Ein Lied als letz­tes Te­le­fo­nat

Die Presse am Sonntag - - Lesenhören - THO­MAS KRAMAR

An­gel Ol­son: »In­tern«. Was meint die rät­sel­rei­che Sän­ge­rin mit dem „in­tern“, der ihr in die­sem Song ein „re­su­me“reicht? Ei­nen Prak­ti­kan­ten? Ei­nen In­ter­nis­ten? Oder ei­ne in­ter­ne Mit­tei­lung? Das ist schließ­lich (fast) je­der Song: ein Bul­le­tin aus ei­nem In­nen­le­ben. Hier ei­ner See­le, die schon fast ge­nug hat, vom Le­ben, von den Il­lu­sio­nen, von der Lie­be. „May­be you know that it’s be­en too long“, mit die­sen Zei­len fängt An­gel Ol­sen an, zu­nächst nur von las­ten­den Ak­kor­den ge­tra­gen, dann um­flirrt und um­schwirrt von Tö­nen, die nach Auf­lö­sung drän­gen, nach Ent­schei­dung. Und wirk­lich, die Sän­ge­rin ent­schließt sich, ein­mal noch: „Pick up the pho­ne, but I swe­ar it’s the last ti­me“, singt sie, nun in hö­he­rer La­ge, „fal­ling in lo­ve, but I swe­ar it’s the last ti­me.“Ihr ant­wor­tet ei­ne kur­ze sehn­süch­ti­ge Me­lo­die, zwei­mal wie­der­holt, jäh un­ter­bro­chen von ei­nem schril­len Ton wie aus ei­nem Ra­dio, das nichts mehr emp­fängt. Die Nach­richt ist aus. En­de mit Schre­cken.

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