»Es ist bes­ser als nichts«

Der ira­ni­sche Flücht­ling sucht vor al­lem ei­nes: Be­schäf­ti­gung.

Die Presse am Sonntag - - Inland - J.N.

Ali Mo­ham­med Beik­tork kennt ein Le­ben in Wohl­stand. Das hat er als Ar­chi­tekt in sei­ner Hei­mat, dem Iran, ge­führt. Beik­tork kennt aber auch ein Le­ben auf der Stra­ße. Das hat er als po­li­ti­scher Flücht­ling in Grie­chen­land er­fah­ren. Mitt­ler­wei­le lebt er als an­er­kann­ter Flücht­ling in Ös­ter­reich und be­zieht mo­nat­lich 837,76 Eu­ro Min­dest­si­che­rung. „Es ist we­nig Geld, aber de­fi­ni­tiv bes­ser als nichts“, sagt Beik­tork.

Als Op­po­si­ti­ons­po­li­ti­ker wur­de es in sei­ner Hei­mat für ihn zu ge­fähr­lich. Im Ju­li 2014 kam er nach Ös­ter­reich. Mitt­ler­wei­le spricht er gut Deutsch und ist im­mer noch po­li­tisch in­ter­es­siert – auch an ös­ter­rei­chi­scher In­nen­po­li­tik. Die De­bat­te über die Min­dest­si­che­rung hat er ver­folgt. Von der dis­ku­tier­ten und in Ober­ös­ter­reich be­reits um­ge­setz­ten Kür­zung der Min­dest­si­che­rung für Asyl­be­rech­tig­te hält er gar nichts. Es sei schwer ge­nug, mit 800 Eu­ro durch­zu­kom­men. 450 Eu­ro zahlt er an Mie­te. Auch Strom, Gas, Mo­bil­te­le­fon und Öf­fi­ti­ckets kos­ten. „Pro Tag blei­ben dann drei bis fünf Eu­ro für Es­sen.“

Nicht nur des­halb möch­te er ar­bei­ten. „Es geht gar nicht so sehr um Geld, son­dern um Be­schäf­ti­gung. Ich möch­te je­den Tag ei­nen Plan ha­ben.“Mehr als 80 Be­wer­bun­gen für Ar­chi­tek­ten­stel­len hat Beik­tork ver­schickt. Meist gab es Ab­sa­gen. Für ein Pro­jekt wur­de er en­ga­giert. Aber wie so oft in der Bran­che wur­de nicht ver­län­gert. Mitt­ler­wei­le hat er den Plan, als Ar­chi­tekt zu ar­bei­ten, ver­wor­fen. Der­zeit macht er ein frei­wil­li­ges In­te­gra­ti­ons­jahr bei In­to, ei­ner In­te­gra­ti­ons­ein­rich­tung in Wien.

Die Bü­ro­kra­tie im ös­ter­rei­chi­schen Min­dest­si­che­rungs­sys­tem ma­che ei­nen Wech­sel in be­zahl­te Ar­beit oft schwer, kri­ti­siert Beik­tork. Denn hat man plötz­lich ein ei­ge­nes Ein­kom­men und wei­ter An­spruch auf Min­dest­si­che­rung, brau­che die Neu­be­rech­nung der Min­dest­si­che­rung oft ein bis drei Mo­na­te. In die­ser Zeit wer­de das Geld nicht aus­be­zahlt. „Wie soll ich ei­nen 500-Eu­ro-Job an­neh­men, wenn ich 450 Eu­ro Mie­te zah­len muss?“Da hel­fe auch die spä­te­re Nach­zah­lung nur we­nig.

Dass es sich Asyl­be­rech­tig­te rei­hen­wei­se im Min­dest­si­che­rungs­sys­tem ge­müt­lich ma­chen, glaubt Beik­tork nicht. „Glau­ben Sie mir, nur we­ni­ge sind mit 800 Eu­ro zu­frie­den.“

Roß­both

Ali M. Beik­tork war im Iran Ar­chi­tekt.

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