IN KÜR­ZE

Die Presse am Sonntag - - Leben -

Für Auf­re­gung

sorgt ei­ne Me­ta-Ana­ly­se der Uni­ver­si­tät Ox­ford: Die al­ler­meis­ten gän­gi­gen An­ti­de­pres­si­va sind bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen un­wirk­sam.

In Ös­ter­reich

ist ein ein­zi­ges An­ti­de­pres­si­vum für Kin­der ab acht Jah­ren zur Be­hand­lung von De­pres­sio­nen zu­ge­las­sen. Die Da­ten­la­ge über die tat­säch­li­che Ver­ab­rei­chung von An­ti­de­pres­si­va an Kin­der und Ju­gend­li­che ist hier­zu­lan­de dünn.

Kin­der- und Ju­gend­psych­ia­ter

se­hen das Pro­blem an­ders­wo: Nicht er­kann­te oder falsch be­han­del­te De­pres­sio­nen bei Min­der­jäh­ri­gen brin­gen enor­mes psy­chi­sches Leid. zeigt: In den USA et­wa stieg der An­teil der Min­der­jäh­ri­gen, die An­ti­de­pres­si­va be­kom­men, zwi­schen 2005 und 2012 von 1,3 auf 1,6 Pro­zent, in Groß­bri­tan­ni­en von 0,7 auf 1,1 Pro­zent.

Ei­ni­ge Zah­len gibt es auch für Ös­ter­reich, sie sind laut Kin­der- und Ju­gend­psych­ia­ter Ki­en­ba­cher merk­wür­dig. Laut Haupt­ver­band gab es im Jahr 2011 ins­ge­samt 2303 Ver­schrei­bun­gen von An­ti­de­pres­si­va für Kin­der von null bis vier Jah­ren, aber nur 674 Ver­schrei­bun­gen für Fünf- bis Neun­jäh­ri­ge. „Es ist nicht nach­voll­zieh­bar, war­um Klein­kin­der mehr An­ti­de­pres­si­va brau­chen als Volks­schü­ler.“ Bu­chungs­feh­ler. Mög­li­cher­wei­se hand­le es sich um Bu­chungs­feh­ler bei der Da­ten­ver­ar­bei­tung. „Aber es ist auch vor­stell­bar, dass bei über vier Mil­lio­nen An­ti­de­pres­si­va-Ver­schrei­bun­gen auch wel­che da­bei sind, bei de­nen mög­li­cher­wei­se Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen er­schli­chen wur­den und gar nicht Kin­der, son­dern nicht ver­si­cher­te Er­wach­se­ne die­se Me­di­ka­men­te ein­nah­men.“

Ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit sei, dass die An­ti­de­pres­si­va ge­gen nächt­li­ches Ein­näs­sen des Kin­des ver­schrie­ben wur­den. „Aber wer hat das Me­di­ka- ment bei wel­cher Dia­gno­se ver­ord­net? Der Kin­der­arzt, der Haus­arzt, der Psych­ia­ter?“, fragt Ki­en­ba­cher und ver­weist auf ei­ne Un­ter­su­chung in Deutsch­land: Hier wer­den 25 Pro­zent der Psy­cho­phar­ma­ka von Kin­der­ärz­ten, 15,2 Pro­zent von Haus­ärz­ten und 27,9 Pro­zent von Kin­der- und Ju­gend­psych­ia­tern und Psych­ia­tern ver­schrie­ben. Ki­en­ba­cher: „In Ös­ter­reich gibt es nur sehr we­ni­ge Kin­der- und Ju­gend­psych­ia­ter.“Es sei da­her an­zu­neh­men, dass in Ös­ter­reich noch mehr Psy­cho­phar­ma­ka von Ärz­ten an­de­rer Fach­rich­tun­gen ver­ord­net wer­den. „Die Psy­cho­phar­ma­ka­the­ra­pie von Min­der­jäh­ri­gen ge­hört aber un­be­dingt in die Hän­de von Kin­der- und Ju­gend­psych­ia­tern“, sagt Kar­wautz.

Un­be­frie­di­gend ist auch die Nut­zung des the­ra­peu­ti­schen Drug-Mo­ni­to­rings. Es sieht vor, dass Kin­der Psy­cho­phar­ma­ka nur un­ter kon­trol­lier­ten Be­din­gun­gen er­hal­ten: Der Blut­spie­gel wird ge­mes­sen und al­le Wir­kun­gen und Ne­ben­wir­kun­gen über ein com­pu­te­ri­sier­tes Sys­tem ge­nau­es­tens pro­to­kol­liert. Die­ses Mo­ni­to­ring ist für den ge­sam­ten deut­schen Sprach­raum ver­füg­bar. Im Prin­zip. Doch in der Rea­li­tät ist es viel zu sel­ten eta­bliert. Kar­wautz, trei­ben­de Kraft für das Mo­ni­to­ring: „Ich fürch­te, dass ich ei­ner der ganz we­ni­gen in Ös­ter­reich bin, der es nützt.“

So bleibt hin­sicht­lich der Ver­ord­nung von An­ti­de­pres­si­va für jüngs­te und jun­ge Er­den­bür­ger vie­les im Dun­keln. Auch Kin­der- und Haus­ärz­te wol­len oder kön­nen dar­auf kei­ne Ant­wort ge­ben. Gleich sie­ben von der „Pres­se am Sonn­tag“zu die­sem The­ma be­frag­te Me­di­zi­ner wink­ten ab, wa­ren nicht zu ei­nem In­ter­view be­reit.

An­ders Sa­bi­ne Völkl-Kern­stock, kli­ni­sche Psy­cho­lo­gin mit Schwer­punkt Fa­mi­li­en,- Kin­der- und Ju­gend­psy­cho­lo­gie: „Man soll­te in der The­ra­pie nicht mit Ka­no­nen auf Spat­zen schie­ßen“, meint sie. Si­cher sei, dass De­pres­sio­nen bei Kin­dern leicht über­se­hen wer­den, und je län­ger ei­ne De­pres­si­on daue­re, des­to grö­ßer sei die Ge­fahr der Chro­ni­fi­zie­rung. „Ei­ne aus­führ­li­che Dia­gno­se durch Fach­leu­te ist da un­um­gäng­lich und enorm wich­tig“, sagt sie.

Wer hŻt ©Żs Me©ikŻ­ment ver­schrieãen? Der Kin©erŻrzt? Der HŻusŻrzt? Der PsychiŻ­ter?

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.