt. Da­nach ka­men die Emo­tio­nen raus“, sag­te der über­ra­gen­de Of­fen­siv­spie­ler, nach­dem er von den Ge­füh­len über­mannt wor­den war. Auch auf der Bank flos­sen bei Pay­et noch die Trä­nen. Die Sport­zei­tung „L’Equi­pe“ti­tel­te am Sams­tag: „Pay­et ret­tet die Par­ty“. Das Lob des Mi­nis­ters. Frank­reichs Sport­mi­nis­ter, Patrick Kan­ner, sah in Pay­ets Trä­nen gar „mehr als ein Sym­bol“. „Das war ei­ne Bot­schaft an das gan­ze Land“, sag­te er dem Sen­der Eu­ro­pe 1. Er ver­wies dar­auf, dass Pay­et ei­ne schwie­ri­ge Zeit hin­ter sich ha­be und jetzt wie­der in den Vor­der­grund ge­rückt sei. „Mit sei­nen Trä­nen zeigt er letzt­lich, wo­zu Frank­reich fä­hig ist.“

Pay­et ab­sol­vier­te ge­gen die Ru­mä­nen sein 20. Län­der­spiel für Les Bleus, es war sein vier­ter Tref­fer. Er war von De­schamps nach ei­nem Jahr Pau­se erst zu den Test­spie­len in die­sem Jahr wie­der be­ru­fen wor­den. Der auf La Reuni­on ge­bo­re­ne Ki­cker ge­hör­te we­der zum EM-Ka­der vor vier Jah­ren noch zur WM-De­le­ga­ti­on 2014. „Ehr­lich ge­sagt, ha­be ich nicht ge­dacht, hier zu sein“, mein­te Pay­et. Und noch vor ge­rau­mer Zeit brach­te er sei­nen Frust deut­lich zum Aus­druck. „Ich fin­de es schwer zu ver­ste­hen, was er wirk­lich von mir will“, sag­te er da­mals über De­schamps. Po­li­zei­kon­trol­len und Streiks. Die Si­cher­heits­kon­trol­len am Sta­de de Fran­ce funk­tio­nier­ten, fried­lich ström­ten die Fans zum Er­öff­nungs­spiel im Vo­r­ort Saint-De­nis und an­schlie­ßend zu­rück zu den Bahn­hö­fen. Und auf der Fanmei­le am Eif­fel­turm be­ju­bel­ten Tau­sen­de den 2:1-Sieg. Die Fans nah­men die zahl­rei­chen Kon­trol­len ge­las­sen hin und ka­men oh­ne grö­ße­re War­te­zei­ten ins Sta­di­on. Be­su­cher wur­den an meh­re­ren Kon­troll­punk­ten ab­ge­tas­tet, ih­re Ta­schen über­prüft, rund um Sta­di­on und Fanmei­le stan­den je­weils Hun­der­te Po­li­zis­ten Wa­che.

Die Bahn­streiks ver­ur­sach­ten of­fen­sicht­lich kei­ne grö­ße­ren Schwie­rig­kei­ten. Die Be­hör­den hat­ten extra da­zu auf­ge­ru­fen, schon mög­lichst früh an­zu­rei­sen. Al­ler­dings sind weitere Stö­run­gen zu er­war­ten: Am Sams­tag tra­ten Pi­lo­ten der Flug­ge­sell­schaft Air Fran­ce in den Aus­stand. Das Un­ter­neh­men rech­net da­mit, dass et­was we­ni­ger als 20 Pro­zent al­ler Mit­tel­stre­cken­flü­ge aus­fal­len. Auch bei der Bahn wer­den neue Aus­fäl­le er­war­tet – vor al­lem im Re­gio­nal­ver­kehr. „Frank­reich at­met von nun an ein we­nig leich­ter“, schrieb „Le Pa­ri­si­en“.

AFP

Mit Di­mi­tri Pay­et lan­de­te Frank­reich auf dem Ra­sen der Emo­tio­nen.

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