Blan­chetts Mo­ment der Wahr­heit

In­ter­view. Die Aus­tra­lie­rin ist der­zeit im Me­dien­thril­ler »Truth – Der Mo­ment der Wahr­heit« zu se­hen. Der »Pres­se am Sonn­tag« er­zähl­te sie, wie es war, als sie ih­ren Film­part­ner Ro­bert Red­ford ken­nen­lern­te. Und wie es ist, wenn man sich selbst goo­gelt.

Die Presse am Sonntag - - Menschen - VON MARIAM SCHAGHAGHI

Ca­te Blan­chett ist der­zeit in dem Po­lit- und Me­dien­thril­ler „Truth – Der Mo­ment der Wahr­heit“als Star­jour­na­lis­tin Ma­ry Ma­pes zu se­hen, die 2004 nach­wies, dass der spä­te­re Prä­si­dent Ge­or­ge W. Bush sich vor dem Ein­satz im Viet­nam-Krieg drü­cken konn­te. Doch dann zog sie den Kür­ze­ren: Plötz­lich lie­ßen ih­re Qu­el­len sie im Re­gen ste­hen – was ei­nen ver­meint­li­chen Me­dien­skan­dal aus­lös­te und sie und News-Ur­ge­stein Dan Ra­ther – ge­spielt von Ro­bert Red­ford – den Kopf kos­te­te. Wir tra­fen die 47-jäh­ri­ge Ca­te Blan­chett in Lon­don. Ca­te, Sie of­fen­ba­ren ein bis­her un­be­kann­tes Ta­lent: Sie stri­cken. Ha­ben Sie das extra für „Truth“ge­lernt? Ca­te Blan­chett: Ja, und ich fürch­te, es fällt lei­der auf, dass ich nicht wirk­lich meis­ter­lich stri­cke. Aber die Jour­na­lis­tin Ma­ry Ma­pes hat wirk­lich wie der Teu­fel ge­strickt. Es gibt ein paar ku­rio­se In­fos über sie: Sie hat zum Bei­spiel im­mer ih­re Lo­cken­wick­ler zu ih­ren Ein­sät­zen mit­ge­nom­men, so­gar in den Irak, als es dort kein flie­ßend Was­ser gab, kaum et­was zu es­sen und sie prak­tisch in ei­nem Luft­schutz­bun­ker wohn­te. Wenn Ma­ry nicht ar­bei­te­te, hat­te sie im­mer ir­gend­et­was in den Fin­gern – Strick­na­deln, ei­nen Stick­rah­men. Sie hat ex­trem viel Ener­gie. Sie müs­sen mit Fil­men von Ro­bert Red­ford auf­ge­wach­sen sein. Ist er für Sie ei­ne fil­mi­sche In­stanz? Wel­cher sei­ner Fil­me hat Ih­nen am meis­ten be­deu­tet? Ei­nen Film, den ich im­mer ge­liebt ha­be, war na­tür­lich „Butch Cas­sidy und Sun­dance Kid“. Und „Die Un­be­stech­li­chen“. Ihn ha­be ich mir auch noch ein­mal an­ge­schaut, als klar war, dass ich mit Red­ford ar­bei­ten wür­de. An der High­school ha­be ich sein Re­gie­de­büt „Ei­ne ganz nor­ma­le Fa­mi­lie“ge­se­hen. Ro­bert Red­ford hat ja im­mer schon rie­si­gen Ein­fluss auf die US-Kul­tur ge­habt – wie Ja­ne Fon­da. Ich war auch ziem­lich ner­vös, als ich Red­ford das ers­te Mal be­geg­nen soll­te. Zuckt man da selbst als Os­car-Preis­trä­ge­rin noch zu­sam­men und denkt: Oh Gott – der Mann ge­gen­über ist ja Ro­bert Red­ford! Oh ja! Ich ver­such­te, ziem­lich cool zu sein, als wir uns am Set das ers­te Mal be­geg­net sind – das war aus­ge­rech­net in der Mas­ke, als ich im Schmink­ses­sel lag. Da­vor ha­be ich ihn nur ein­mal li­ve ge­se­hen, das war bei ei­ner Preis­ver­lei­hung in New York. Er war um­ge­ben

Ca­te Blan­chett

stammt aus Aus­tra­li­en und wur­de am 14. Mai 1969 in Mel­bourne ge­bo­ren.

Kar­rie­re

Blan­chett mach­te nach ei­nem ab­ge­bro­che­nen Stu­di­um ei­ne Schau­spiel­aus­bil­dung. Über das Thea­ter kam sie zum Film. Der Durch­bruch ge­lang ihr mit dem Strei­fen „Eliz­a­beth“(Gol­den Glo­be, Os­carNo­mi­nie­rung).

Er­fol­ge

Am Set sprach sie ihn zu­letzt mit Ro­bert Red­ford. Bob. Ca­te Blan­chett dreh­te schließ­lich beim jo­via­len Red­ford“an, lan­de­te aber ehr­furchts­voll mit „Mr. Os­car als Bes­te Haupt­dar­stel­le­rin in „Blue Jas­mi­ne“. Os­car als Bes­te Ne­ben­dar­stel­le­rin in „Avia­tor“. Fünf weitere No­mi­nie­run­gen. von un­zäh­li­gen Leu­ten, die zu ihm durch woll­ten. Genau­so wie ich. Dar­an er­in­nert er sich be­stimmt nicht mehr, ich schon. Ich wuss­te auch gar nicht, wie ich so ei­ne Le­gen­de über­haupt an­spre­chen soll. Ein­fach mit „Bob“? Bob ist der Na­me mei­nes Bru­ders und auch mei­nes Va­ters. Der Mann heißt Ro­bert – ich kann ihn doch nicht ein­fach mit Spitz­na­men an­re­den. Von Ro­bert De Ni­ro spricht man auch nur als „Bob“. Das wirkt so an­ma­ßend, oder? Ich ha­be dann be­schlos­sen, ihn ein­fach mit „Mr. Red­ford“an­zu­spre­chen. Er hat aber auf je­de An­re­de re­agiert, selbst auf: „Hey du!“Ich ha­be zur Si­cher­heit noch ein­mal un­se­ren Re­gis­seur nach der Eti­ket­te ge­fragt. Aber dann stell­te er sich selbst als Bob Red­ford vor, dann ha­be ich mich auch ge­traut, ihn Bob zu nen­nen. Ha­ben Sie auch die ech­te Ma­ry Ma­pes ken­nen­ge­lernt? Ja, als ich ein paar Mo­na­te vor Dreh­be- ginn zu Thea­ter­auf­füh­run­gen in New York war, woll­te ich Ma­ry gern ken­nen­ler­nen. Da­nach ging es wie­der zu­rück nach Aus­tra­li­en, dann wä­re ich erst zum Dreh­start wie­der da ge­we­sen. Es war ganz un­kom­pli­ziert: Am nächs­ten Tag ha­ben wir uns ge­trof­fen. Na­tür­lich ganz stil­ge­recht im Pier­re. Ei­ner le­gen­dä­ren Lu­xus­her­ber­ge di­rekt am Cen­tral Park. Das war da­mals ihr Stamm­lo­kal, wenn sie in New York war. Zwei­mal ha­ben wir uns ge­trof­fen, spä­ter ha­be ich mit ihr aus Aus­tra­li­en geskypt. Wie ge­hen Sie da­mit um, wenn Sie et­was le­sen, was Sie ver­letzt oder per­sön­lich an­greift? Ha­ben Sie sich frü­her ein­mal ge­goo­gelt? Was für mich gilt, ist: Mit Lob­prei­sun­gen kann ich nicht viel an­fan­gen. Da ist mir kon­struk­ti­ve Kri­tik echt lie­ber. Ge­ra­de wenn man weiß, dass man ir­gend­et­was nicht per­fekt hin­be­kom­men hat. Sonst kann ich nur war­nen: Am bes­ten goo­gelt man sich nie. Ob die Re­sul­ta­te po­si­tiv oder ne­ga­tiv sind: Das bringt ei­nen ein­fach nicht wei­ter.

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