Beim Br­ex­it dro­hen hef­ti­ge Tur­bu­len­zen

An­le­ger soll­ten die EU-Ab­stim­mung in Groß­bri­tan­ni­en ge­nau be­ob­ach­ten – und die Kon­se­quen­zen zie­hen.

Die Presse am Sonntag - - Mein Geld - JU

Je nä­her die Br­ex­it-Ab­stim­mung in Groß­bri­tan­ni­en rückt, des­to alar­mier­ter sind die Ver­fech­ter des Ver­bleibs des Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reichs in der Ge­mein­schaft. Zu­letzt hat­ten die Br­ex­it-Be­für­wor­ter in den Um­fra­gen leicht die Ober­hand. Vor al­lem aber star­ken Rü­cken­wind, weil sich der Me­dien­bou­le­vard ein­deu­tig auf ih­re Sei­te schlägt.

Es scha­det al­so nicht, ein Vo­tum für den Br­ex­it in Be­tracht zu zie­hen, zu­mal An­le­ger für die­sen Fall ei­ni­ges zu er­war­ten ha­ben. Dass ein Bri­ten-Ab­schied nicht ganz frik­ti­ons­frei über die Büh­ne ge­hen wird, war an den Märk­ten ja schon im Vor­feld zu be­ob­ach­ten. Dass die wich­ti­gen Bör­sen seit Ta­gen im Ab­tauch­mo­dus un­ter­wegs sind, hat je­den­falls viel mit der auf­fäl­li­gen Stim­mungs­dre­hung auf der In­sel zu tun. Und dass die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger deut­scher Staats­an­lei­hen erst- mals in der Ge­schich­te un­ter null ge­fal­len ist, wäh­rend der Gold­preis klet­tert und klet­tert, liegt am ge­stie­ge­nen Si­cher­heits­be­dürf­nis in Er­war­tung grö­ße­rer Schock­wel­len nach ei­nem Br­ex­it-Vo­tum.

Die Ak­ti­en­märk­te wer­den Mit­te kom­men­der Wo­che al­so mög­li­cher­wei­se tur­bu­lent, und das bri­ti­sche Pfund wird im Br­ex­it-Fall sei­nen be­reits im Vor­feld ein­ge­lei­te­ten Ab­sturz wohl be­schleu­nigt fort­set­zen. Ana­lys­ten hal­ten es für nicht aus­ge­schlos­sen, dass das Pfund im Ex­trem­fall – wenn bei­spiels­wei­se die Re­gie­rung Ca­me­ron an der Ab­stim­mung zer­bricht – durch­aus auf Eu­ro-Pa­ri­tät fal­len könn­te. Wahr­schein­lich wird der Sturz aber schon vor­her ge­stoppt.

Auf kur­ze Sicht be­deu­tet ein Br­ex­it-Vo­tum al­so mit Si­cher­heit hef­ti­ge­re Markt­tur­bu­len­zen. Aber wie geht es da­nach wei­ter? Wann be­ru­higt sich die La­ge wie­der? Ex­per­ten ge­hen ziem­lich ein­hel­lig da­von aus, dass ein Br­ex­it ei­ne län­ge­re Pha­se der Un­si­cher­heit und ho­her Markt­vo­la­ti­li­tät aus­lö­sen wird.

Denn der Aus­stieg ist, wie bei je­der Schei­dung, kein kur­zes, sin­gu­lä­res Er­eig­nis. Groß­bri­tan­ni­en und die EU müss­ten dann näm­lich in lang­wie­ri­gen Ver­hand­lun­gen, die bis zu zwei Jah­re dau­ern kön­nen, ih­ren mit viel­fäl­ti­gen Ver­trä­gen zu­sam­men­ge­zurr­ten ge­mein­sa­men Haus­halt aus­ein­an­der­di­vi­die­ren. Und das kann, um beim Schei­dungs­bei­spiel zu blei­ben, reich­lich schmut­zig wer­den.

Der Som­mer wird An­le­ger je­den­falls Ner­ven kos­ten, so viel steht fest. Was sich auf je­den Fall sa­gen lässt: Bri­ti­sche Ak­ti­en sind in den nächs­ten Mo­na­ten Hoch­ri­si­ko­pa­pie­re, zu­mal ja das Wäh­rungs­ri­si­ko da­zu­kommt. Da lässt man lie­ber die Fin­ger da­von.

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