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Die Presse am Sonntag - - Globus -

Bis zum heu­ti­gen Sonn­tag

dau­ert der Welt­ju­gend­tag in Kra­kau. Die Ver­an­stal­tung zog sich über sechs Ta­ge. Seit Mitt­woch weil­te Papst Fran­zis­kus in Po­len. Er be­such­te un­ter an­de­rem das frü­he­re deut­sche Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Au­schwitz und den Wall­fahrts­ort Cz˛es­to­chowa.

Mit 1,5 Mil­lio­nen Gläu­bi­gen

rech­ne­ten die Ver­an­stal­ter. 39.000 zu­sätz­li­che Po­li­zis­ten be­wach­ten das in­ter­na­tio­na­le Pil­ger­tref­fen. Aus Ös­ter­reich wa­ren 3000 Ju­gend­li­che an­ge­reist. am Sonn­tag nach den Mes­sen ver­kauf­ten ka­tho­li­schen Wo­chen­ma­ga­zi­ne. „Sie tan­zen, sin­gen und be­ten – wer­den sie da­durch zu gläu­bi­gen Chris­ten?“, fragt auf ih­rer Front­sei­te bang die Wo­chen­zei­tig „Gos´c´ Nied­ziel­ny“(„Sonn­tags­gast“). Laut Pa­ter Adam Bo­niecki, dem vom Epis­ko­pat lan­ge mit ei­nem Re­de­ver­bot mit der Pres­se be­leg­ten eins­ti­gen Chef­re­dak­tor der ka­tho­lisch-li­be­ra­len Wo­chen­zei­tung „Ty­god­nik Pows­zech­ny“liegt das Pro­blem nicht bei den Ju­gend­li­chen, son­dern der ver­knö­cher­ten Glau­bens­auf­fas­sung gro­ßer Tei­le des Epis­ko­pats.

Zum Welt­ju­gend­tag hin ver­öf­fent­lich­te der „Ty­god­nik Pows­zech­ny“ei­ne Glau­bens­stu­die un­ter 18- bis 24-jäh­ri­gen Po­len, die zeigt, dass sich die Zahl der At­he­is­ten seit dem Tod Jo­han­nes Paul II. ver­dop­pelt hat, gleich­zei­tig aber jun­ge Po­len die ka­tho­li­schen Glau­bens­in­hal­te – ab­ge­se­hen von der Se­xu­al­ethik, die ei­ne gro­ße Mehr­heit, wie in We­st­eu­ro­pa, in­zwi­schen ab­lehnt – erns­ter neh­men als die äl­te­ren Er­wach­se­nen. Papst Fran­zis­kus ist dem­nach für 78 Pro­zent der jun­gen Po­len die größ­te mo­ra­li­sche Au­to­ri­tät in ih­ren Le­ben. Pa­trio­ti­sche Bot­schaft für Papst. „Tod den Fein­den des Va­ter­lan­des!“, heißt es den­noch auf ei­nem T-Shirt ei­nes jun­gen Po­len, der am Abend vor dem so­ge­nann­ten Papst­fens­ter, der Un­ter­kunft des Paps­tes im Bi­schofs­pa­last an der Fran­zis­ka­ner­stra­ße, seit St­un­den ge­dul­dig aus das Er­schei­nen Fran­zis­kus’ war­tet. Der pa­trio­ti­sche Slo­gan passt bes­tens in die Stim­mung, die von der Kac­zyn´ski-Re­gie­rung täg­lich an­ge­heizt wird, im fröh­li­chen Tru­bel des Welt­ju­gend­ta­ges wirkt er je­doch wie ein Fremd­kör­per. „Es gibt eben auch Ras­sis­ten un­ter uns, die kei­ne Flücht­lin­ge hier wol­len“, sagt ein jun­ger Po­le und ringt nach Er­klä­run­gen. Vie­le hät­ten eben Angst vor dem Frem­den, sagt er. Da­bei sei doch Mul­ti­kul­ti et­was Schö­nes, so wie eben jetzt gera­de am Welt­ju­gend­tag.

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