In­ter­net als ge­wal­ti­ger Stress­fak­tor

Stress ver­ur­sŻcht zŻhl­rei­che KrŻnk­hei­ten un© To©esf´lle. Er ist ©Żher ©Żs Ge­nerŻlthe­mŻ ãeim ©rit­ten Me©ici­ni­cum Lech. Mit­tel ge­gen Stress sin© un­ter Żn©erem Pe­ter­si­lie, Hop­fen, viel Lieãe in ©er Kin©heit un© Acht­sam­keit.

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON CLAU­DIA RICH­TER

Mit Pe­ter­si­lie den Stress be­kämp­fen? Scheint mög­lich zu sein. „Pe­ter­si­lie ak­ti­viert die Keim­drü­sen und da­mit die Aus­schüt­tung des Se­xu­al­hor­mons Pro­ges­te­ron. Pro­ges­te­ron aber stärkt den Va­gus enorm, al­so je­nen Teil des Ner­ven­sys­tems, der für Be­ru­hi­gung und Re­ge­ne­ra­ti­on zu­stän­dig und in Zei­ten wie die­sen stark ge­schwächt ist“, sagt Mar­kus Met­ka, ei­ner der füh­ren­den Pio­nie­re auf dem Ge­biet der An­ti-Aging-Me­di­zin. Mehr Tipps und Rat­schlä­ge, wie Stress ver­mie­den und re­du­ziert wer­den kann, ver­rät Met­ka dem­nächst beim Me­di­ci­ni­cum Lech, ei­ner Pu­b­lic-He­alth-Ver­an­stal­tung nicht nur für Ärz­te, son­dern vor al­lem in­ter­es­sier­te Lai­en. Das Me­di­ci­ni­cum steht heu­er un­ter dem Mot­to „Stress – Fluch oder Se­gen?“(sie­he Kas­ten rechts un­ten). Auch Me­di­ta­ti­on, Bal­dri­an, Jo­han­nes­kraut, Qu­er­ce­tin (vor al­lem in Zwie­beln vor­han­den), die Pas­si­ons­blu­me und Ro­sen­wurz stär­ken den Va­gus. Hop­fen tut es eben­so. Darf’s al­so auch ein Glas Bier ge­gen Stress sein? Die Fra­ge wird Met­ka in sei­nem Vor­trag „Food for Mind & Mood, Ge­wür­ze und Kräu­ter ge­gen Stress“am 9. Ju­li be­ant­wor­ten. Nur so viel sei da­zu jetzt schon ver­ra­ten: Nüs­se sind ein idea­les Fut­ter für un­ser Ge­hirn. Met­ka: „Nüs­se bril­lie­ren mit wert­vol­len Fet­ten wie Phos­pho­li­pi­den und Le­ci­t­hin und lie­fern zu­dem wich­ti­ge Ami­no­säu­ren.“ Nüs­se ge­gen Stress. Nüs­se sind ob ih­res ho­hen Ge­halts an Ma­g­ne­si­um und B-Vit­ami­nen auch idea­le Ner­ven­nah­rung und kön­nen so ei­nen klei­nen Bei­trag zur Stress­be­kämp­fung leis­ten. „Stress ist heut­zu­ta­ge ei­ne der wich­tigs­ten Krank­heits­ur­sa­chen und der Kil­ler Num­mer eins“, be­tont Met­ka. Nicht nur, aber auch, weil er chro­ni­sche Ent­zün­dun­gen ver­ur­sacht, die in der Me­di­zin si­lent in­flam­ma­ti­on ge­nannt wer­den. Die­se stil­len Ent­zün­dun­gen tun an­fangs nicht weh – wie et­wa ein ent­zün­de­ter Zahn – über die Jah­re aber füh­ren sie zu Herz­in­farkt, Schlag­an­fall, Krebs, Alz­hei­mer und vie­len wei­te­ren Krank­hei­ten. Stress macht zu­dem schlaf­los und de­pres­siv, be­schleu­nigt das Al­tern, kann zu Blut­hoch­druck und Rü­cken­schmer­zen füh­ren, das Im­mun­sys­tem schwä­chen und ei­ne Neu­ro­der­mi­tis aus­lö­sen. Nicht zu­letzt be­ein­träch­tigt ne­ga­ti­ver Stress die mensch­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit. Und au­ßer­dem rau­chen und trin­ken vie­le in Stress­si­tua­tio­nen mehr, als ih­nen gut­tut.

„Wir le­ben in ei­ner ge­stress­ten, er­schöpf­ten Mul­ti-Tas­king-Ge­sell­schaft, die sich in ei­ne im­mer är­ge­re Stress­höl­le ma­nö­vriert“, sind sich Met­ka und vie­le Stress-Ex­per­ten ei­nig. Und das, ob­wohl Ar­beits­zei­ten kür­zer ge­wor­den sind und Com­pu­ter und Co. vie­len das Le­ben er­leich­tern. Letz­te­res stimmt nur be­dingt, denn ge­ra­de das In­ter­net ist ein Stress­fak­tor par ex­cel­lence. „Es birgt ei­ne be­son­de­re Ge­fahr für die Ge­sund­heit. Der Mensch kann nie und nim­mer so vie­le Si­gna­le und In­for­ma­tio­nen ver­ar­bei­ten wie die di­gi­ta­le Welt lie­fert“, weiß Met­ka. Ar­beits­me­di­zi­ner spre­chen gar von ei­ner neu­en Zeit­rech­nung, dem We­bJahr: Wer ein Jahr im In­ter­net-Zeit­al­ter „ver­netzt“ar­bei­tet, zum Bei­spiel täg­lich mit über­füll­ten elek­tro­ni­schen Post­fä­chern kon­fron­tiert ist, setzt sich ei­ner Be­las­tung von drei tra­di­tio­nel­len Ar­beits­jah­ren aus. Doch schon die Ju­gend ist vom In­ter­net-Stress be­trof­fen. Man­fred Spit­zer, be­kann­ter Ge­hirn­for­scher aus Deutsch­land, warnt in sei­nem Buch „Di­gi­ta­le De­menz. Wie wir uns und un­se­re Kin­der um den Ver­stand brin­gen“vor den Ge­fah­ren des di­gi­ta­len Zeit­ver­treibs. Auf­merk­sam­keits­stö­run­gen, Rea­li­täts­ver­lust, De­pres­sio­nen ge­hör­ten zu den Fol­gen, und eben ver­mehr­ter Stress.

Stress ist ja nun per se nicht nur ne­ga­tiv. Ei­ne aku­te Stress­re­ak­ti­on er­mög­licht bei­spiels­wei­se blitz­schnel­les Han­deln in Ge­fah­ren­si­tua­tio­nen. „Das Stress­sys­tem ist ein Alarm­sys­tem un­se­res Kör­pers. Es mo­bi­li­siert und ma­xi­miert in be­son­de­ren Si­tua­tio­nen sehr rasch un­se­re geis­ti­gen und kör­per­li­chen Kräf­te, so­dass wir in der La­ge sind, die Ex­trem­si­tua­ti­on zu meis­tern. Die Steue­rung er­folgt da­bei vor al­lem durch die Stress­hor­mo­ne Cor­ti­sol, Ad­re­na­lin und No­r­ad­re­na­lin“, sagt Al­f­red Wolf. Der Stress-Me­di­zi­ner, En­do­kri­no­lo­ge und Lei­ter des Me­di­zi­ni­schen Zen­trums Ulm wird beim Me­di­ci­ni­cum Lech das The­ma „Was Stress ist und was er mit uns macht – Analyse des Kil­lers Num­mer eins“be­han­deln.

Er macht uns – po­si­tiv ge­se­hen – schnel­ler und stär­ker, für Mo­men­te. Und das ist gut so. Wird dar­aus je­doch Dau­er­stress, macht er uns krank – man­che schwer krank, ei­ni­ge aber blei­ben auch bei Dau­er­be­las­tung cool und ge­sund. Wie das? Zum Teil, so Wolf, lä­ge das in den Ge­nen, zum an­de­ren in der Kind­heit. „Wer in der Kind­heit Bin­dung, Nä­he, Schutz, po­si­ti­ve Zu­wen­dung er­fährt, von den El­tern Wär­me und Herz­lich­keit er­lebt, der hat als Er­wach­se­ner ei­ne bes­se­re Stress­resi­li­enz.“All je­nen, die Stress krank macht, emp­fiehlt Fach­mann Wolf: „Weh­ret den An­fän­gen.“Nicht erst Hil­fe su­chen, wenn be­reits je­der Te­le­fon­an­ruf nervt und je­de Kon- fron­ta­ti­on mit dem Chef das Herz zum Ra­sen bringt. An­fangs kön­ne ein gu­ter Buch­rat­ge­ber hel­fen, Wolf schwärmt von Bü­chern und CDs des Di­plom-Psy­cho­lo­gen Jens Cors­sen. Aber auch Me­di­ta­ti­on, Yo­ga, Neu­ro­feed­back oder pro­gres­si­ve Mus­kel­re­la­xa­ti­on nach Ed­mund Ja­cob­son sind hilf­reich. In Zu­kunft: mehr Acht­sam­keit. „Ei­ner der wich­tigs­ten Be­grif­fe für die nächs­ten 20 Jah­re ist laut Zu­kunfts­for­scher die Acht­sam­keit“, be­tont Met­ka. Acht­sam­keits­re­geln stam­men im Prin­zip aus fern­öst­li­cher Le­bens­ein­stel­lung, die da sagt: Be­ge­he al­le Tä­tig­kei­ten mit gro­ßer In­ten­si­tät, Lie­be und Zu­wen­dung. Wolf: „Das setzt aber vor­aus, dass ich nicht hun­dert Din­ge gleich­zei­tig ma­che. Wenn ich früh­stü­cke, dann früh­stü­cke ich und schaue mir nicht ne­ben­bei das Früh­stücks­fern­se­hen an, und wenn ich jog­ge, dann jog­ge ich und ge­he nicht im Geist die nächs­te Ar­beits­wo­che durch.“Acht­sam­keit schließt Mul­ti-Tas­king aus. Stich­wort Jog­gen: Sport und Be­we­gung sind idea­le Sol­da­ten im Kampf ge­gen den Stress. „Da­für gibt es zahl­rei­che wis­sen­schaft­li­che Be­wei­se“, sagt Met­ka. Wer Stress mit kör­per­li­cher Ak­ti­vi­tät re­du­zie­ren will, soll­te sich al­ler­dings selbst nicht stres­sen und sport­li­che Höchst­leis­tun­gen an­stre­ben. Sonst führt sich die ge­sun­de Be­we­gung schnell ad ab­sur­dum.

Die Mul­ti-TŻs­king-Ge­sell­schŻft mŻnö­vriert sich in ei­ne im­mer ´rge­re Stress­höl­le.

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Stress gilt in me­di­zi­ni­schen Krei­sen in­zwi­schen als Ri­si­ko­fak­tor Num­mer eins. Er macht nicht nur krank, er be­ein­träch­tigt auch die Leis­tungs­fä­hig­keit und be­schleu­nigt das Al­tern. Das In­ter­net ist ein be­son­ders ho­her Stress­fak­tor.

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