Zum Zo­cken ist man nie zu alt

Nicht nur auf dem PC oder auf Kon­so­len wird ge­spielt, son­dern ver­mehrt auch auf dem Smart­pho­ne. Und die Sil­ver Ga­mer über­neh­men all­mäh­lich das Kom­man­do.

Die Presse am Sonntag - - Spielzeug - VON BAR­BA­RA GRECH

Als Sil­ver Ga­mer wer­den sie be­zeich­net, oder als Ge­ne­ra­ti­on C64, be­nannt nach dem Heim­com­pu­ter aus den frü­hen 1980er-Jah­ren. Auch Ge­ne­ra­ti­on Ata­ri ist in der Bran­che ein be­lieb­ter Be­griff für die Spie­ler, die ih­re Lie­be zu Spie­len nie auf­ge­ge­ben oder sie über­haupt erst in der Pen­si­on für sich ent­deckt ha­ben. Mit dem Ein­zug der Brow­ser­ga­mes ent­de­cken vie­le Men­schen im Al­ter be­lieb­te Klas­si­ker aus ih­rer Ju­gend wie­der.

Com­pu­ter­spie­le als Frei­zeit­ver­gnü­gen nur jun­gen Men­schen zu­zu­schrei­ben ist zwar gän­gi­ge Pra­xis, aber ein Trug­schluss. Die Vi­deo­spiel­bran­che ist knapp 70 Jah­re alt, und ent­spre­chend alt sind auch die Men­schen, die „Pong“und „Space In­va­ders“nicht nur aus Er­zäh­lun­gen ken­nen. Vie­le da­von ha­ben ih­re Lie­be zu den fan­tas­ti­schen Wel­ten nicht ver­lo­ren.

Man­che ha­ben durch den Ein­zug von Brow­ser­ga­mes wie­der Zu­gang zu Vi­deo­spie­len ge­fun­den, da in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vor al­lem auch vie­le Klas­si­ker ei­ne Re­nais­sance er­leb­ten. Die ein­fa­che Be­die­nung via Smart­pho­nes ist ein wei­te­rer, wich­ti­ger Fak­tor. Die welt­wei­te Ga­ming-Com­mu­ni­ty lässt sich nicht ein­fach in ei­ne Schub­la­de ste­cken und erst recht nicht als ei­ne, gro­ße Ziel­grup­pe de­fi­nie­ren.

Ga­mer fin­den sich in al­len Ge­sell­schafts- und Al­ters­schich­ten. Die Mehr­heit der Spie­ler ist zwar noch jung, aber die Bran­che er­lebt ei­nen Um­bruch. In den USA sind be­reits über 37 Mil­lio­nen Spie­ler über 50 Jah­re alt. In Eu­ro­pa und Asi­en ist der An­teil an äl­te­ren Spie­lern eben­falls sehr groß – und er wird in den nächs­ten Jah­ren noch zu­neh­men. Da­von ist Bob de Schut­ter von der Uni­ver­si­tät Mia­mi auf­grund der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung über­zeugt. Stra­te­gie- statt Bal­ler­spie­le. Die Sil­ver Ga­mer sind längst nicht mehr an nur ei­ner Hand ab­zu­zäh­len und wer­den im­mer mehr zu ei­ner ge­wich­ti­gen, ent­schei­den­den Grup­pe, die auch für Spie­leent­wick­ler all­mäh­lich re­le­vant wird. In we­ni­gen Jah­ren wer­den die äl­te­ren Spie­ler zu ei­ner si­gni­fi­kan­ten Ziel­grup­pe an­wach­sen. Ein Trend, auf den die gro­ßen Stu­di­os noch nicht re­agiert ha­ben. Denn die An­sprü­che und Er­war­tun­gen an die Spie­le sind na­tür­lich an­de­re als je­ne, die jun­gen Spie­leen­thu­si­as­ten ha­ben.

Sil­ver Ga­mer be­vor­zu­gen Spie­le, die un­ter­halt­sam sind, aber auch die Merk­fä­hig­keit trai­nie­ren. We­nig An­klang fin­den Ego-Shoo­ter oder Ti­tel im Mehr­spie­ler­mo­dus. Dort wird man wahr­lich we­ni­ger äl­te­re Men­schen an­tref­fen. Das liegt aber auch dar­an, dass die Er­zähl­struk­tur und die Spiel­me­cha­nik vor­ran­gig auf jun­ge Men­schen mit schnel­ler Re­ak­ti­ons­zeit aus­ge­rich­tet sind. Vie­le füh­len sich durch die Abläu- fe und An­for­de­run­gen ge­stresst. Et­was, das man in sei­ner Frei­zeit nicht sein möch­te; in die­ser soll­te das Ge­gen­teil der Fall sein. Kin­der er­mög­li­chen Zu­gang. Der 63-jäh­ri­ge Chris­ti­an Lep­pers­jo­hann er­klär­te in ei­nem „Der Wes­ten“-In­ter­view, dass er durch sei­ne Kin­der zu spie­len be­gon­nen ha­be, da­mals noch auf ei­ner Nin­ten­do-Kon­so­le. Wenn er auf Di­enst­rei­sen war, hat­te er im­mer sei­nen Lap­top mit. Jetzt, in der Pen­si­on, kön­ne er sich in­ten­siv um sei­ne Bau­ern, Jä­ger und Mül­ler küm­mern: Die Lei­den­schaft von Lep­pers­jo­hann ist der Spie­le­klas­si­ker „Die Sied­ler“. So­gar ei­nen Er­satz­mann hat er, wenn er im Aus­land ur­laubt. Dann küm­mert sich der ei­gens da­für an­ge­lern­te 83-jäh­ri­ge Schwie­ger­va­ter um das Wohl­er­ge­hen der Sied­ler­be­völ­ke­rung.

Sci­ence Pho­to Li­bra­ry/ picturedesk.com

Vi­deo­spie­le sind auch bei Äl­te­ren sehr be­liebt.

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