Über­wach­tes Ös­ter­reich

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Der Po­lit-Thril­ler »Lü­gen­land« por­trä­tiert ein von Rechts­po­pu­lis­ten re­gier­tes Ös­ter­reich der na­hen Zu­kunft. Fa­zit: Ein am­bi­tio­nier­tes, teil­wei­se am­bi­va­len­tes Buch. Es ist ein mu­ti­ger Be­ginn: Die Wie­ner Au­to­rin Gu­drun Lerch­baum lässt in ih­rem dys­to­pi­schen Po­lit-Thril­ler Haupt­fi­gur Mat­tea ei­ne Freun­din schein­bar grund­los er­schie­ßen. Da­mit ist die­se als Hel­din we­nig ge­eig­net. Auch sonst prä­sen­tiert sich Mat­tea vor­erst we­nig sym­pa­thisch.

Durch ei­ne Ver­wechs­lung wird dann aus­ge­rech­net aus die­ser ge­such­ten Mör­de­rin, die bis vor Kur­zem als Sol­da­tin der Mi­liz dien­te, ei­ne Iko­ne des Wi­der­stands – in ei­nem Ös­ter­reich, das ei­nem Über­wa­chungs­staat gleicht. Das Por­trät des Lan­des ge­rät da­bei am­bi­va­lent. Die Pa­ro­len und Re­den des rechts­po­pu­lis­ti­schen Kanz­lers („Ob kunst­ver­seucht, ob bi­po­lar, ob süch­tig oder un­frucht­bar – die rech­te Waf­fe in der Hand macht euch zum Teil der Hel­den­schar!“) sind in ei­ner na­hen Zu­kunft nicht so recht vor­stell­bar. Auch ent­steht manch­mal der Ein­druck, die Au­to­rin ha­be sich An­lei­hen an der er­folg­rei­chen „Tri­bu­te von Pa­nem“Tri­lo­gie ge­nom­men.

Un­ab­hän­gig da­von ge­lingt es der Au­to­rin, ei­ne fes­seln­de Ge­schich­te zu er­zäh­len. Mat­tea mag zwar ge­wöh­nungs­be­dürf­tig sein, sie ist aber um­so le­bens­ech­ter. Hin- und her­ge­ris­sen zwi­schen den Wel­ten der re­gime­treu­en „Auf­rech­ten“und den Wi­der­stand leis­ten­den „Wert­lo­sen“ver­sucht sie, ein­fach nur das Rich­ti­ge zu tun. Lerch­baum schafft es da­bei, nicht in simp­le Gut-ge­gen-Bö­se- bzw. Rechts-ge­gen-links-Sche­ma­ta zu ver­fal­len. Bloß der Show­down im TV-Stu­dio bringt ein En­de, das so lei­der schon län­ger ab­seh­bar ist. phu Gu­drun Lerch­baum: „Lü­gen­land“, Pen­dra­gon Ver­lag, 431 Sei­ten, 17,50 Eu­ro.

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