24 St­un­den Pa­pa: Wenn Män­ner zu Hau­se ble

Sie ko­chen, put­zen und küm­mern sich um die Kin­der. Haus­män­ner sind noch im­mer rar, be­klatscht von Frau­en und neu­gie­rig be­äugt von an­de­ren Män­nern. Wie lebt es sich als Voll­zeit­va­ter?

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON ANNA-MA­RIA WALL­NER

Die elf­jäh­ri­ge Stel­la kommt di­rekt aus der Schu­le zum Fo­to­ter­min. Ih­re jün­ge­re Schwes­ter Cleo, 8, stößt ein paar Mi­nu­ten spä­ter von der Kla­vier­pro­be da­zu und fragt ih­ren Va­ter un­ge­dul­dig: „Was es­sen wir heu­te?“Die Ant­wort „Ser­bi­sche Boh­nen­sup­pe“stellt sie nicht un­be­dingt zu­frie­den. Aber dass ihr Va­ter Mi­ke* auch an die­sem Abend für die Mäd­chen, sei­ne Frau und sich ge­kocht hat, über­rascht sie nicht. Er tut das an je­dem an­de­ren Tag der Wo­che auch. So wie er die Mäd­chen je­den Tag schul­fer­tig macht, ein­kau­fen geht, sich um den Hund küm­mert und die Woh­nung in Schuss hält. Er be­sucht Kla­vier­auf­füh­run­gen und lernt mit Stel­la für die Ma­the­ma­tik-Schul­ar­beit.

Pa­pa Mi­ke* ist seit der Ge­burt sei­ner bei­den Töch­ter Haus­mann. Ge­plant hat­ten er und sei­ne Frau das nicht, es hat sich ein­fach er­ge­ben. Mi­ke hat­te als Tour­be­glei­ter, et­wa der Shao­lin-Mön­che, ei­nen un­re­gel­mä­ßi­gen Job mit viel Rei­se­tä­tig­keit, der sich mit ei­ner Fa­mi­lie schwer ver­ein­ba­ren ließ. Mi­kes Frau ar­bei­tet in ei­ner Bank und hat meist ei­ne 60-St­un­den-Wo­che. Sie ging bei bei­den Töch­tern ein hal­bes Jahr in Ka­renz, be­vor ihr Mann, ein stu­dier­ter Land­schafts­pla­ner, sich ent­schloss, sei­nen Be­ruf auf­zu­ge­ben und die Kin­der­be­treu­ung kom­plett zu über­neh­men. „In an­de­ren Fa­mi­li­en bringt der Mann das Geld nach Hau­se, bei uns ist es halt um­ge­kehrt“, sagt er. Er weiß, dass die­ses Mo­dell im­mer noch un­ge­wöhn­lich ist. „Frei­wil­lig er­zäh­le ich nicht, was ich tue. Mir ist es fast pein­lich, ob­wohl es na­tür­lich nicht pein­lich ist.“Aber ei­gent­lich be­kom­me er fast nur po­si­ti­ve Re­ak­tio­nen, vor al­lem von Frau­en. s „Män­ner sind zu­erst oft ver­wun­dert. Da wird man als et­was Be­son­de­res ge­se­hen. Aber ich hö­re nicht sel­ten: ,Ich wür­de das auch gern ma­chen, aber bei mir geht das nicht.‘“ Haupt­be­treu­er Pa­pa. Wie vie­le Män­ner dem Bei­spiel von Mi­ke fol­gen, lässt sich schwer be­rech­nen. Die­se Grup­pe sei sta­tis­tisch schwer er­fass­bar, heißt es auch bei der Sta­tis­tik Aus­tria. Es gibt kei­ne ge­nau­en Zah­len, wie vie­le Haus­män­ner und Haus­frau­en es in Ös­ter­reich gibt. Zum ei­nen, weil die meis­ten El­tern nach der Ka­renz­zeit bei­de zu­min­dest teil­wei­se ei­ner Be­schäf­ti­gung nach­ge­hen. Und zum an­de­ren, weil vie­le Haus­män­ner- und -frau­en bei ih­ren Part­nern ge­ring­fü­gig an­ge­mel­det oder selbst­stän­dig sind. Die kon­kre­tes­ten Zah­len lie­fern die Da­ten der Kin­der­be­treu­ungs­geld­be­zie­her: Im Jahr 2014 wa­ren dar­un­ter 17.795 Haus­frau­en und nur 301 Haus­män­ner.

Der Haus­mann ist al­so im­mer noch ei­ne Sel­ten­heit. Ob­wohl es auch schon frü­her vor­kam, dass Män­ner ei­ne be­grenz­te Zeit die Haupt­be­treu­ung über­nah­men, zum Bei­spiel, wenn sie ihr Stu­di­um ab­schlos­sen oder ar­beits­los wa­ren. Aber Män­ner wie Mi­ke, die sich be­wusst für ein Haus­mann-

Mich`ele Pau­ty

Pa­pa Mi­ke mit den Töch­tern Stel­la, 11, und Cleo, 8 (v. r.).

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