Der Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sel

Fuat Sa­na¸c kommt ei­ner Ab­wahl als Prä­si­dent der Is­la­mi­schen Glau­bens­ge­mein­schaft zu­vor und macht Platz für den 28-jäh­ri­gen Theo­lo­gen Ibra­him Ol­gun.

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON KÖKSAL BALTACI

Mit ei­nem der­art ruhm­lo­sen Ab­gang hat er wohl bis zu­letzt selbst nicht ge­rech­net. Sprach er doch noch am Don­ners­tag von ei­ner er­neu­ten Kan­di­da­tur als Prä­si­dent der Is­la­mi­schen Glau­bens­ge­mein­schaft in Ös­ter­reich (IGGiÖ). Was zu ei­ner Kampf­ab­stim­mung am heu­ti­gen Sonn­tag ge­gen sei­nen Her­aus­for­de­rer Ibra­him Ol­gun ge­führt hät­te, dem stell­ver­tre­ten­den Lei­ter des Schul­am­tes der IGGiÖ.

Spä­tes­tens am Frei­tag­abend dürf­te er aber ein­ge­se­hen ha­ben, dass sei­ne Zeit vor­bei und die für ei­nen Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sel ge­kom­men ist. Denn nach fünf pan­nen­rei­chen Jah­ren, in de­nen er bei­spiels­wei­se bei den Ver­hand­lun­gen zum neu­en Is­lam­ge­setz ei­ne sehr schlech­te Fi­gur ge­macht hat­te und we­gen sei­ner an­geb­li­chen Nach­gie­big­keit wie­der­holt in­tern in Er­klä­rungs­not ge­ra­ten war, wur­den die kri­ti­schen Stim­men in der Glau­bens­ge­mein­schaft im­mer lau­ter. In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ver­lor er das Ver­trau­en schließ­lich kom­plett. „Klar­heit in der Öf­fent­lich­keit“. Dem­ent­spre­chend nüch­tern und kurz fie­len sei­ne Ab­schieds­wor­te aus. Er se­he sich zu die­sem Schritt ver­an­lasst, um für Klar­heit bei den Mit­glie­dern und in der Öf­fent­lich­keit zu sor­gen, teil­te er schrift­lich mit. Mit den Wah­len am Sonn­tag sol­le die IGGiÖ ih­re Hand­lungs­fä­hig­keit wah­ren. Als Prä­si­dent ha­be er das Amt „im­mer mit gro­ßer Rück­sicht auf die Le­ga­li­tät mei­nes Han­delns aus­ge­übt und stets die In­ter­es­sen der Glau­bens­ge­mein­schaft und ih­rer Mit­glie­der vor Au­gen ge­habt“, Be­am­ter des tür­ki­schen Staa­tes“, sagt der ös­ter­rei­chi­sche Staats­bür­ger tür­ki­scher Ab­stam­mung und be­tont, dass er im Fal­le sei­ner Wahl al­le Eth­ni­en in der Glau­bens­ge­mein­schaft re­prä­sen­tie­ren wer­de, nicht nur die Tür­ken. Wich­tig sei ihm auch, ver­stärkt mit al­len Mus­li­men in Kon­takt zu tre­ten. Denn man müs­se noch mehr auf die Be­dürf­nis­se der Mus­li­me hö­ren – zum Bei­spiel, was in Kin­der­gär­ten, im Re­li­gi­ons­un­ter­richt und in der is­la­mi­schen Seel­sor­ge pas­sie­re.

Die­sen Kon­takt ha­be Sa­nac¸ nicht im­mer ge­pflegt, meint Ol­gun und ver­weist in Be­zug auf das Is­lam­ge­setz auch auf die Kri­tik in der Glau­bens­ge­mein­schaft, wo­nach Sa­nac¸ sein Amt miss­braucht und ei­gen­mäch­tig Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen ha­be. „Da­durch hat er die Un­ter­stüt­zung vie­ler Mus­li­me ver­lo­ren.“Er selbst fin­det das Is­lam­ge­setz „im All­ge­mei­nen“in Ord­nung, man kön­ne aber si­cher noch ei­ni­ges än­dern. Über De­tails will er aber nicht spre­chen. Das müs­se erst in den Gre­mi­en be­spro­chen wer­den. „At­trak­ti­ver Prä­si­dent“. In­ner­halb der Glau­bens­ge­mein­schaft wird Ol­gun je­den­falls mit Vor­schuss­lor­bee­ren be­dacht. Für Ra­ma­zan De­mir et­wa, Imam in der IGGiÖ und Ge­ne­ral­se­kre­tär der is­la­mi­schen Ge­fäng­nis­seel­sor­ge, ist er ein her­vor­ra­gen­der Kan­di­dat für das Amt des Prä­si­den­ten. „Er ist jung, dy­na­misch, be­son­nen und en­ga­giert im in­ter­re­li­giö­sen Dia­log“, sagt er im Gespräch mit der „Pres­se am Sonn­tag“: „Er wird Schwung in die Glau­bens­ge­mein­schaft brin­gen, mit neu­er Ener­gie und Vi­sio­nen.“Für ihn sp­re- che zu­dem, dass er ein Theo­lo­ge sei, das ma­che ihn zu ei­nem „at­trak­ti­ven Prä­si­den­ten“.

Ol­gun dürf­te im Üb­ri­gen der ein­zi­ge Kan­di­dat sein. Laut der IGGiÖSpre­che­rin Car­la Ami­na Bag­haja­ti hat­te es zwar in den ver­gan­ge­nen Ta­gen noch so aus­ge­se­hen, als wür­de es ei­nen zwei­ten Kan­di­da­ten ge­ben – am Sams­tag ha­be sich aber ab­ge­zeich­net, dass nur Ol­gun an­tre­ten wird.

Die nicht me­di­en­öf­fent­li­che Wahl des neu­en Prä­si­den­ten und des Obers­ten Ra­tes er­folgt nach der Kon­sti­tu­ie­rung des neu zu­sam­men­ge­setz­ten Schura­ra­tes und fin­det ab 12 Uhr statt. Im An­schluss an die Wahl soll das Er­geb­nis ver­öf­fent­licht wer­den. In den nächs­ten Ta­gen will sich der neue Prä­si­dent dann in ei­ner Pres­se­kon­fe­renz der Öf­fent­lich­keit vor­stel­len.

Sta­nis­lav Je­nis

Fuat Sa­na¸c gab am Frei­tag­abend be­kannt, dass er nicht mehr als Prä­si­dent der Is­la­mi­schen Glau­bens­ge­mein­schaft kan­di­die­ren wird.

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