Blatt­li­nie

NACH­RICH­TEN AUS DER REDAKTIONSKONFERENZ

Die Presse am Sonntag - - Die Seite Zwei - UL­RI­KE WEI­SER

Prä­ven­ti­ver Ab­schieds­schmerz, mög­li­cher Ju­bel, ech­te Trau­er und ziem­lich viel Wut. Ei­ne sonn­täg­li­che Tour der kol­lek­ti­ven Emo­tio­nen.

Should I stay or should I go“, „Plea­se don’t lea­ve me this way“− es ist kein Zu­fall, dass die Br­ex­it-Zei­tungs­co­vers die­ser Ta­ge mit Song­tex­ten über­ti­telt wer­den. Denn auch wenn es beim EU-Aus­tritt von Groß­bri­tan­ni­en vor al­lem um die po­li­tisch-wirt­schaft­li­chen Fol­gen geht (und zu­letzt lei­der auch um töd­li­che Be­gleit­erschei­nun­gen), so soll­te man ei­nes nicht ver­ges­sen: den äs­the­ti­schen Zau­ber, den die Bri­ten auf Ge­ne­ra­tio­nen von Ju­gend­li­chen aus­ge­übt ha­ben. Ka­te Moss, Mon­ty Py­thon, die Fra­ge „Mod oder Punk“oder auch zwei der bes­ten Klei­dungs­stü­cke, Trench­coat und Par­ka . . . Groß­bri­tan­ni­en ist/war ei­ne ro­man­ti­sche Pro­jek­ti­ons­flä­che für die Sehn­sucht nach ei­ner Läs­sig­keit, die „stiff up­per lip“und Re­bel­li­on un­ter ei­nen Hut bringt. In die­ser Ausgabe ver­mes­sen Kor­re­spon­dent Ga­b­ri­el Rath und Feuille­ton-Chef Tho­mas Kra­mar un­se­ren prä­ven­ti­ven Ab­schieds­schmerz.

Der uns auch im Fuß­ball droht. Sams­tag­abend war für Ös­ter­reich ein Schick­sals­tag. So oder so. In ei­nem Land, das nur Ju­beln oder Ver­dam­men kennt, sind Sport­jour­na­lis­ten der­zeit In­seln der Ge­las­sen­heit. Ver­mut­lich auch, weil sie sich ih­re Ener­gie bis zum 10. Ju­li ein­tei­len müs­sen. Um ei­nen Schick­sals­tag geht es dies­mal auch im Chro­nik-Teil, je­doch um ei­nen re­al-bru­ta­len. Am Mon­tag jährt sich die Amok­fahrt in Graz. Mir­jam Ma­rits war für ei­ne Re­por­ta­ge in ih­rer al­ten Hei­mat. Der Schau­platz der Ge­schich­te von An­na-Ma­ria Wall­ner passt da­ge­gen in je­de Ho­sen­ta­sche. Sie fasst die De­bat­te über Hass im Netz zu­sam­men. Zu­letzt ga­ben u. a. be­kann­te Jour­na­lis­tin­nen Ein­blick in das Aus­maß des Häss­li­chen, das an die Ober­flä­che kommt, wenn man nur die ge­sichts­lo­se Wei­te des In­ter­nets als Re­so­nanz­raum hat. Weil das Schwei­gen der Op­fer Teil der Hasstak­tik ist (vor al­lem wenn es − wie so oft − ge­gen Frau­en geht), ist das Re­den dar­über wich­tig. Da­mit die Scham dort­hin zu­rück­wan­dert, wo sie hin­ge­hört: zu den Tä­tern.

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