Face­book, Freund und Feind

Die Presse am Sonntag - - Die Seite Zwei - ATH

Dass die Be­schleu­ni­gung un­se­rer Zeit Fluch und Se­gen zugleich ist, hat nicht zu­letzt ge­zeigt, wie sich In­for­ma­tio­nen via So­ci­al Me­dia zum Münch­ner Amok­lauf ver­brei­tet ha­ben.

Ei­ner­seits nutz­te die Po­li­zei Ka­nä­le wie Face­book und Twit­ter, um den Ein­satz zu ko­or­di­nie­ren. So wur­de et­wa die Be­völ­ke­rung in meh­re­ren Spra­chen ge­be­ten, zu Hau­se zu blei­ben, Ru­he zu be­wah­ren. An­de­rer­seits be­ka­men die Ein­satz­kräf­te über die­se Ka­nä­le eben­falls vie­le Hin­wei­se – auch fal­sche. So kur­sier­te et­wa die In­for­ma­ti­on, dass es meh­re­re Tä­ter und Schüs­se an un­ter­schied­li­chen Or­ten ge­ge­ben ha­ben soll. Nach Über­prü­fung stell­ten sich vie­le die­ser Mel­dun­gen und Bil­der als falsch, so­gar als Fäl­schung her­aus, die zum Teil durch Spe­ku­la­ti­on und Hass ge­nährt wur­den. Dass Po­li­zei­ein­sät­ze in Echt­zeit für je­den ver­folg­bar sind, hat noch ei­nen Nach­teil: Es ver­rät dem Tä­ter viel über die Stra­te­gie der Po­li­zei, der sei­ne dann dar­an an­pas­sen kann.

Schnel­le In­for­ma­ti­on ist in man­chen Fäl­len wich­tig, aber eben nicht im­mer rich­tig. Um aus die­ser Fül­le ei­ne ge­si­cher­te, qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge und ver­ant­wor­tungs­vol­le Be­richt­er­stat­tung de­stil­lie­ren zu kön­nen, braucht es ei­nes: Zeit.

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