Die Wes­sis zieht es wie­der in den Os­ten

NŻch ©er Wen©e wŻr »Go West« ©ie De­vi­se, ©och ein Vier­tel­jŻhr­hun©ert sp´ter zie­hen wie©er mehr Men­schen von West- nŻch Ost©eu­tschlŻn© Żls um­ge­kehrt. Al­ler©ings pro­fi­tie­ren ©Żvon nur ©ie grö­ße­ren St´©te.

Die Presse am Sonntag - - Eco - VON ERICH KOCINA

Der Fall der Mau­er war aus de­mo­gra­fi­scher Sicht der Bruch ei­nes Stau­damms. Rund 1,8 Mil­lio­nen Men­schen ström­ten zwi­schen 1991 und 2013 aus den fünf neu­en deut­schen Bun­des­län­dern in den Wes­ten. Nichts wie weg hier, war die De­vi­se. Die al­ten Bun­des­län­der lock­ten mit Jobs, Wohl­stand und Per­spek­ti­ven. Doch mitt­ler­wei­le ha­ben sich Os­ten und Wes­ten in die­ser Hin­sicht an­ge­gli­chen – und mitt­ler­wei­le spre­chen Be­völ­ke­rungs­wis­sen­schaft­ler schon von ei­ner Trend­um­kehr: Erst­mals seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung sind im Jahr 2014 mehr Men­schen von Ost- nach West­deutsch­land ge­zo­gen: 141.966 wa­ren es ge­gen­über 134.765, die es in den Wes­ten zog.

Schon 2013 war man bei ei­nem Plus von 1151 ge­le­gen, doch be­weg­te man sich da­mit noch im Be­reich der sta­tis­ti­schen Feh­ler­to­le­ranz. „Jetzt ha­ben wir ent­schie­den, das zu the­ma­ti- sie­ren“, sagt Bern­hard Köp­pen, wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter am Bun­des­in­sti­tut für Be­völ­ke­rungs­for­schung. „Das ist nicht nur ein sta­tis­ti­scher Aus­rei­ßer, son­dern tat­säch­lich ein Trend, der sich ver­stärkt.“

Doch die Er­war­tung, dass da­mit die struk­tur­schwa­chen Re­gio­nen im Os­ten al­le­samt zu blü­hen­den Land­schaf­ten wer­den, wird ent­täuscht. Denn die Zu­wan­de­rung aus dem Wes­ten kon­zen­triert sich vor al­lem auf die gro­ßen Städ­te. Und hier ist es be­son­ders Ber­lin: „Die Haupt­stadt hat durch den Um­zug von Be­am­ten und An­ge­stell­ten ei­nen gro­ßen Im­puls be­kom­men“, meint Köp­pen – vor al­lem auch, weil die Stadt selbst wirt­schaft­lich gar nicht so stark sei. Doch in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ist hier viel ent­stan­den, vor al­lem für Start-ups und Krea­ti­ve gibt es gu­te Be­din­gun­gen. Boom in SŻch­sen. Und mit der Stadt wächst auch ihr Um­land – so pro­fi­tiert das Bun­des­land Bran­den­burg da­von, dass sich vie­le im Ber­li­ner Speck­gür­tel oder in Städ­ten wie Pots­dam an­sie­deln. Schon al­lein das gleicht die üb­ri­ge Ab­wan­de­rung aus Bran­den­burg zum Po­si­ti­ven aus. „Oh­ne Ber­lin wä­re der Wan­de­rungs­sal­do für den Os­ten wei­ter leicht ne­ga­tiv“, sagt Köp­pen.

Ne­ben Ber­lin ist es vor al­lem das Bun­des­land Sach­sen, das vie­le Men­schen an­zieht. Ins­be­son­de­re Leip­zig, das 2014 den höchs­ten po­si­ti­ven Wan- de­rungs­sal­do al­ler deut­schen Städ­te hat­te, aber auch die Lan­des­haupt­stadt Dres­den konn­ten vie­le Bin­nen­zu­wan­de­rer an­lo­cken. Da­ne­ben ha­ben es auch ost­deut­sche Städ­te wie Je­na, Er­furt, Mag­de­burg oder Ros­tock nach der Wen­de ge­schafft, den struk­tu­rel­len Wan­del gut zu be­wäl­ti­gen. Mit Uni­ver­si­tä­ten lock­te man jun­ge Men­schen an, man schuf Ar­beits­plät­ze und ach­te­te bei der Sa­nie­rung der Bau­sub­stanz be­son­ders auf die Le­bens­qua­li­tät.

Das Wachs­tum be­trifft al­ler­dings nur rund 15 Pro­zent der ost­deut­schen Ge­mein­den, wie ei­ne Stu­die des Ber­lin-In­sti­tuts für Be­völ­ke­rung und Ent­wick­lung zeigt, die im Jän­ner prä­sen­tiert wur­de. 85 Pro­zent er­leb­ten je­doch im Stu­di­en­zeit­raum von 2008 bis 2013 ei­ne Net­to­ab­wan­de­rung. Vor al­lem der länd­li­che Raum ver­liert Be­woh­ner – al- len vor­an zie­hen die Jun­gen weg. Wer Bil­dung oder Ar­beit sucht, wird nun ein­mal eher in den Städ­ten fün­dig.

Chan­cen für klei­ne­re Ge­mein­den gibt es aber den­noch – et­wa, in­dem sie auf Fa­mi­li­en set­zen. Ein Haus im Grü­nen mit ge­rin­gen Kos­ten kann die­se Grup­pe noch an­lo­cken. Al­ler­dings muss dann auch das An­ge­bot an Kin­der­gär­ten und Schu­len pas­sen. Und nicht zu­letzt bringt auch Mi­gra­ti­on aus dem Aus­land die Chan­ce auf neue Be­woh­ner – in Deutsch­land wer­den Flücht­lin­ge nach ei­nem fi­xen Schlüs­sel über das ge­sam­te Land ver­teilt. Al­lein, soll­ten sie dann in Dör­fern oder klei­nen Ge­mein­den we­der Job noch An­schluss fin­den, wer­den sie wohl bald ver­su­chen, in ei­ne grö­ße­re Stadt wei­ter­zu­zie­hen. Das gilt al­ler­dings nicht nur für den Os­ten.

ThomŻs Lin­kel/lŻif/ picture©esk.com

Der Os­ten Deutsch­lands ist wie­der at­trak­tiv ge­wor­den – al­ler­dings zieht es die meis­ten Bin­nen­zu­wan­de­rer in die gro­ßen Städ­te, et­wa nach Ber­lin.

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