Dein Ka­pi­tän, der An­füh­rer

Es ist mehr als nur ei­ne Schlei­fe, in der Rol­le des Ka­pi­täns blü­hen Spie­ler auf. Egal, ob Tor­hü­ter, Ver­tei­di­ger wie Chris­ti­an Fuchs oder Stars wie Cris­tia­no Ro­nal­do – sie ste­hen im Di­enst ih­rer Teams.

Die Presse am Sonntag - - Euro2016 -

Gi­an­lu­i­gi Buf­fon sprin­te­te nach dem 2:0-Sieg der Ita­lie­ner zum EM-Auf­takt ge­gen Bel­gi­en über den ge­sam­ten Platz und herz­te un­ter­wegs je­den sei­ner Mit­spie­ler. Er ap­plau­dier­te, mo­ti­vier­te, trieb an; wäh­rend des Spiels woll­te der 38 Jah­re al­te Tor­hü­ter der ita­lie­ni­schen Fuß­ball-Na­tio­nal­mann­schaft bei je­der Schieds­rich­ter-Ent­schei­dung ge­gen sei­ne Mann­schaft am liebs­ten so­fort zum Re­fe­ree stür­men und pro­tes­tie­ren. So laut, im­pul­siv und den­noch di­plo­ma­tisch, wie man es sich eben von ei­nem Ca­pi­ta­no er­war­tet.

Buf­fon ist ein ech­ter An­füh­rer und ein Vor­bild, hat Er­fah­rung und Cha­ris­ma. „Gi­gi ist ein Cham­pi­on, ein Vor­bild. Er ist im­mer gut ge­launt, so ei­nen Mit­spie­ler braucht man“, lob­te Ci­ro Im­mo­bi­le. Der Tor­hü­ter, auch bei Ju­ven­tus ein Mei­nungs­füh­rer, ver­eint al­le es­sen­zi­el­len Ei­gen­schaf­ten ei­nes Ka­pi­täns. Er lässt sich nicht un­ter­krie­gen, er hilft je­dem sei­ner Mit­spie­ler. Ein Leit­wolf! Auch die üb­ri­gen 23 Mann­schafts­ka­pi­tä­ne bei der EM sind er­fah­re­ne An­füh­rer re­spek­ti­ve Leit­wöl­fe, zu­meist auch der Star ih­res Teams. Ös­ter­reich setzt auf die Con­ten­an­ce von Ver­tei­di­ger Chris­ti­an Fuchs. Por­tu­gals Team hin­ge­gen wird von Stür­mer­star Cris­tia­no Ro­nal­do an­ge­führt. Das ist kein Nach­teil, denn kaum ein an­de­res Team ist so von ei­nem Spie­ler ab­hän­gig wie die Por­tu­gie­sen. Das In­ter­es­se an ihm drängt al­le an­de­ren ins Ab­seits. Doch im Team ist Ro­nal­do nicht der ego­zen­tri­sche Su­per­star, wie Ver­tei­di­ger Ced­ric´ So­a­res be­tont: „Er ist je­den Tag ein fan­tas­ti­sches Vor­bild. Er gibt je­dem Rat­schlä­ge und küm­mert sich im­mer um das Team.“

Ähn­lich ist die Si­tua­ti­on bei den Schwe­den, dort herrscht Su­per­star Zla­tan Ibra­hi­mo­vic,´ der die Bin­de trägt. „Er ist un­ser bes­ter Spie­ler, un­ser Ka­pi­tän, un­ser An­füh­rer“, sagt der Ham­bur­ger Al­bin Ek­dal. Der 34-jäh­ri­ge Stür­mer – er wech­selt wohl zu Man­ches­ter Uni­ted – wird all­seits re­spek­tiert, sein Wort zählt.

Nicht im­mer ist der bes­te Spie­ler auch der Ka­pi­tän – so wird et­wa Wa­les’ Team von Ash­ley Wil­li­ams an­ge­führt und nicht vom 100-Mil­lio­nen-Eu­roMann Ga­reth Ba­le. Bei Po­len hin­ge­gen trägt zwar Stür­mer Ro­bert Le­wan­dow­ski die Ka­pi­täns­bin­de, der An­grei­fer stellt sich je­doch auch in den Di­enst der Mann­schaft. Der 27-Jäh­ri­ge vom FC Bay­ern ist so­wohl Füh­rungs­fi­gur als auch Te­am­play­er. „Po­len ist von mir al­lein nicht ab­hän­gig“, sagt der Welt­klas­se­stür­mer. Ho­hes Stan­ding. An­de­re Ka­pi­tä­ne wie­der­um hel­fen dem Team vor al­lem durch ih­re An­we­sen­heit und durch ih­re Füh­rungs­qua­li­tä­ten. Deutsch­lands Ka­pi­tän Bastian Schwein­stei­ger – bei die­ser EM ab­ge­löst von Ma­nu­el Neu­er – et­wa ist nach sei­ner Ver­let­zung fast noch oh­ne Spiel­pra­xis, doch für Te­am­chef Joa­chim Löw ist er wei­ter­hin un­ver­zicht­bar: „Er hat die größ­te Er­fah­rung, er hat, was sei­ne Per­sön­lich­keit be­trifft, ein ho­hes Stan­ding in der Mann­schaft bei al­len.“

Spa­ni­ens Spiel­füh­rer Iker Ca­sil­las hin­ge­gen sitzt nur auf der Bank, ob­wohl er fit ist. Die Bin­de trägt nun Ab­wehr­spie­ler Ser­gio Ra­mos. Der ex­tro­ver­tier­te und auf­fäl­lig tä­to­wier­te In­nen­ver­tei­di­ger von Re­al Ma­drid gilt längst als Füh­rungs­fi­gur. Er­fah­rung und Per­sön­lich­keit sind ge­ne­rell wich- ti­ge Kri­te­ri­en für die Wahl des Team­ka­pi­täns. In 17 der 24 EM-Teams ist der Spiel­füh­rer 30 Jah­re oder äl­ter.

Der jüngs­te Ka­pi­tän ist Eden Ha­zard, 25. Der Bel­gi­er über­nahm die Bin­de nach dem ver­let­zungs­be­ding­ten Aus des fünf Jah­re äl­te­ren Vin­cent Kom­pa­ny. „Es ist et­was, wo­für ich sehr dank­bar bin“, sagt der Of­fen­siv­spie­ler. „Auf dem Platz ver­su­che ich, der Boss, ein Bei­spiel für mei­ne Kol­le­gen zu sein.“Ein Vor­bild ist ge­wiss auch En­g­lands Way­ne Roo­ney, der zum ers­ten Mal als Ka­pi­tän in ein Tur­nier geht. Re­lax Ba­by. „Das Team in das Tur­nier zu füh­ren, ist ei­ne gro­ße Eh­re, ein gro­ßer Mo­ment für mich. Ich muss ein gu­tes Bei­spiel für an­de­re sein“, sag­te der Of­fen­siv­spie­ler von Man­ches­ter Uni­ted, trei­ben­de Kraft beim 2:1 ge­gen Wa­les. „Er ist ein groß­ar­ti­ger Ka­pi­tän“, sagt Jack Wils­he­re. „Ich er­in­ne­re mich,

Ein Ka­pi­tän ist Vor­bild, hat Er­fah­rung und pflegt vor al­lem auch sein Cha­ris­ma. Laut, im­pul­siv und den­noch di­plo­ma­tisch, wenn es die La­ge beim Re­fe­ree ver­langt.

dass er mir vor mei­nem De­büt ge­sagt hat, dass ich es ge­nie­ßen, re­la­xen soll.“

Al­ba­ni­ens Ka­pi­tän Lo­rik Ca­na hin­ge­gen wur­de am ers­ten EM-Spiel­tag gleich zur tra­gi­schen Fi­gur. Der 32-Jäh­ri­ge sah im Auf­takt­spiel ge­gen die Schweiz nach 36 Mi­nu­ten die Gel­bRo­te Kar­te. Kri­tik gab es da­für aber nicht. „Wir sind nicht hier, um uns ge­gen­sei­tig Vor­wür­fe zu ma­chen“, sag­te da­zu der Köl­ner Mer­gim Mav­raj. „Er hat in sei­ner Kar­rie­re schon viel er­lebt. Das wirft ihn nicht um. Das ist kein Pro­blem für ihn.“

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