»Freun­des­krei­se sind ei­ne Gräss­lich­keit«

Ne­os-Stif­tungs­rŻt Hans Pe­ter Ha­sel­stei­ner will ©ie Voll­mŻcht ©es ORF-Ge­nerŻls ein­schr´nken un© ©en ORF »un­Żãh´ngi­ger von PŻr­teien­ein­fluss« mŻchen. Bun©es­kŻnz­ler Chris­tiŻn Kern (SPÖ) will ei­ne Wie©er­wŻhl von AlexŻn©er WrŻãetz.

Die Presse am Sonntag - - Medien - VON ISA­BEL­LA WALLNÖFER

Son­nen­ge­bräunt und sie­ges­si­cher ist ORF-Ge­ne­ral Alex­an­der Wra­betz der­zeit zu er­le­ben. Er rech­net of­fen­bar fix da­mit, am 9. Au­gust als ORF-Ge­ne­ral be­stä­tigt zu wer­den. Und: Er hat die Un­ter­stüt­zung des neu­en Bun­des­kanz­lers. Chris­ti­an Kern (SPÖ) sprach sich am Sams­tag im Ö1-„Mit­tags­jour­nal“„ganz klar“da­für aus, dass Wra­betz ORF-Chef bleibt, und er­klär­te, auch die SPÖ-na­hen Stif­tungs­rä­te hät­ten sich für Wra­betz aus­ge­spro­chen. Der ORF-Pos­ten wer­de aber „mit Si­cher­heit nicht wo­an­ders ge­dealt wer­den“– und es ge­be auch kei­ne ÖVP-Un­ter­stüt­zung für Wra­betz als Ge­gen­leis­tung zur Un­ter­stüt­zung der SPÖ für die schwar­ze Rech­nungs­hof-Kan­di­da­tin. Voll­macht be­schrän­ken. Das klingt fast so, als hät­te die Politik kein In­ter­es­se dar­an, auf der mäch­tigs­ten Me­di­en­or­gel des Lan­des zu spie­len. Die Er­fah­rung lehrt das Ge­gen­teil. Ei­ner, der da­von zu be­rich­ten weiß, ist der In­dus­tri­el­le Hans Pe­ter Ha­sel­stei­ner, der seit zwei Jah­ren für die Ne­os im Auf­sichts­or­gan des ORF – dem Stif­tungs­rat – sitzt. Er wünscht sich im In­ter­view mit der „Pres­se am Sonn­tag“, dass die Voll­macht des ORF-Ge­ne­ral­di­rek­tors be­schränkt wird. „Jetzt sind im ORF al­le wei­sungs­ge­bun­den – ein­schließ­lich der Di­rek­to­ren. Das wür­de in ei­nem an­de­ren Haus nie­mals ge­hen“, sagt er. Es sei Zeit, dar­über zu dis­ku­tie­ren, statt ei­nes Al­lein­ge­schäfts­füh­rers ein Kol­lek­tiv­or­gan ein­zu­set­zen – „wie es in ei­ner AG der Vor­stand ist“. Da es das Ge­setz aber – der­zeit – an­ders vor­sieht, kön­ne man das über ei­ne Selbst­be­schrän­kung in der Ge­schäfts­ord­nung re­geln. Und: Die Stif­tungs­rä­te soll­ten die Ver­trä­ge der neu­en Ge­schäfts­füh­rung mit ei­nem In­kraft­tre­ten ei­nes neu­en ORF-Ge­set­zes be­fris­ten. Dann müss­ten sich die Di­rek­to­ren neu be­wer­ben.

Ein neu­es ORF-Ge­setz? Das fän­de er „wün­schens­wert“, sagt Ha­sel­stei­ner. „Dass wir zu ei­nem Vor­stand kom­men, der per Ge­setz ein Kol­lek­tiv­or­gan ist. Dass wir ei­nen Auf­sichts­rat ha­ben, der den Na­men ver­dient. Und dass wir ei­ne Stif­ter­ver­samm­lung ha­ben, die die Haupt­ver­samm­lung er­setzt, und es end­lich ei­ne nor­ma­le Wil­lens­bil­dung gibt, da­mit der ORF deut­li­cher un­ab­hän­gi­ger wird, als er es heu­te ist.“Ihn gänz­lich zu ent­po­li­ti­sie­ren geht sei­ner An­sicht nach nicht. „Das ist vi­el­leicht auch nicht wün­schens­wert, aber ein Durch­re­gie­ren der Re­gie­rungs­par­tei­en oder auch die Dro­hun­gen der Op­po­si­ti­ons­par­tei­en sind ab­so­lut ab­zu­leh­nen.“Es scheint aber nicht so, als wür­de die Politik ih­ren Ein­fluss­be­reich im ORF gern selbst be­schnei­den – Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Tho­mas Droz­da (SPÖ) lehn­te das jüngst im „Pres­se“-In­ter­view ab. Dar­über, gibt Ha­sel­stei­ner zu be­den­ken, soll­ten SPÖ und ÖVP je­doch nach­den­ken. „Es ist ja im­mer die Spiel­wie­se der Re­gie­ren­den – und wenn sich die Par­tei­en über­le­gen, wie lan­ge sie noch mit­re­gie­ren wer­den, kom­men sie vi­el­leicht zu ei­nem an­de­ren Schluss.“Und: „Wenn sie nicht mehr ge­wählt sind, ist es zu spät.“Was ihm be­son­ders miss­fällt? „Ei­ne der Gräss­lich­kei­ten in die­ser Politik sind ja die Freun­des­krei­se im ORF-Stif­tungs­rat – da stei­gen ei­nem ja die Graus­bir­nen auf.“

»Es ist schwie­ri­ger, Żcht Chef­re©Żk­teu­re üãer ei­nen Leis­ten zu schlŻ­gen Żls ei­nen.«

Und was sind die Her­aus­for­de­run­gen an das Un­ter­neh­men? Ha­sel­stei­ner nennt die „Aus­ein­an­der­set­zung mit den gro­ßen Me­di­en­an­bie­tern, die über den At­lan­tik kom­men“und die Füh­rungs­struk­tur des ORF, die „nicht auf dem ak­tu­el­len Stand“ist. Der ORF müs­se „un­ab­hän­gi­ger vom Par­teien­ein­fluss“, auch „leis­tungs­fä­hi­ger und struk­tu­rier­ter“wer­den. Wem er im Au­gust sei­ne Stim­me gibt, kann er nicht sa­gen – noch ist nicht klar, wer zur Wahl ste­hen wird. Aber ein Vor­schlag von Wra­betz ge­fällt ihm: die Idee mit den acht Sen­der­ver­ant­wort­li­chen. „Wenn die nicht von den Par­tei­zen­tra­len vor­ge­ge­ben, son­dern mit ei­nem Hea­ring be­stellt wer­den, und wenn je­der ei­nen ei­ge­nen Chef­re­dak­teur hat, dann ha­ben wir mehr Viel­falt.“Und mehr Un­ab­hän­gig­keit: „Weil es schwie­ri­ger ist, acht Chef­re­dak­teu­re über ei­nen Leis­ten zu schla­gen als ei­nen.“

Cle­mens FŻã­ry

Der In­dus­tri­el­le Hans Pe­ter Ha­sel­stei­ner sitzt seit Mai 2014 für die Ne­os im ORF-Stif­tungs­rat.

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