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Die Presse am Sonntag - - Kultur -

„Zum Zeit­punkt des To­des ist der Schmerz vor­bei“, kom­men­tier­te Jim Mor­ri­son. „Le­ben schmerzt mehr als der Tod. Ja, ich glau­be, die­ser ist ein Freund.“In die­ser Ra­di­ka­li­tät nahm der Doors-Sän­ger den gro­ßen Tra­gi­ker des Post-Punk vor­weg: den 1980 mit 23 Jah­ren frei­wil­lig aus dem Le­ben ge­schie­de­nen Ian Cur­tis, Sän­ger von Joy Di­vi­si­on. Er sang in „A Me­ans to an End“die Zei­le „I put my trust in you“der­art, dass völ­lig klar war, dass das Verb im Im­per­fekt war. Und in „Day of the Lords“ließ er die gel­len­de Fra­ge „Whe­re will it end?“oh­ne Ant­wort ste­hen.

Zur sel­ben Zeit, 1979, ver­wen­de­te Fran­cis Ford Cop­po­la das Stück Mor­ri- sons für sei­nen Viet­nam-Kriegs­film „Apo­ca­lyp­se Now“: ei­ne dis­ku­ta­ble An­eig­nung. In­dis­ku­ta­bel ist, wenn auf ei­ner Grea­test-Hits-Samm­lung der Doors „The End“in der be­schnit­te­nen Ver­si­on des Film-Sound­tracks ent­hal­ten ist, mit ei­nem Hub­schrau­ber­an­griff statt der letz­ten Stro­phe.

Auf­fäl­lig, dass im Pop kaum je Vi­sio­nen vom per­sön­li­chen En­de mit Welt­un­ter­gangs­sze­na­ri­en ver­bun­den wur­den, auch nicht in den Acht­zi­ger­jah­ren, als die Angst vor dem fi­na­len Atom­krieg gras­sier­te. So ist „The End of the World as We Know It (and I Feel Fi­ne)“aus dem Jahr 1987 ei­ner der hei­ters­ten Songs von R.E.M.

Nicht wirk­lich hei­ter ist „The End“von den Beat­les, der letz­te Song, den die vier ge­mein­sam auf­nah­men. Dass er das wer­den soll­te, wuss­ten sie da­mals, im Hoch­som­mer 1969, noch nicht. Dass sie es ahn­ten, meint man zu hö­ren. Das knap­pe Stück, das als ein­zi­ge Beat­les-Auf­nah­me ei­ne Art Schlag­zeug­so­lo ent­hält, steht am Schluss der Sui­te, die den größ­ten Teil der zwei­ten Sei­te von „Ab­bey Road“füllt, die­sem tra­gi­ko­mi­schen Stück­werk aus Li­ver­poo­ler Schwän­ken („Po­ly­the­ne Pam“) und gra­vi­tä­ti­schen Auf­ru­fen („Car­ry That Weight“). Mit Ruf­zei­chen („Oh yeah, all right!“) be­ginnt auch „The End“, es mün­det in ei­ne stamm­buchtaug­li­che Weis­heit, wie sie Paul McCart­ney so liebt: „And in the end the lo­ve you ta­ke is equal to the lo­ve you gi­ve.“

Auch Paul McCart­ney, 74, ist un­ab­läs­sig auf Tour, zu­letzt hat er am 16. Ju­ni in Prag ge­spielt. Nach vie­len Zu­ga­ben ist „The End“stets das al­ler­letz­te Stück: hart­her­zig, wer da­bei nicht die Au­gen feucht wer­den spürt.

Auf „Ab­bey Road“kommt nach „The End“üb­ri­gens noch ei­ne ganz klei­ne Zu­ga­be: ein ke­cker Reim na­mens „Her Ma­jes­ty“, den man viel­leicht auch in Zei­ten des Br­ex­it mit Schmun­zeln hö­ren kann. Er be­ginnt so: „Her ma­jes­ty’s a pret­ty nice girl, but she doe­sn’t ha­ve a lot to say.“Eli­sa­beth II. ist seit­her um 47 Jah­re ge­al­tert . . .

„Black Sab­bath“:

der Song, aus dem die Schlag­zei­le „Is it the end, my fri­end?“stammt, auf dem gleich­na­mi­gen Al­bum der gleich­na­mi­gen – nie wirk­lich sa­ta­nis­ti­schen – Band, 1970.

„The End“:

auf dem ers­ten Al­bum von The Doors, 1967. Be­rü­ckend sind auch die Co­ver­ver­sio­nen von Ni­co, et­wa auf „The End . . .“(1974) und, be­son­ders mo­no­ton, auf dem Li­veal­bum „Ju­ne 1, 1974“.

McCart­ney-Sprüch­lein: »And in the end the lo­ve you ta­ke is equal to the lo­ve you gi­ve.«

„The End“:

auf „Ab­bey Road“(1969), dem ei­gent­lich letz­ten Al­bum der Beat­les, nach dem aber noch das – groß­teils da­vor auf­ge­nom­me­ne – Al­bum „Let It Be“(1970) er­schie­nen ist.

„A Me­ans to an End“:

auf „Clo­ser“, dem zwei­ten und letz­ten Stu­dio­al­bum von Joy Di­vi­si­on, er­schie­nen 1980, zwei Mo­na­te nach dem Tod von Sän­ger Ian Cur­tis. „Day of the Lords“fin­det sich auf dem ers­ten Al­bum „Un­k­nown Plea­su­res“(1979).

„The End of the World As We Know It (But I Feel Fi­ne)“:

auf „Do­cu­ment“(1987), dem sechs­ten Al­bum von R.E.M.

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