»FAUST«

Wäh­rend der Pro­ben zur Fest­spiel-Pre­mie­re von Goun­ods Goe­the-Oper fährt Piotr Bec­zała auf Old­ti­mer-Ral­lyes mit und bäckt Ku­chen für An­na Netreb­ko.

Die Presse am Sonntag - - Kultur - VON WIL­HELM SINKOVICZ

Das pas­siert ei­nem nicht bald mit ei­nem Su­per­star! Te­le­fo­niert man mit Piotr Bec­zała, kann es leicht sein, dass es heißt: „Ru­fen Sie mich in cir­ca zwan­zig Mi­nu­ten an, ich bin gera­de beim Ku­chen­ba­cken.“

Beim Plau­dern, ei­ne hal­be St­un­de spä­ter, der Ku­chen ist schon im Rohr, stellt sich dann her­aus, war­um der Te­nor für ei­ni­ge Zeit in der Kü­che ver­schwun­den ist: „An­na und Yu­sif kom­men heu­te Abend, die be­ko­che ich.“Die Netreb­ko und ihr Ehe­mann, Te­nor-Kol­le­ge Yu­sif Ey­va­zov, ge­hö­ren wie Bec­zała zur dies­jäh­ri­gen Salz­bur­ger Sän­ge­reli­te. Dass es bei Fest­spie­len ent­spann­ter zu­geht als im nor­ma­len Opern­le­ben, ist kein Ge­rücht.

„Hier“, sagt Bec­zała, „ist die Stim­mung fan­tas­tisch, man ver­lebt ei­ne schö­ne Zeit mit­ein­an­der. Es ist ganz egal, ob ei­ner im En­sem­ble von ,Ma­non‘, ,Faust‘ oder ,Cos`ı fan tut­te‘ ist, wenn es die Zeit er­laubt, ma­chen wir es uns ge­mein­sam ge­müt­lich.“ Sport­li­che Her­aus­for­de­run­gen. Oder man nimmt sport­li­che Her­aus­for­de­run­gen an, selbst wenn sich die­se Ter­mi­ne mit den Pro­ben­plä­nen schwer ko­or­di­nie­ren las­sen: „Ges­tern wa­ren wir auf ei­ner herr­li­chen Old­ti­mer-Ral­lye, von Salz­burg ging’s in die Ber­ge“, schwärmt Bec­zała. „Wir wa­ren so­gar die in­of­fi­zi­el­len Sie­ger; in­of­fi­zi­ell, weil wir nicht die gan­ze Tour mit­ma­chen konn­ten, ich muss­te um 14.30 Uhr schon wie­der bei der ,Faust‘-Pro­be im Fest­spiel­haus sein.“Aber auch ein Ral­lye-Frag­ment – in ei­nem his­to­ri­schen Ja­gu­ar – macht Spaß: „Es sind tol­le Au­tos. Franz Wel­ser-Möst war auch da­bei, als Ko­pi­lot in ei­nem Ca­brio.“

Der Ma­e­s­tro darf mit of­fe­nem Dach her­um­kur­ven. „Ich darf nicht in ei­nem Ca­brio fah­ren, ich bin ja Te­nor“, sagt Bec­zała und lacht. Sport be­treibt er trotz al­ler Vor­sichts­maß­nah­men gern, „vor al­lem, wenn man Bridge als Sport be­trach­tet. Aber wir ver­brin­gen, wenn es sich aus­geht, viel Zeit auf Golf­plät­zen. Ich könn­te hier so­gar se­geln, ich woh­ne ja am See“, aber das ist wirk­lich ei­ne Fra­ge des Ti­me Ma­nage­ment: Der­zeit probt Bec­zała die ers­te Salz­bur­ger Fest­spie­lin­sze­nie­rung von Goun­ods „Faust“.

Wo­bei, apro­pos Goun­od und Sport, die Wie­der­auf­nah­me von des­sen „Ro­meo und Ju­lia“hat vor ein paar Jah­ren zu ei­ner Trai­nings­pha­se im Le­ben des Te­nors ge­führt: „Ich hat­te mir das Vi­deo der Ins­ze­nie­rung an­ge­schaut und ge­se­hen: Der Ro­meo rennt da un­glaub­lich viel her­um in der Fel­sen­reit­schu­le, turnt hin­auf und hin­un­ter. Ich ha­be da­mals vor Be­ginn der Pro­ben wirk­lich 20 Ki­lo ab­ge­nom­men.“

Sol­che Kon­zes­sio­nen macht er schon ein­mal aus künst­le­ri­schen Grün­den. Aber Re­gis­seu­re müs­sen ei­nem Piotr Bec­zała ge­nau er­klä­ren kön­nen, war­um sie was von ihm ver­lan­gen. „Da hat sich mit der Zeit al­ler­hand ge­än­dert. Ich weiß na­tür­lich, dass ein Jus­si Björ­ling einst noch er­klärt hat, er sei hier als Te­nor und nicht

Charles Goun­ods

,,Faust“hat erst­mals bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len Pre­mie­re.

Piotr Bec­zała

singt die Ti­tel­par­tie in der Ins­ze­nie­rung Rein­hard von der Than­nens. Ma­ria Ag­res­ta ist die Margarethe, Ildar Ab­drazakov der Me­phis­to. Es di­ri­giert Ale­jo P´er­ez.

Pre­mie­re

im Gro­ßen Fest­spiel­haus ist am 10. Au­gust, Re­pri­sen fin­den am 14., 17., 20., 23., 26. und 29. Au­gust statt.

Rest­kar­ten

un­ter salz­bur­ger­fest­spie­le.at als Tän­zer en­ga­giert. Zu viel Be­we­gung wür­de den Ge­sang be­ein­träch­ti­gen.“

Die heu­ti­ge Sän­ger­pro­mi­nenz ist da ent­ge­gen­kom­men­der. Aber es gibt – auch in Ge­schmacks­fra­gen – Gren­zen, die Bec­zała nicht über­schrei­ten wür­de. „Man muss das Recht ha­ben mit­zu­re­den. Wir Sän­ger sind ja kei­ne Ma­rio­net­ten. Ich bin kein Feind mo­der­ner Ins­ze­nie­run­gen, aber es muss gut be­grün­det sein, wenn man ein biss­chen wei­ter ge­hen soll als sonst.“ Grenz­gän­ge. Ein biss­chen wei­ter ge­gan­gen ist Bec­zała jüngst vo­kal: Un­ter Chris­ti­an Thiele­mann sang er an An­na Netreb­kos Sei­te in Dres­den den Lo­hen­grin. Und das war nach über­ein­stim­men­der An­sicht al­ler Kom­men­ta­to­ren ei­ne Sen­sa­ti­on. „Seit­her ha­be ich na­tür­lich vie­le An­fra­gen be­kom­men. Das Ers­te, was sich kon­kre­ti­siert hat, ist ein Lo­hen­grin in Zü­rich 2020. Aber viel­leicht er­gibt sich spon­tan ja noch et­was zwi­schen­durch. Jetzt, da ich die Rol­le so­zu­sa­gen drin­ha­be, ist es ei­ne Freu­de, sie zu sin­gen.“

Wo­bei Bec­zała sein Re­per­toire wei­ter­hin klug mischt. Kom­men­de Spiel­zeit et­wa Do­ni­zet­ti, Mas­se­net, Goun­od, Puc­ci­ni und Ver­di so­wie ein be­son­de­res Pro­jekt in Zü­rich, dem eins­ti­gen Stamm­haus: „Ich ha­be“, er­zählt er, „in In­ter­views oft ge­sagt, dass ich gern ein­mal ei­ne gro­ße Ope­ret­te sin­gen wür­de. Jetzt hat In­ten­dant Andre­as Ho­mo­ki mir den Sou-Chong an­ge­bo­ten.“„Das Land des Lä­chelns“hat im Ju­ni 2017 un­ter Fa­bio Lui­si Pre­mie­re.

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