Am Herd

BRANDHEISS UND HÖCHST PER­SÖN­LICH

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON BETTINA ST­EI­NER

Ich fin­de Ra­dier­gum­mis und Ku­schel­tie­re, Schlüs­sel und Eng­lisch-Vo­ka­bel­hef­te. Ich bin ei­ne Such­ma­schi­ne! Goog­le ist nix da­ge­gen.

Ich bin es ge­wöhnt. Das ma­chen die Jah­re. Sieb­zehn sind es die­sen Som­mer, und es hat da­mit an­ge­fan­gen, dass Han­nah den Schnul­ler aus­ge­spuckt hat. Und wer hat ihn zwi­schen den Stoff­tie­ren her­vor­ge­zo­gen und ihn ihr wie­der in den Mund ge­steckt? Ich. Gern ge­sche­hen. Spä­ter ging es um ver­ein­sam­te Puz­zle­tei­le, Bar­bie-El­fen­flü­gel, um Pan­di, das Lieb­lings­ku­schel­tier, das am liebs­ten ganz wo­an­ders ku­schel­te, um Ra­dier­gum­mis und Fahr­schei­ne, Eng­lisch-Vo­ka­bel­hef­te und Han­dys, ich ha­be ei­ne Men­ge ge­lernt: Mitt­ler­wei­le kann ich die Flug­bahn ei­nes Schlüs­sels be­rech­nen, der von der Klin­ke ge­schleu­dert wird, und fin­de ihn, tra­ra, in ei­nem lin­ken Schuh.

Das ist kei­ne He­xe­rei! Ich ken­ne ja mei­ne Kin­der, ich weiß al­so, dass die Chan­ce groß ist, dass ei­nes von ih­nen tü­ren­knal­lend das Haus ver­las­sen hat, ge­nau­so wie ich weiß, dass die Gro­ße gern im Ba­de­man­tel her­um­lun­gert, wes­halb sich in des­sen Ta­schen ganz er­staun­li­che Din­ge an­sam­meln. Und ich ken­ne die Woh­nung. In die­ser Woh­nung hat, je­den­falls theo­re­tisch, al­les sei­ne Ord­nung: Die nas­se Wä­sche hängt et­wa auf dem Wä­sche­stän­der, die Tas­sen sind im Schrank, das Obst in der Obst­schüs­sel und so wei­ter. Wenn nun auf dem Wä­sche­stän­der drei Klar­sicht­fo­li­en mit Ko­pi­en über Halb­lei­ter und Di­oden lie­gen oder sich in der Obst­scha­le Kopf­hö­rer krin­geln, dann fällt mir das auf. Das ist im Üb­ri­gen der Grund, war­um ich im Ar­beits­zim­mer mei­nes Man­nes nie et­was fin­de: Dort fehlt die Grund­ord­nung, die so ein ver­lo­re­nes Ob­jekt braucht, wenn es ge­fun­den wer­den will. We­he! Was ich nicht er­tra­ge: Wenn Din­ge ver­lo­ren ge­hen, die ich selbst brau­che. Kreuz­schlitz­schrau­ben­zie­her et­wa, die in un­se­rem Haus­halt gern zum Jon­glie­ren zweck­ent­frem­det wer­den. Ich be­tre­te al­so das Kin­der­zim­mer, er­fah­re, dass dort ga­ran­tiert, al­so echt Ma­ma, kein Werk­zeug her­um­liegt, be­gin­ne mit ei­ner Dro­hung, die da lau­tet: „Aber we­he! Wenn ich den Kreuz­schlitz­schrau­ben­zie­her doch bei euch fin­den soll­te, dann . . .“Und in dem Mo­ment ent­de­cke ich das Teil auf dem Schreib­tisch der Jün­ge­ren. „Du hast noch nicht ge­sagt, was dann ist!“, ruft sie. Und hüpft da­von.

Neu­lich ha­be ich je­den­falls schmerz­lich den Fön ver­misst, die Kin­der wa­ren schon aus dem Haus, dar­um blaff­te ich mei­nen Mann an, der mir su­chen half, eh nur ali­bi­hal­ber, sein dies­be­züg­li­ches Ta­lent ist en­den wol­lend. Je­den­falls hat­te die Gro­ße den Fön ins Hoch­bett ver­schleppt, was mich, nun ja, sehr wü­tend mach­te.

Als sie heim­kam, war je­den­falls ihr Ta­blet ver­schwun­den. „Han­nah“, sag­te mein Mann, der un­se­ren Kin­der nichts übel neh­men kann, je­den­falls nichts, was mit ei­nem Fön zu tun hat: „Ich ver­ra­te dir jetzt et­was. Die Ma­ma hat es ver­steckt.“„So kin­disch ist die Ma­ma nie!!!“

Sieb­zehn Jah­re kennt sie mich jetzt. Tja.

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