We­ni­ger wä­re mehr

Die Presse am Sonntag - - Die Seite Zwei - OLI­VER PINK

In­fla­ti­on. Ent­wer­tung durch Über­an­ge­bot. Es be­gann beim Tennis, setz­te sich im eu­ro­päi­schen Klub­fuß­ball fort, streif­te zu­letzt auch die Fuß­ball­eu­ro­pa­meis­ter­schaft der Na­tio­nal­mann­schaf­ten (24 Teil­neh­mer!) und er­reich­te nun Olym­pia. 306 Be­wer­be in 17 Ta­gen. Wer nach der ers­ten Wo­che noch da­bei ist, hat noch ei­ni­ges vor sich.

All­zu vie­le dürf­ten es in der ers­ten Wo­che aber oh­ne­hin nicht ge­we­sen sein. Um jetzt ein­mal ein apo­dik­ti­sches Ur­teil zu fäl­len: Olym­pia hat sei­ne Fas­zi­na­ti­on ver­lo­ren. „Aber, aber“, wer­den Sie jetzt ein­wen­den, „war das frü­her an­ders?“ Aber si­cher doch. Ben John­son ge­gen Carl Le­wis. Mark Spitz ge­gen sich al­lein. Jes­se Owens ge­gen Adolf Hit­ler. Bob Be­a­m­on ge­gen die Ewig­keit.

Selbst Micha­el Phelps’ Gold­me­dail­len reg­ten in Rio – im Ge­gen­satz zu At­hen, Peking, Lon­don – kaum noch je­man­den auf. Mit Usain Bolt könn­te es ähn­lich sein. Aber viel­leicht ret­ten ja die Leicht­ath­le­tik­be­wer­be noch, was zu ret­ten ist. Für Ös­ter­reich ist oh­ne­hin nichts mehr zu ret­ten.

Je­den­falls soll­te man das olym­pi­sche Mot­to än­dern: „We­ni­ger ist mehr“statt „Da­bei­sein ist al­les“.

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