Run auf Kunst und Kun­den

Selbst die Art Ba­sel braucht Spon­so­ren: Zwei we­sent­li­che sind BMW mit den Art Cars und UBS mit ei­ner der bes­ten Kunst­samm­lun­gen ei­ner Bank.

Die Presse am Sonntag - - Kunstmarkt - VON SABINE B. VO­GEL

Am Mitt­woch star­tet die Art Ba­sel, die wich­tigs­te Kunst­mes­se für mo­der­ne und zeit­ge­nös­si­sche Kunst. Über 280 Ga­le­ri­en neh­men dar­an teil, vo­ri­ges Jahr ka­men in den sechs Mes­se­ta­gen 98.000 Be­su­cher. So er­folg­reich die Mes­se ist, das sechs­tä­gi­ge Pro­gramm wä­re oh­ne Spon­so­ren nicht mög­lich. Zu den äl­tes­ten Part­nern ge­hö­ren BMW und die Schwei­zer Bank UBS. Heu­er prä­sen­tiert der Au­to­her­stel­ler sei­ne le­gen­dä­ren BMW-Art-Cars im UBS-Fo­rum in Ba­sel. Da­mit tref­fen zwei Haupt­spon­so­ren der Art Ba­sel zu­sam­men, die ihr Kuns­t­en­ga­ge­ment höchst un­ter­schied­lich an­le­gen.

Das ers­te BMW-Art-Car wur­de 1975 von Alex­an­der Cal­der gestal­tet, „aber nicht als Mar­ke­ting­idee, um die Mar­ke BMW in die Kunst zu brin­gen. Wir ver­dan­ken die BMW-Art-Car-Rei­he der Lei­den­schaft von Her­ve´ Pou­lain, fran­zö­si­scher Renn­fah­rer, Auk­tio­na­tor und Freund in­ter­na­tio­na­ler Künst­ler“, er­klärt Tho­mas Girst. Er ist Lei­ter des Kul­tu­r­en­ga­ge­ments von BMW und rückt auch gleich die Be­grif­fe zu­recht: „Wir spre­chen grund­sätz­lich nicht von Spon­so­ring, son­dern von Part­ner­schaft, Ko­ope­ra­ti­on oder En­ga­ge­ment. Das Wort Spon­so­ring ist et­was ne­ga­tiv kon­no­tiert und zeugt ein­zig von ei­nem mo­ne­tä­ren Trans­fer von A nach B. Bei uns geht es aber um In­ter­ak­ti­on und part­ner­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit.“ Jeff Koons färb­te Renn­au­to bunt ein. Die Zu­sam­men­ar­beit mit Künst­lern be­gann al­so mit dem BMW 3.0 CSL, der schnell zum Lieb­ling auf Renn­stre­cken wur­de. Es folg­ten Frank Stel­la, Roy Lich­ten­stein, An­dy War­hol. 1999 schrieb Jen­ny Holzer „What I Want“auf die Mo­tor­hau­be, 2010 färb­te Jeff Koons den BMW M3 GT2 bunt ein – die­ses Mo­dell muss­te al­ler­dings nach 60 Run­den we­gen tech­ni­scher Pro­ble­me aus dem Ren­nen ge­nom­men wer­den. Zum heu­ri­gen 40-Jahr-Ju­bi­lä­um wur­den erst­mals zwei Künst­ler gleich­zei­tig ein­ge­la­den: der Ame­ri­ka­ner John Bal­des­sa­ri und die Chi­ne­sin Cao Fei. Sie wer­den wäh­rend der Art Ba­sel ih­re ers­ten Ent­wür­fe prä­sen­tie­ren.

Au­ßer den Art Cars und Ge­mäl­den Ger­hard Rich­ters in der Münch­ner Fir­men­zen­tra­le be­sitzt BMW kei­ne Samm­lung nam­haf­ter Künst­ler. „Samm­lun­gen fin­det man eher bei Un­ter­neh­men, die da­mit ei­nen ,Vi­su­al Vo­id‘ fül­len, wie Banken, Di­enst­leis­ter. Solch ei­ne vi­su­el­le Leer­stel­le hat BMW ja nicht, weil man mit der Mar­ke her­aus­ra­gend de­sign­te Au­tos in Ver­bin­dung brin­gen kann“, for­mu­liert Girst vor­sich­tig. UBS da­ge­gen setzt auf die klas­si­sche Kunst­samm­lung. Die Bank ge­hört seit 1994 zu den Haupt­spon­so­ren der Art Ba­sel, denn: „Wir wis­sen durch haus­in­ter­ne Re­cher­chen, dass un­se­re Kun­den die Art Ba­sel be­su­chen. Und auch wir kau­fen hier für un­se­re Samm­lung an – es ist der bes­te Weg, den Kunst­markt zu un­ter­stüt­zen, wenn man bei Ga­le­ri­en kauft“, er­klärt der Lei­ter der UBS-Ar­tPlatt­form, Pe­ter Dil­lon. 35.000 Wer­ke in Samm­lung. Im Lauf der Ge­schich­te der UBS schlos­sen sich Banken zu­sam­men und wur­den Banken über­nom­men, die oft ei­ge­ne Kunst­samm­lun­gen auf­ge­baut hat­ten. Im Jahr 2000 ka­men mit dem US-Ver­mö­gens­ver­wal­ter Pai­ne Web­ber rund 900 erst­klas­si­ge Wer­ke vor al­lem der US-Nach­kriegs­kunst da­zu. Kurz wur­de über­legt, die Samm­lung zu ver­kau­fen. Statt­des­sen wähl­ten Ex­per­ten die bes­ten Wer­ke aus, seit 2004 sind sie un­ter dem neu­en La­bel UBS-Art-Collection mit den ei­ge­nen Be­stän­den zu­sam­men­ge­fasst.

Heu­te um­fasst die Samm­lung rund 35.000 Wer­ke, die groß­teils auf die Fi­lia­len auf­ge­teilt sind. Es wird ste­tig er­wei­tert, aber „ein bis zwei grö­ße­re Wer­ke pro Jahr“wer­den auch ver­kauft: „Wer­ke, die un­se­rer Mei­nung nach nicht ganz hin­ein­pas­sen, manch­mal, weil sie aus der Zeit vor 1960 stammt, häu­fi­ger aber, weil es sehr, sehr gro­ße Wer­ke sind, die schwie­rig zu hand­ha­ben sind, oder weil wir ein sehr gro­ßes Kon­vo­lut des Künst­lers be­sit­zen. In den 1970erJah­ren ge­stal­te­te Car­los Cruz-Diez, ei­ner der wich­tigs­ten Künst­ler Latein­ame­ri­kas, ein gan­zes Ge­bäu­de für uns in der Schweiz. Die De­cken, Wän­de, so­gar Park­plät­ze. Ei­ni­ges ha­ben wir dem Haus der Kon­kre­ten Kunst in Zü­rich ge­schenkt, zwei der größ­ten Stü­cke ver­kauft – und wir ha­ben noch im­mer vie­le“, er­zählt Ste­phen McCou­brey, UBSKu­ra­tor für Eu­ro­pa und Asi­en. Pro­fes­sio­nel­les An­kauf­ko­mi­tee. Wie wird bei UBS an­ge­kauft? „Wir ha­ben ein hoch­ka­rä­ti­ges Ko­mi­tee, zwei Ex­ter­ne und drei In­ter­ne, die zwei bis drei gro­ße An­käu­fe pro Jahr be­stim­men. Die an­de­ren An­schaf­fun­gen ent­schei­den Kunst­pro­fis aus der Bank. Wir ha­ben ei­ne Ab­tei­lung, die auf sämt­li­che Ak­ti­vi­tä­ten im Be­reich der Samm­lung spe­zia­li­siert ist, von den Hän­gun­gen in klei­nen Fi­lia­len bis zu gro­ßen Aus­stel­lun­gen in Mu­se­en und Ver­käu­fen“, er- klärt McCou­brey. Aber war­um in­ves­tiert die Bank über­haupt in Kunst? „Das war kein ge­plan­ter Pro­zess. Es ist ei­ne mit vie­len ge­teil­te Lei­den­schaft – auch mit un­se­ren Kun­den. Um 2000 wur­de uns klar, dass wir wohl die bes­te Samm­lung zeit­ge­nös­si­scher Kunst ei­ner Groß­bank be­sit­zen – und das wol­len wir ze­le­brie­ren und öf­fent­lich­keits­wirk­sam wei­ter­füh­ren.“Und Dil­lon er­gänzt: „Wir eva­lu­ie­ren un­se­re Ak­ti­vi­tä­ten bzw. das Geld, das wir da-

US-Künst­ler John Bal­des­sa­ri und Chi­ne­sin Cao Fei kre­ieren heu­er das BMW-Art-Car. Die UBS be­sitzt „die bes­te Samm­lung zeit­ge­nös­si­scher Kunst ei­ner Groß­bank“.

für aus­ge­ben, durch­aus. Ein ein­fa­cher Weg, das ab­zu­schät­zen, ist auf der Art Ba­sel zu se­hen: Wir ha­ben rund 3000 Kun­den, die un­se­re Lounge be­su­chen, sich hier tref­fen, Kunst kau­fen, sich aus­tau­schen.“Dort hän­gen dann auch aus­ge­wähl­te Wer­ke aus der Samm­lung, heu­er der Pop-Art und des abs­trak­ten Ex­pres­sio­nis­mus. Wäh­rend BMW mit den Art Cars Renn­stre­cken in Aus­stel­lun­gen ver­wan­delt, ver­wan­delt UBS ei­ne Lounge in ein Mu­se­um.

BMW AG

Auch er hat es ge­tan, na­tür­lich: An­dy War­hol be­mal­te 1979 sein BMW-Art-Car.

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