Wenn plötz­lich der Tod streikt

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Ei­ne selt­sa­me Seu­che geht um. Men­schen, die ge­walt­sam aus dem Le­ben schei­den, ster­ben nicht wirk­lich: ein viel­schich­ti­ger Ro­man voll bit­te­rer Iro­nie. Ei­gent­lich müss­te Mar­tin Heinz tot sein: So­eben hat sich ein gro­ßes Stück Me­tall in sei­nen Un­ter­leib ge­bohrt, nach­dem er mit dem Au­to in ei­ne Leit­schie­ne ge­kracht ist. Doch er ist noch da. Zwar schlägt sein Herz nicht mehr, aber Heinz kann spre­chen, den­ken, sich be­we­gen. Er hat kei­ne kör­per­li­chen Schmer­zen, aber er kann füh­len.

Mar­tin Heinz, ein Mann mitt­le­ren Al­ters aus dem mitt­le­ren Ma­nage­ment ei­ner Fir­ma, ist der Ers­te, den es trifft. Er kann nicht ster­ben. Und an­de­re fol­gen. Erst im Städt­chen Zet­hau­sen, aus dem er stammt, dann auf der gan­zen Welt. Vie­le de­rer, die ge­walt­sam ums Le­ben kom­men – durch Un­fäl­le, Ver­bre­chen oder Krieg –, wer­den vom Tod nicht mehr ab­ge­holt. Und mit Schuld dar­an trägt ein ge­heim­nis­vol­les Vi­rus.

Es ist ein bi­zar­res Sze­na­rio, das der ös­ter­rei­chi­scher Au­tor Hermann Knapp in sei­nem neu­en Ro­man „Der To­te, der nicht ster­ben konn­te“zeich­net. Mit pech­schwar­zem Hu­mor schil­dert er, wie das Auf­tre­ten der Nicht-ster­benKön­nen­den die Le­ben­den in Rat­lo­sig­keit und Pa­nik ver­setzt. Die Un­to­ten er­wei­sen sich rasch als harm­los. Doch ih­re An­ders­ar­tig­keit nährt Ängs­te, macht sie zum Ziel staat­li­cher Son­der­maß­nah­men.

Hermann Knapp ver­bin­det meh­re­re Ebe­nen mit­ein­an­der: Er nützt das schrä­ge Set­ting sei­ner Sto­ry, um ak­tu­el­le ge­sell­schafts­po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen zu kri­ti­sie­ren – mit dem nö­ti­gen Ernst und ei­ner gro­ßen Por­ti­on bit­ter­bö­ser Iro­nie. Ein kurz­wei­li­ger, viel­schich­ti­ger Ro­man. w. s. Hermann Knapp: „Der To­te, der nicht ster­ben konn­te“, Ver­lag Wort­reich, 272 Sei­ten, 19,90 Eu­ro.

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