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Die Presse am Sonntag - - Menschen - SIE­HE

je­man­dem et­was zu­lei­de tun, könn­te nie je­man­dem ins Ge­sicht schla­gen. In der Re­gel wer­de ich auch nie laut. Für mich sind die gan­zen Zer­stö­rungs­sze­na­ri­en nur Mit­tel zum Zweck, um ei­ne Ge­schich­te zu trans­por­tie­ren, und zwar so, wie ich sie er­zäh­len möch­te. Ich hof­fe auf je­den Fall, dass auf mei­nem Gr­ab­stein nicht „Mas­ter of De­sas­ter“ste­hen wird. Vor wel­cher rea­len Ka­ta­stro­phe wür­den Sie sich fürch­ten? Dass Do­nald Trump der nächs­ter Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten wird. Aber das ma­le ich mir lie­ber gar nicht erst aus. Neh­men wir an, Sie wür­den selbst al­les ver­lie­ren. Wie wür­den Sie da­mit um­ge­hen? Die­se Vor­stel­lung macht mir über­haupt kei­ne Angst. Ich kann ja schließ­lich wei­ter­hin ar­bei­ten. Und was auch im­mer pas­siert, das pas­siert. Das ist Schick­sal. Gab es je den Punkt, an dem Ih­re ma­te­ri­el­le Exis­tenz ge­fähr­det war? Nein, da ha­be ich ab­so­lut Glück ge­habt. Aber es gab ein paar Mo­men­te, in de­nen ich ge­dacht ha­be: „Wenn das schief­läuft, dann kannst du mit dei­ner Kar­rie­re ein­pa­cken.“Das war zum Bei­spiel im Herbst 1994, als mein Film „Star­ga­te“in den USA star­te­te. Kein Mensch glaub­te an den Er­folg, au­ßer mir und mei­nem Ko­au­tor De­an Dev­lin. Aber wir ha­ben uns schließ­lich von dem Pes­si­mis­mus der an­de­ren an­ste­cken las­sen. Ich saß da­mals in ei­nem Haus in Me­xi­ko und ließ mich so lang­sam zu­lau­fen. Aber dann stell­te der Film an den Ki­no­kas­sen ei­nen Re­kord für das bes­te Start­wo­chen­en­de im Ok­to­ber auf. Wie wich­tig ist Ih­nen der kom­mer­zi­el­le Er­folg im Ver­gleich zum künst­le­ri­schen? Mir ist es – wie wahr­schein­lich je­dem Re­gis­seur – wich­tig, dass ich Fil­me hin­ter­las­se, die mög­lichst lang Be­stand ha­ben. Des­halb ver­su­che ich im­mer, mich zu ver­bes­sern. Und da­bei ha­be ich sehr vie­le Frei­hei­ten – ge­ra­de, weil ich mit mei­nen Fil­men enor­men kom­mer­zi­el­len Er­folg hat­te. Ich bin ei­ner der un­ab­hän­gigs­ten Re­gis­seu­re in Hol­ly­wood. Das sagt mir im Üb­ri­gen je­der. Wenn ich mit Kol­le­gen re­de, mei­nen sie im­mer: „Ach Roland, du hast es ja so leicht.“ Was heißt „Sie ha­ben es leicht“? Ich muss mich nicht mit so vie­len Bull­s­hit-Sa­chen her­um­schla­gen wie die an­de­ren Re­gis­seu­re, son­dern kann mich auf das kon­zen­trie­ren, was wich­tig ist – näm­lich das Fil­me­ma­chen. Ich kann na­tür­lich auch an­ders mit den Stu­dio­bos­sen um­ge­hen. Wenn ich zu ei­nem ins Bü­ro kom­me, sa­ge ich: „Ich ha­be das Ge­fühl, ich bin zum Schul­di­rek­tor zi­tiert wor­den.“Er ver­steht dann so­fort, dass ich das Gan­ze nicht so ernst neh­me. Sind Sie frü­her häu­fig zum Schul­di­rek­tor zi­tiert wor­den? Ja, weil ich mit al­len mög­li­chen Tricks den Un­ter­richt schwänz­te. Sport und Re­li­gi­on ha­be ich grund­sätz­lich nicht be­sucht. Ich ha­be ein­fach nicht ein­ge­se­hen, war­um ich in den Un­ter­richt soll­te, und ha­be ver­sucht, mich vor al­lem zu drü­cken. In der Grund­schu­le bin ich ein­mal so­gar weg­ge­lau­fen. Aber Sie ha­ben ei­nen Ab­schluss ge­schafft? Ja, aber ich hal­te es noch heu­te für ein gro­ßes Wun­der, dass ich das Abitur be­stan­den ha­be. Mein No­ten­durch­schnitt war 3,6 oder so. In zwei Fä­chern war ich wirk­lich gut, in Deutsch und in Kunst. Ich bin fast we­gen Fran­zö­sisch durch­ge­fal­len. Mei­ne El­tern ha­ben mich treu fünf Jah­re lang in ei­ne Sprach­schu­le in Can­nes ge­schickt. Je­den Som­mer für sechs Wo­chen. Hat aber al­les nichts ge­nützt. Mei­ne Leh­rer dach­ten, der hat ei­nen rei­chen Va­ter, der muss eh nicht ar­bei­ten. Des­halb ha­ben sie auch auf­ge­ge­ben. Dass ich dann bei der Re­gie ge­lan­det bin, ist das Re­sul­tat vie­ler Zu­fäl­le. Was sag­te Ihr Va­ter sei­ner­zeit da­zu, als Sie den gro­ßen Durch­bruch schaff­ten? Frü­her hat er sich im­mer Sor­gen ge­macht, was aus mir wird. Als ich dann mit „In­de­pen­dence Day“rich­tig viel Geld ver­dient ha­be, ha­be ich ihn an­ge­ru­fen und ge­fragt, was ich da­mit ma­chen soll. Er frag­te mich: „Wie viel ge­nau hast du ei­gent­lich ver­dient?“– Ich ant­wor­te­te: „Ich muss dich spä­ter noch ein­mal zu­rück­ru­fen.“Al­so ha­be ich mei­nen Bu­si­ness Ma­na­ger an­ge­ru­fen, mir die ex­ak­te Zahl sa­gen las­sen und sie mei­nem Va­ter durch­ge­ge­ben. Er mein­te das: „Wirk­lich so viel?“Ich ant­wor­te­te: „Ja, ja, so viel.“Dar­auf­hin ha­be ich von ihm das längs­te Schwei­gen al­ler Zei­ten ge­hört.

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