Ma­schi­nen­raum

VOL­LE KRAFT VOR­AUS DURCH DIE TECHNIKWELT

Die Presse am Sonntag - - Spielzeug -

Der Job ei­ner Su­per­markt­kas­sie­re­rin ist müh­sam, un­ter­pri­vi­le­giert, schlecht be­zahlt. Aber es ist ein Job. Und die Da­men – ich se­he kaum Män­ner an den Kas­sen – mei­nes Stamm­ein­kaufs­zen­trums ma­chen ihn gut. So gut, dass Kun­den nicht sel­ten ein Lä­cheln über die Lip­pen kommt. Ein Gruß. Und das ei­ne oder an­de­re Wort der An­er­ken­nung für die rou­ti­nier­te, ge­las­se­ne, zü­gi­ge Ab­wick­lung der Kon­su­men­ten­schlan­ge vor der Be­zahl­schran­ke.

Nun hat die Ge­schäfts­lei­tung der Su­per­markt­ket­te be­schlos­sen, Selbst­ab­wick­lungs­kas­sen zu in­stal­lie­ren. Ver­suchs­wei­se. Zu­sätz­lich zu den per­so­na­li­sier­ten Kas­sen gibt es jetzt Au­to­ma­ten, die es er­mög­li­chen, den Ein­kauf selbst ab­zu­rech­nen. Es klappt nicht auf An­hieb (und ähn­lich wie bei den Ti­cket­au­to­ma­ten auf dem Flug­ha­fen nur un­ter ab­sur­den Wi­der- spens­tig­kei­ten) –, aber es ist wohl die Zu­kunft. Noch ha­ben die hu­ma­no­iden Kas­sen­pro­fis die Per­spek­ti­ve, dass Ma­schi­nen feh­ler­an­fäl­lig sind, der Er­klä­rung be­dür­fen und über­wacht wer­den müs­sen. Aber es liegt die Ah­nung ei­nes Um­bruchs in der Luft. Die net­ten Da­men mit den flin­ken Fin­gern wer­den den Job ver­lie­ren.

Ich mag das Wort Ma­schi­nen­steu­er nicht. Es ver­heißt – und, ja, ich bin selbst Un­ter­neh­mer – nur ei­ne drü­cken­de Steu­er mehr. Aber wir wer­den nicht um­hin­kom­men, über das The­ma Ar­beit zu re­den. Und über die be­reits heu­te deut­lich merk­ba­ren Fak­to­ren, die un­se­re Vor­stel­lung da­von auf den Kopf stel­len. Dis­rup­ti­ve Tech­no­lo­gi­en und Ent­wick­lun­gen nen­nen es Ex­per­ten, ei­ne neue in­dus­tri­el­le Re­vo­lu­ti­on, das In­ter­net der Din­ge, das auch vor un­se­rem Bü­ro nicht halt­macht – schon gar nicht vor dem Fa­b­rik­fließ­band. Welt­um­span- nen­de Kon­zer­ne ge­rie­ren sich als Ga­ran­ten des Fort­schritts. Der Staat als jahr­tau­sen­de­al­te In­sti­tu­ti­on der mensch­li­chen Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on hat da ver­gleichs­wei­se grau­es Haar am mü­den Kopf, die Politik sieht di­to alt und ver­braucht aus. Und wirkt oft – Stich­wor­te Ar­beits- und Fi­nanz­markt, Mi­gra­ti­on, Bil­dung, Um­welt – so un­end­lich rat­los. Man könn­te dar­ob ins Phi­lo­so­phie­ren kom­men, Auf­sät­ze schrei­ben, gan­ze Bü­cher. Als Ne­ben­er­werbs­ko­lum­nist, der nicht der De­pres­si­on zu­neigt, stel­le ich nur ei­ne ein­zi­ge Fra­ge: Wer­den uns je­ne ret­ten, die – wie Po­li­ti­k­ro­bo­ter – re­flex­haft Ze­ter und Mor­dio schrei­en, wenn die Idee ei­ner Wert­schöp­fungs­ab­ga­be (das ist ein viel tref­fen­de­res Wort als Ma­schi­nen­steu­er) auch nur an­dis­ku­tiert wird?

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