Sur­fen, um­ge­ben von Häu­sern

Mit der 3 Ci­ty WŻ­ve gibt es erst­mals bis En­de Sep­tem­ber ei­ne künst­li­che Stand­wel­le am Wie­ner Schwar­zen­berg­platz. Das ge­fällt so­wohl An­fän­gern als auch er­fah­re­nen Sur­fern – auch wenn die Nut­zung der An­la­ge ziem­lich teuer ist.

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON EVA WINROITHER

Die jun­ge Frau klam­mert sich et­was ver­krampft am Be­cken­rand fest. Sie hat die Fü­ße be­reits auf dem Bo­ard, das sie wa­cke­lig in der Wel­le ba­lan­ciert. Jetzt muss sie auf­ste­hen. We­ni­ge Me­ter tren­nen sie von der Stan­ge, die quer über dem Be­cken liegt und de­ren Er­rei­chen ein klei­nes Er­folgs­er­leb­nis ist. Wer dort an­kommt, kann von sich be­haup­ten, in Wi­en auf ei­ner Wel­le ge­rit­ten zu sein.

Seit ver­gan­ge­ner Wo­che steht ein in Wer­be­ban­ner und Spon­so­ren­lo­gos ein­ge­wi­ckel­tes Ge­rüs­tun­ge­tüm auf dem Wie­ner Schwar­zen­berg­platz. Am Frei­tag vor ei­ner Wo­che, dem ers­ten Be­trieb­s­tag, stand be­reits um 9.30 Uhr in der Früh ei­ne gut zehn Me­ter lan­ge Schlan­ge vor dem Ein­gang der An­la­ge. Sie al­le woll­ten den Ritt auf der künst­li­chen Wel­le aus­pro­bie­ren, die nun erst- mals bis En­de Sep­tem­ber in Wi­en ste­hen wird – und die so et­was wie Surf­fee­ling in das Land der Ber­ge brin­gen soll. Was gar nicht so schlecht funk­tio­niert.

Wer die cir­ca 20 Schrit­te zur Surf­platt­form hin­auf­steigt (Zu­se­hen ist gra­tis), der fin­det sich mit et­was Fan­ta­sie tat­säch­lich in ei­nem Mi­kro­kos­mos wie­der, der sonst eher an den Ufern der Al­gar­ve, Fu­er­teven­turas oder Ma­rok­kos zu se­hen ist. Ent­spann­te Stran­dPop­mu­sik, mehr als 20 Lie­ge­stüh­le und Ses­sel aus Pa­let­ten, die um das Be­cken ste­hen, da­ne­ben gibt es zwei klei­ne Bars mit Ge­trän­ken und Snacks (Sur­fen macht hung­rig) au­ßer­dem den Bo­ard- und Aus­rüs­tungs­ver­leih, wo sich die an­ge­hen­den Stadt­sur­fer in die haut­engen Wet­suits zwän­gen. Jun­ge Män­ner mit strub­be­li­gen Haa­ren und Son­nen­bril­le klat­schen sich ab und ap­plau­die­ren, wenn (er­fah­re­nen) Sur­fern Tricks ge­lin­gen. Sie sur­fen da­für in ei­nem 7,5 x 17 Me­ter gro­ßen Swim­ming­pool, aus des­sen Vor­der­wand stän­dig Was­ser schießt. Am ers­ten Tag hat sich ei­ne er­heb­li­che An­zahl an Fluss­sur­fern ein­ge­fun­den. Zu ih­nen ge­hört auch Andre­as Hu­e­mer, der die Stand­wel­le zum ers­ten Mal aus­pro­biert: „Die Wel­le ist auf al­le Fäl­le ei­ne gu­te Wel­le. Sie ist auf ho­hem Ni­veau surf­bar“, er­klärt der Mann mit der rand­lo­sen Bril­le und der oran­ge­schwar­zen Ba­de­ho­se.

Drei Ver­ei­ne gibt es mitt­ler­wei­le, die das Fluss­sur­fen, ei­nen Ni­schen­sport in Ös­ter­reich, pro­pa­gie­ren: Ri­ver Sur­fing Salz­burg, Aus­tri­an Ri­ver­sur­fing As­so­cia­ti­on und Ri­ver­ma­tes Surf­club Salz­kam­mer­gut. Wo­bei sich Letz­te­re in Sa­fe­ty Work­shops be­son­ders um das The­ma Si­cher­heit küm­mern. Denn das Rei­ten auf der Fluss­wel­le ist in frei­er Na­tur ge­fähr­lich. „Man hat ja hin­ter sich Stru­del oder Baum­stäm­me im Fluss“, er­klärt ein Surfer. Auch wenn der Fluss ver­hält­nis­mä­ßig ru­hig aus­sieht, ge­be es oft ge­fähr­lich Strö­mun­gen, die ei­nen un­ter Was­ser zie­hen könn­ten. An­fän­gern wird al­so ab­ge­ra­ten, den Sport al­lein zu pro­bie­ren.

Die surf­ba­ren Spots in wil­der Na­tur wer­den ge­heim wei­ter­ge­ge­ben, ein paar sind auf der Web­site von Ri­ver­ma­tes an­ge­ge­ben – an­sons­ten setzt man auf (künst­lich im Fluss ge­schaf­fe­ne) Stand­wel­len. In Salz­burg gibt es den Alm­ka­nal, in Graz kann man in der Mur sur­fen und in Silz in Ti­rol wur­de die bis­her größ­te künst­li­che Wel­le im Inn ge­schaf­fen. Glück­lich sind die Surfer da­mit nicht. „Die ein­zi­ge Wel­le, die funk­tio­niert, ist die Alm in Salz­burg“, sagt Hu­e­mer. Die an­de­ren bei­den sei­en de fac­to nicht surf­bar. Für sie brau­che es näm­lich ei­nen sehr ho­hen Was­ser­stand – den es sel­ten ge­be. WŻrum nicht schon frü­her? In Wi­en wird die kom­plett künst­lich ge­schaf­fe­ne 3 Ci­ty Wa­ve da­her von der Sze­ne freu­dig be­grüßt. Wenn man auch nicht ganz ver­ste­hen kann, war­um es bis heu­te kei­ne Stand­wel­le in Wi­en gibt. Beim mil­lio­nen­schwe­ren Wild­was­ser­ka­nal im 22. Be­zirk wä­re es ein Leich­tes ge­we­sen, noch ei­ne künst­li­che Wel­le oh­ne viel Auf­wand ein­zu­bau­en, ist von Sur­fern vor Ort zu hö­ren – was wie­der­um zu­sätz­li­che Ein­nah­men für die An­la­ge be­deu­tet hät­te. Zur Er­in­ne­rung: Die Ver­bund-Was­sera­re­na, wie das Are- al of­fi­zi­ell heißt, hat statt 2,7 Mil­lio­nen 4,8 Mil­lio­nen Eu­ro ge­kos­tet. So nimmt man mit dem künst­li­chen Pen­dant vor­lieb, des­sen ho­he Strom­kos­ten die Grü­nen im Vor­feld kri­ti­sier­ten.

Frei­lich, das Sur­fen in der Stadt hat auch Charme. „Es ist ge­ni­al, wenn du auf der Wel­le stehst und rund um dich her­um Häu­ser sind“, sagt et­wa Mat­thi­as Gol­ger, der selbst be­geis­ter­ter Surfer ist – al­ler­dings am Meer. „Der Ein­stieg ist to­tal un­ge­wohnt, weil man sich hin­set­zen muss“, sagt er.

Über­haupt muss der Mee­res­sur­fer auf der Fluss­wel­le um­den­ken. „Es ist al­les sei­ten­ver­kehrt. Das Was­ser kommt von vorn und nicht von hin­ten und auch das Bo­ard muss man um­ge­kehrt be­las­ten.“Ein­mal im Mo­nat will der Wie­ner in Zu­kunft auf der Stadt­wel­le rei­ten. „Das Meer kann es frei­lich auf gar kei­nen Fall er­set­zen. Das ist schon Frei­heit“, fügt er hin­zu. 39 Eu­ro für ein pŻŻr Mi­nu­ten. So sieht es auch Hu­e­mer, der al­ler­dings nicht vor­hat, oft wie­der­zu­kom­men. Was am Preis liegt. 39 Eu­ro kos­tet der Ritt für 50 Mi­nu­ten, den man sich mit ma­xi­mal 12 an­de­ren Per­so­nen teilt. Macht im Schnitt gera­de ein­mal vier Mi­nu­ten pro Per­son, wo­bei meh­re­re An­fän­ger auch ne­ben­ein­an­der sur­fen kön­nen. „Mir ist es das nicht wert. Für je­den, der es aus­pro­bie­ren will, ist es su­per. Aber für je­man­den, der dort Fort­schrit­te ma­chen will, ist es un­leist­bar“, sagt Hu­e­mer.

Bei den Ver­an­stal­tern ist man oh­ne­hin be­müht, An­fän­ger zu lu­krie­ren. Es gibt Kin­der­camps im Som­mer und Ein­füh­rungs­kur­se, bei de­nen eben auch ei­ne Stan­ge übers Be­cken ge­legt wird, da­mit sich die An­fän­ger fest­hal­ten kön­nen. Das jun­ge Mäd­chen, das sich an­fangs an den Be­cken­rand ge­klam­mert hat, schafft es so in­ner­halb kur­zer Zeit, auf­zu­ste­hen und in die Mit­te der Wel­le zu sur­fen.

Cle­mens Fa­b­ry

Mat­thi­as Gol­ger (l.) und Andre­as Hu­e­mer vor der 3 Ci­ty Wa­ve auf dem Schwar­zen­berg­platz.

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