Olym­pia in Rio de Janei­ro

Nicht je­der Bra­si­lia­ner will sich mit iden­ti­fi­zie­ren, ge­schwei­ge denn dar­über freu­en. 10,7 Mil­li­ar­den Eu­ro wur­den in­ves­tiert, aber die tat­säch­li­chen Pro­ble­me der Ge­sell­schaft eis­kalt ne­giert.

Die Presse am Sonntag - - Olympia - VON MARK­KU DAT­LER

bei Olym­pia üb­li­che flä­chen­de­cken­de Eu­pho­rie. Die Er­öff­nung war pom­pös, das Feu­er­werk im­po­sant – und die Pfif­fe ge­gen In­te­rims­prä­si­dent Mi­chel Te­mer nicht zu über­hö­ren. Das Land wird von ei­ner Kri­se ge­plagt, es lechzt nach Er­folg, Auf­schwung – nach der Be­frei­ung, so­zia­lem Wohl. Und dann kommt nach dem Flop bei der Fuß­ball-WM das sünd­haft teu­re Olym­pia (Etat: 10,7 Mil­li­ar­den Eu­ro) da­her. Das passt ir­gend­wie nicht zu­sam­men.

Zei­tun­gen wie „O Glo­bo“be­rich­ten von Un­ru­he­stif­tern, die das Olym­pi­sche Feu­er lö­schen woll­ten, An­grif­fe auf Fa­ckel­trä­ger or­ga­ni­siert hat­ten. Wer die Fa­ckel ei­nes Sport­er­eig­nis­ses mit Trä­nen­gas ver­tei­di­gen muss, hat un­be­strit­ten ein Pro­blem.

Rio ist nicht nur ei­ne schö­ne Stadt, son­dern auch in vie­len Be­zir­ken ein ge­fähr­li­ches Pflas­ter. Ja­pa­ni­sche Jour­na­lis­ten trau­ten Au­gen und Oh­ren nicht, als ihr Bus auf der Fahrt vom Flug­ha­fen in die Stadt, mit­ten auf der Au­to­bahn, un­ter Be­schuss ge­nom­men wur­de, als er an ei­ner Fa­ve­la vor­bei­fuhr. Im Ös­ter­reich-Haus zu Bo­ta­fo­go konn­te ein Fo­to­graf gar nicht schnell ge­nug schau­en, schon war sein Equip­ment, al­lem vor­an ein Ob­jek­tiv im Wert von 20.000 Eu­ro, ver­schwun­den. Ei­nem an­de­ren fehl­te der Lap­top, aber nicht nur Ös­ter­reich war be­trof­fen, auch an­de­re Na­tio­nen be­rich­te­ten Ähn­li­ches. Dass den TV-Sen­dern ARD und ZDF gleich zwei Tech­nik­con­tai­ner im Wert von 400.000 Eu­ro ab­han­den­ka­men, zeigt, dass sich auch Ri­os Ver- bre­cher auf die­se Spie­le vor­be­rei­tet ha­ben. Man muss eben zur rich­ti­gen Zeit in Höchst­form sein – wie ein ech­ter Olym­pio­ni­ke.

Es ist nicht zu über­se­hen, dass sich Rio her­aus­ge­putzt hat, das In­vest­ment floss aber nur in die In­fra­struk­tur. Kein Cent wur­de da­für auf­ge­wen­det, in Fa­ve­las auf­zu­räu­men, ge­schwei­ge denn ei­ne or­dent­li­che Ka­na­li­sa­ti­on zu in­stal­lie­ren, um die Ab­was­ser­pro­ble­ma­tik in den Griff zu be­kom­men. Man be­teu­ert zwar von of­fi­zi­el­ler Sei­te im­mer wie­der die nö­ti­ge Nach­hal­tig­keit der Spie­le, in Rio de Janei­ro ist das aber für die Be­völ­ke­rung bis auf ei­ne neue U-Bahn aus­schließ­lich ein from­mer Wunsch ge­blie­ben.

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