Ade­le-Reuni­on nach zehn Jah­ren

To­bi­as Nat­ter ku­ra­tiert in der Neu­en Ga­le­rie New York die Schau „Klimt und die Frau­en des gol­de­nen Wie­ner Zeit­al­ters“. Dürf­te ein Pflicht­ter­min für Klimt-Afi­cio­na­dos wer­den.

Die Presse am Sonntag - - Kultur - VON ALMUTH SPIEG­LER

Je­den Tag hat To­bi­as Nat­ter sie Sei­te an Sei­te ge­se­hen, wäh­rend sei­ner 15 Jah­re als Ku­ra­tor im Bel­ve­de­re: die „Gol­de­ne“und die „Bun­te Ade­le“, Ade­le I und Ade­le II, die na­tür­lich zu­sam­men hin­gen im Obe­ren Bel­ve­de­re. Ade­le Bloch-Bau­er war die ein­zi­ge Frau, die Klimt zwei­mal ganz­fi­gu­rig por­trä­tiert hat­te. 2007 dann die Re­sti­tu­ti­on an die Er­bin Ma­ria Alt­mann, die ver­kauf­te. Seit­her hängt die „Gol­de­ne Ade­le“in Ro­nald Lau­ders Neu­er Ga­le­rie in New York. „Ade­le II“blieb meist im Pri­vat­be­sitz ver­bor­gen, wech­sel­te seit­her auch schon den Be­sit­zer, so Nat­ter.

Für sei­ne im Herbst öff­nen­de Aus­stel­lung „Klimt and the Wo­men of Vi­en­na’s Gol­den Age, 1900–1918“(22. 9.–16. 1. 2017) konn­te er die bei­den Por­träts wie­der ver­ei­nen. Der Ter­min dürf­te ein Pflicht­ter­min für Klim­tA­fi­cio­na­dos wer­den, konn­te doch der ehe­ma­li­ge Leo­pold-Mu­se­um-Di­rek­tor ne­ben die­ser Reuni­on auch Leih­ga­ben be­kom­men, die sonst sel­ten bis nie zu se­hen sind, die man nur von Ab­bil­dun- gen et­wa aus Nat­ters Klimt-Ge­mäl­deKa­ta­log kennt. Zum Bei­spiel das au­ßer­ge­wöhn­li­che Bild­nis der Eli­sa­beth Le­de­rer, der Toch­ter der größ­ten Klim­tSamm­le­rin ever, Se­re­na Le­de­rer. Die Samm­lung wur­de ent­eig­net und ver­schwand, teils bei dem Feu­er­vor­fall auf Schloss Im­men­dorf, teils in an­de­ren Ka­nä­len. 1947, so Nat­ter, tauch­ten die Por­träts von Se­re­na und Le­de­rer je­den­falls im Do­ro­the­um auf, wur­den aus der Auk­ti­on ge­nom­men und an den Er­ben, Erich Le­de­rer, re­sti­tu­iert.

Vor al­lem das Eli­sa­beth-Por­trät (sie­he Ab­bil­dung rechts) war seit­her kaum zu se­hen, auch Nat­ter selbst ha­be es bis zur Vor­be­rei­tung die­ser Aus­stel­lung noch nie im Ori­gi­nal zu se­hen be­kom­men, er­zählt er. Ei­ne wei­te­re sel­te­ne Be­geg­nung ist je­ne mit Klimts „Frau mit schwar­zem Fe­dern­hut“, die stark an Toulouse-Lautrec er­in­nert. Sie wur­de von ei­nem Samm­ler „in jun­gen Jah­ren“be­reits er­wor­ben, wie er selbst im Ka­ta­log be­schreibt – und seit­her konn­te er sie nicht von ihr tren­nen. In- ter­es­sant ist, so Nat­ter, dass heu­te, über 100 Jah­re nach ih­rer Ent­ste­hung, der­art vie­le Haupt­wer­ke Klimts in den USA sind, dass man oh­ne Leih­ga­ben aus Eu­ro­pa (bis auf En­g­land) ei­ne der­art qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Aus­stel­lung ma­chen kann. Ins­ge­samt sind es zwölf Ge­mäl­de, 40 Zeich­nun­gen und 40 Wer­ke an­ge­wand­ter Kunst, Klei­der, Schmuck etc. Ein Haupt­au­gen­merk der Schau liegt auf der Ver­schmel­zung von bil­den­der und an­ge­wand­ter Kunst, von High und Low. Es wird Re­form­klei­der so­wie zeit­ge­nös­si­sche In­ter­pre­ta­ti­on ei­ner Künst­le­rin aus Shang­hai ge­ben.

Was es auch ge­ben wird, sind Vin­ta­ge-Fo­tos mit Klimt als Mo­tiv. Dass Klimt sei­ne Frau­en­por­träts nach vor­her auf­ge­nom­me­nen Fo­to­gra­fi­en ge­malt ha­be, glau­be er nicht, so Nat­ter. Dem wür­den die vie­len, vie­len Vor­zeich­nun­gen wi­der­spre­chen und auch die geo­gra­fi­sche Nä­he zu sei­nen Por­trä­tier­ten, die Klimt not­wen­dig war. Er hat­te vie­le Por­träts ab­ge­lehnt, weil er nicht rei­sen woll­te.

Pri­vat

Klimt-Por­trät von Samm­ler-Toch­ter Eli­sa­beth Le­de­rer, 1914–16.

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