Fo­to­gra­fie?

Die Presse am Sonntag - - Kultur -

Haus zu ver­las­sen. Bei Schind­ler wa­ren es Land­schaft­de­tails, bei Matsch war es sei­ne Fa­mi­lie, sei­ne Frau An­na Kat­tus, Toch­ter des Sekt­fa­bri­kan­ten, und die zwei Kin­der. Sei­nen Sohn et­wa ließ er in stol­zer Hal­tung po­sie­ren und mal­te ihn 1907 dann als „Prinz Ludwig von Un­garn“(sie­he Ab­bil­dun­gen oben). Bis auf den se­ces­sio­nis­tisch-or­na­men­ta­len Hin­ter­grund fast ei­ne Art ab­ma­len. Die Fo­to­gra­fie als Mät­res­se. Es war die Zeit ab 1900, als die Lie­be der Ma­ler zur Fo­to­gra­fie nicht mehr der­art vor­be­halt­los gou­tiert wur­de, er­zählt Fa­ber, nicht ein­mal in Wi­en, wo man von Be­ginn an to­tal auf­ge­schlos­sen war, wo die Ma­ler völ­lig of­fen ih­re Ver­wen­dung von Vor­la­gen the­ma­ti­sier­ten. An­ders als in Frank­reich, wo die Fo­to­gra­fie eher wie ei­ne Mät­res­se be­han­delt wur­de – man liebt sie zwar, aber im Ver­bor­ge­nen.

Jetzt, um 1900 aber, be­gann man so­gar in Wi­en zu mä­keln, so Fa­ber. Die Ge­sich­ter der Por­trä­tier­ten, die auf Fo­tos als Vor­la­ge be­ruh­ten, wirk­ten plötz­lich so „leb­los“etc. Der Grund für die­se neue Skep­sis war, dass die Fo­to­gra­fie plötz­lich tat­säch­lich als Kon­kur­renz für die tra­di­tio­nel­le Kunst ge­se­hen wur­de, sie wur­de et­wa in der Se­ces­si­on gleich­wer­tig zur Ma­le­rei aus­ge­stellt. Bis da­hin galt, so Fa­ber, was ei­ner der Grün­der des Mu­se­ums für an­ge­wand­te Kunst, Ru­dolf von Ei­tel­berg ge­sagt hat­te: „Die Fo­to­gra­fie ist das Bes­te, was der Ma­le­rei hat pas­sie­ren kön­nen. Aber sie kann nie selbst Kunst sein.“Aus heu­ti­ger Sicht muss man sa­gen: Es ist noch Matsch mal­te nach die­sen Fo­to­vor­la­gen dann mit­un­ter recht ge­nau, hier et­wa das „Por­trät vom Sohn des Künst­lers als Prinz Ludwig von Un­garn“, 1907.

In­so­fern lus­tig, weil ge­ra­de Wi­en im 19. Jh. das Zen­trum der Akt­fo­to­gra­fie in ganz Eu­ro­pa war. Ver­kauft wur­den die Bil­der dann in Pa­ris, denn aus­stel­len durf­te man in Wi­en der­ar­ti­ge „Nu­di­tä­ten“so­wie­so nicht. Pro­du­zie­ren aber zu­hauf, die Fo­to­gra­fen Her­mann Heid und Ot­to Schmidt schu­fen ge­mein­sam rund 10.000 Nackt­fo­tos. Per Ka­ta­log konn­ten Künst­ler die­se dann als Vor­la­gen or­dern. Was wohl auch die Aka­de­mie ge­tan hat, der­einst.

Vie­les lernt man hier. Vie­les da­von wird auch nach der Aus­stel­lung blei­ben – es ent­stand ei­ner der schöns­ten Aus­stel­lungs­ka­ta­lo­ge der jüngs­ten Zeit, in Ring­buch­form, an ein Fo­to­al­bum er­in­nernd, mit Kar­ton­ein­le­ge­blät­tern und se­mi­t­rans­pa­ren­ten Ein­la­gen zum Ver­gleich von Fo­to und Ge­mäl­de etc.

Igno­rie­ren konn­ten und woll­ten die Ma­ler die Fo­to­gra­fie da­mals al­le nicht. Ihr Zu­gang war den­noch völ­lig un­ter­schied­lich. Man­che Ge­mäl­de, kann man heu­te fest­stel­len, wa­ren wie Col­la­gen von Fo­to­mo­ti­ven. Man­che Ate­liers wie das von Ma­kart, der, be­vor er Ma­ler wur­de, schon als Fo­to-Re­tou­chie­rer ar­bei­te­te, quol­len über von Fo­to­vor­la­gen. Klimt selbst nutz­te die Fo­to­gra­fie eher zur Selbst­in­sze­nie­rung, er zeich­ne­te wohl ein­fach zu gern. Zu ma­len hat je­den­falls kein Ein­zi­ger auf­ge­hört, wie es 1839, im Jahr der Fo­to­gra­fie-Er­fin­dung die Zeit­schrift „Der Hu­mo­rist“vor­her­sah: „Wer wird künf­tig ma­len, wenn das Da­gu­er­reo­typ al­le Bil­der der Welt heiß­hung­rig ver­schlingt?“

Ab 1900 war es dann plötz­lich nicht mehr so chic, nach Fo­to­vor­la­gen zu ma­len.

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