Te­nö­re wa­ren vor den Ki­ckern im Sta­di­on

Na­tür­lich kann man in ei­nem Sta­di­on auch Fuß­ball spie­len. Ge­sun­gen hat man dort al­ler­dings schon viel frü­her. Die Gren­zen zwi­schen Mu­sik und Sport wa­ren für die Er­bau­er der ers­ten Sta­di­en flie­ßend. Und üb­ri­gens: Die ers­ten Hoo­li­gans wa­ren in der An­ti­ke di

Die Presse am Sonntag - - Kultur - VON WIL­HELM SIN­KO­VICZ

Fuß­ball, das ist die Sa­che mit den Opern­sän­gern. Je­den­falls ist Bel­can­to mit der von den Mas­sen ado­rier­ten Sport­art ei­ne Al­li­anz ein­ge­gan­gen, die wie­der­um da­für ge­sorgt hat, dass un­glaub­lich vie­le Men­schen mit Ari­en kon­fron­tiert wur­den.

Zu­min­dest mit ei­ner Opern­arie. „Nes­sun dor­ma“, die Arie des Prin­zen Kal­af aus Puc­ci­nis „Tu­ran­dot“, kön­nen seit ge­rau­mer Zeit auch Leu­te mit­pfei­fen, die nie ein Opern­haus von in­nen ge­se­hen ha­ben und die auch kei­ne Ah­nung ha­ben, wer Gi­a­co­mo Puc­ci­ni war.

Es geht die Mär, dass die Oper von die­ser un­heim­li­chen Hoch­zeit mit dem Sport un­ge­mein pro­fi­tiert hät­te. In ei­nem Sta­di­on zu sin­gen, das scheint auch se­riö­sen Mu­sik­thea­ter­stars plötz­lich at­trak­tiv. Die Oper muss ei­nen Mo­nat lang spie­len. Die Kol­le­gen von der Pop- und Ro­ckAb­tei­lung ha­ben den Frei­luft­zau­ber schon lang für sich ent­deckt. Im­mer­hin er­reicht man ja mit Auf­trit­ten in Sta­di­en im Schnitt 60.000 Men­schen li­ve. Das ist, über den Dau­men ge­peilt, die Men­ge an Leu­ten, die ein Haus vom For­mat der Wie­ner Staats­oper im Mo­nat be­su­chen.

Die Sa­che ist, ver­steht sich, auch höchst lu­kra­tiv. Wo­bei man sich al­ler­dings auch ver­spe­ku­lie­ren kann. Paul McCart­ney, der ge­ra­de vor­ges­tern im Münch­ner Olym­pia­sta­di­on tri­um­phier­te, muss­te vor ei­nem Jahr­zehnt ein Kon­zert aus dem Schal­ke-Sta­di­on in ei­ne klei­ne­re Hal­le ver­le­gen, weil der Ver­an­stal­ter nur knapp 10.000 statt der ver­an­schlag­ten 50.000 Ein­tritts­kar­ten an den Mann brin­gen konn­te.

Wenn die Rech­nung auf­geht, zahlt es sich aber aus. Von El¯ına Garan­caˇ bis Jo­nas Kauf­mann sin­gen die Stars gern un­ter frei­em Him­mel. Die Sto­nes sol­len in Zü­rich für ih­ren Sta­di­onauf­tritt an die fünf Mil­lio­nen Eu­ro kas­siert ha­ben, die De­vo­tio­na­li­en­ver­käu­fe noch gar nicht ein­ge­rech­net. Ein Mil­li­ar­den­au­di­to­ri­um. Al­so muss doch auch die Oper, muss­ten einst Die drei Te­nö­re dem Fuß­ball dank­bar sein, dass er ih­nen zur Welt­meis­ter­schaft an­no 1990 ein Fo­rum gab und dass der Wett­streit der teu­ers­ten Klas­sik­künst­ler – Lu­cia­no Pa­va­rot­ti, Pla­ci­do´ Do­m­in­go und Jo­se´ Car­re­ras – der­ma­ßen ein­schlug. Die fol­gen­den Welt­meis­ter­schaf­ten wa­ren oh­ne das Trio nicht mehr denk­bar. Auch wenn die Ga­gen des le­gen­dä­ren ers­ten ge­mein­sa­men Auf­tritts wohl­tä­ti­gen Zwe­cken zu­gu­te­ka­men, die Um­weg­ren­ta­bi­li­tät muss enorm ge­we­sen sein. Im­mer­hin war ei­ne ge­schätz­te Mil­li­ar­de Men­schen via TV da­mals da­bei.

Auch bei den di­ver­sen Re­makes die­ses Events ging es of­fen­bar um nicht zu ver­nach­läs­si­gen­de Sum­men. Auf­trit­te der drei Te­nö­re führ­ten zu Que­re­len und Kla­gen und hat­ten – nach ei- nan­der wi­der­spre­chen­den ju­ris­ti­schen An­sich­ten über die Um­satz­steu­er­pflicht – so­gar Kon­se­quen­zen für das deut­sche Steu­er­recht. Sport und Mu­sik. Be­gon­nen hat das al­les üb­ri­gens gar nicht im Fuß­ball­sta­di­on, son­dern in den rö­mi­schen Ca­ra­cal­la-Ther­men. Und das führt un­se­re

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.