Am hei­li­gen Ur­sprung der Welt

Die Presse am Sonntag - - Lesenhören - THO­MAS KRAMAR

Jen­ny Hval: »Con­cep­tu­al Ro­mance«. „Komm mit mir, ich will dir et­was zei­gen: den ori­gi­na­len hei­li­gen Ur­sprung der Welt.“Bei der In­tel­lek­tu­el­len Jen­ny Hval kann man si­cher sein, dass sie be­wusst auf Gus­ta­ve Cour­bets Ge­mäl­de „L’Ori­gi­ne du mon­de“(das ei­ne Vul­va zeigt) an­spielt, so­mit en­det die­se kon­zep­tu­el­le Roman­ze in kaum ver­blüm­tem weib­li­chen Ex­hi­bi­tio­nis­mus. Ein star­kes En­de ei­nes kom­pli­zier­ten Stücks vol­ler Selbst­zwei­fel, das aber auch kräf­tig be­ginnt: mit dem Rhyth­mus ei­nes Herz­schlags und der Vi­si­on ei­nes Auf­wa­chens in ei­ne „ero­tic self-oscil­la­ti­on“, die in Selbst­fin­dung mün­det: „This land­mi­ne of a heart. The on­ly one. I am a heart.“Das Herz, das das Blut der „blood bitch’s ta­le“pumpt, über die Hval da­nach singt? Wäh­rend es wei­ter schlägt, be­set­zen glei­ßen­de Syn­the­si­zer die Sze­ne, und Hval singt mit und ge­gen sich selbst, sanf­ter, lieb­li­cher, als der Text na­he­legt. Schrof­fe Ge­räu­sche kom­men erst ganz am Schluss.

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