Im ame­ri­ka­ni­schen Ra­dio­him­mel

Von JournŻ­lis­mus­kri­se ist ãei ©en ©er­zeit in­ter­es­san­tes­ten US-Pod­casts nichts zu hö­ren. I©een­reich, Żkriãisch un© ge­witzt Żufãe­rei­tet schl´gt je©es The­mŻ ©ie Hö­rer in ©en BŻnn: vom Su­pre­me Court üãer ©ie PsychiŻ­trie ãis zu ku­gel­si­che­ren Wes­ten.

Die Presse am Sonntag - - Medien - VON OLI­VER GRIMM

Die bel­gi­sche Kle­in­stadt Geel, knapp 50 Ki­lo­me­ter öst­lich von Ant­wer­pen ge­le­gen, rühmt sich ei­ner be­son­de­ren Tra­di­ti­on: Seit mehr als 700 Jah­ren neh­men ih­re Bür­ger Geis­tes­kran­ke gleich­sam als Fa­mi­li­en­mit­glie­der auf. War­um es da­zu kam, wie das funk­tio­niert und wel­che Schlüs­se man dar­aus für die Re­form der Psych­ia­trie zie­hen kann, lässt sich in der Epi­so­de „The Pro­blem with the So­lu­ti­on“des Pod­casts „In­vi­si­bi­lia“nach­hö­ren (npr.org/ pro­grams/in­vi­si­bi­lia).

In­vi­si­bi­lia, auf La­tei­nisch die un­sicht­ba­ren Din­ge: Die preis­ge­krön­ten Jour­na­lis­tin­nen Alix Spie­gel, Lu­lu Mil­ler und Han­na Ro­sin ge­hen in ih­rer Sen­dung je­nen „un­sicht­ba­ren Kräf­ten nach, die mensch­li­ches Ver­hal­ten for­men – Ide­en, Glau­bens­grund­sät­zen, An­nah­men und Emo­tio­nen“. Der „Guar­di­an“nann­te „In­vi­si­bi­lia“im vo­ri­gen Jahr ei­nen der zehn bes­ten neu­en Pod­casts, und auch die neu­lich be­gon­ne­ne zwei­te Staf­fel fes­selt den Hö­rer Wo­che für Wo­che.

Der Zu­gang die­ses Pro­gramms des Na­tio­nal Pu­b­lic Ra­dio (NPR) ist klug und pfif­fig: Ein he­te­ro­do­xer Leit­ge­dan­ke wird an­hand von tat­säch­li­chen Be­ge­ben­hei­ten auf sei­ne Be­last­bar­keit ge­prüft. Die er­staun­li­che Re­por­ta­ge aus dem flä­mi­schen Geel soll die Über­le­gung un­ter­mau­ern, dass wir an man­chen Pro­ble­men des­halb so lang na­gen, weil wir glau­ben, sie un­be­dingt lö­sen zu müs­sen.

Eben­falls aus der Ra­di­o­schmie­de von NPR stammt der am­bi­tio­nier­tes­te neue Pod­cast. „Mo­re Per­fect“(www.ra- diolab.org/mo­re­per­fect) er­kun­det die ge­heim­nis­vol­le und kaum ein­sich­ti­ge Welt des Obers­ten Ge­richts­hofs der Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Wie kann es sein, dass neun un­ge­wähl­te und auf Le­bens­zeit er­nann­te Ju­ris­ten die Macht ha­ben, über To­des­stra­fe, Ab­trei­bung, die Ehe Gleich­ge­schlecht­li­cher oder die Fi­nan­zie­rung der Po­li­tik zu ent­schei­den? Ist der Su­pre­me Court an­ge­sichts der Läh­mung im Kon­gress zum heim­li­chen neu­en Ge­setz­ge­ber ge­wor­den? Und was be­deu­tet das für die ame­ri­ka­ni­sche De­mo­kra­tie? Die­sen Fra­gen geht das „Ra­diolab“-Team um Jad Ab­um­rad an- hand ein­schlä­gi­ger Fäl­le nach, die vor den Rich­tern lan­de­ten. Da­bei er­grün­den sie manch Ab­stru­ses – et­wa die Ur­sa­che da­für, dass der Teil­staat Utah im vo­ri­gen Jahr den Voll­zug der To­des­stra­fe durch Er­schie­ßungs­kom­man­dos wie­der­ein­ge­führt hat. Um die Ecke ge­dacht. Den öko­no­mi­schen Ur­sa­chen un­se­res Ver­hal­tens geht Ste­phen Dub­ner mitt­ler­wei­le be­reits seit fünf Jah­ren in dem nach sei­nem Best­sel­ler be­nann­ten Pod­cast „Frea­ko­no­mics Ra­dio“nach (www.frea­ko­no­mics.com). Woran schei­tert die Ge­schlech­ter­gleich­heit? Ist der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent wirk­lich so wich­tig? War­um has­sen wir fast durch­wegs das Flie­gen? Be­ginnt früh­kind­li­che Er­zie­hung viel zu spät? Und, be­son­ders ver­blüf­fend: Wie­so sinkt in Spi­tä­lern die Ster­be­ra­te von Herz­pa­ti­en­ten, wenn die bes­ten Ärz­te we­gen ei­nes Kar­dio­lo­gen­kon­gres­ses au­ßer Haus sind?

»Mo­re Per­fect« er­kun©et ©ie ge­heim­nis­vol­le Welt ©es US Su­pre­me Court.

Leich­te, aber nicht min­der geist­rei­che Kost ser­viert der „Din­ner Par­ty Down­load“(www.din­ner­par­ty­down­load.org). In ei­ner ra­san­ten St­un­de wid­men sich die Con­fe­ren­ciers´ Ri­co Gaglia­no und Bren­dan Fran­cis New­nam in Ge­sprä­chen mit neu­en Künst­lern und ar­ri­vier­ten Stars all je­nen Aspek­ten, die ei­ne ge­lun­ge­ne Din­ner­par­ty aus­ma­chen: vom rich­ti­gen Small Talk über die Aus­wahl der Mu­sik bis zu Eti­ket­te­fra­gen. Be­son­ders ver­gnüg­lich ist die Ru­brik „A His­to­ry Les­son with Boo­ze“: Ei­ne his­to­ri­sche Be­ge­ben­heit wird prä­sen­tiert, da­nach be­rei­tet ein Bar­kee­per ei­nen da­von in­spi­rier­ten Cock­tail zu. Ak­tu­ell führ­te die Ge­schich­te vom pol­ni­schen Pries­ter Ka­zi­mierz Z˙eg­len´, der die ers­te ku­gel­si­che­re Wes­te er­fand, zum Drink The Fa­ther’s Bul­let: ba­sie­rend auf Whis­key und et­was Ro­te-Rü­ben-Saft, „der Far­be für den Fall, dass die Wes­te doch nicht funk­tio­niert“, wie die Chi­ca­go­er Bar­kee­pe­rin Ka­te Je­ro­me er­klärt.

AFP/DŻ­ni­el LeŻl-Oli­vŻs

Es geht auch ein­fa­cher als mit die­ser In­stal­la­ti­on von Cil­do Mei­re­les in der Ta­te Mo­dern Gal­le­ry in Lon­don: Die ex­zel­len­ten Pod­casts aus dem öf­fent­li­chen US-Ra­dio kann man rasch und gra­tis aufs Smart­pho­ne la­den.

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