»Ich bin auch kein Zau­be­rer«

Aus­tria-Trai­ner Thors­ten Fink stellt der hei­mi­schen Bun­des­li­ga ein gu­tes At­test aus, die Rück­kehr nach Deutsch­land aber bleibt ei­ne un­ge­still­te Sehn­sucht. Die vio­let­te Heim­stät­te Hap­pel-Sta­di­on wer­de »nicht die Punk­te ein­fah­ren«.

Die Presse am Sonntag - - Sport - VON CHRIS­TOPH GASTINGER

Viel zu ver­lie­ren hat­te Thors­ten Fink nicht, als er im Som­mer 2015 zum neu­en Trai­ner der Wie­ner Aus­tria be­stellt wur­de. Die Vio­let­ten hat­ten ei­ne aber­mals ent­täu­schen­de Sai­son ab­sol­viert, mit Rang sie­ben gar den Tief­punkt er­reicht. Der Ruf nach Ve­rän­de­rung wur­de un­über­hör­bar laut, nach wo­chen­lan­ger Su­che und ei­ner Ab­sa­ge von Fe­lix Ma­gath stand Fink in Wien an­te por­tas. Der Deut­sche führ­te Vio­lett fort­an in ru­hi­ge­re Ge­wäs­ser und in der ab­ge­lau­fe­nen Sai­son letzt­lich sou­ve­rän zu Platz drei in der Bun­des­li­ga. In der ver­gan­ge­nen Spiel­zeit konn­te sich Fink ein Bild von Ös­ter­reichs oft­mals kri­ti­sier­ter höchs­ter Spiel­klas­se ma­chen. Sein Fa­zit: „Ös­ter­reich ist nicht Deutsch­land, En­g­land oder Spa­ni­en, aber es sind schon gu­te Sa­chen da­bei.“Prak­tisch al­le Mann­schaf­ten wür­den den Plan ver­fol­gen, Ak­zen­te in der Of­fen­si­ve set­zen zu wol­len. Dies­be­züg­lich sei al­so ein er­freu­li­cher Trend zu ver­fol­gen. „Der Fuß­ball hier ist gut.“

Fink ist ei­ner von ak­tu­ell fünf aus­län­di­schen Bun­des­li­ga-Trai­nern, vier da­von kom­men aus Deutsch­land. Dass die­ser Um­stand manch ös­ter­rei­chi­schen Kol­le­gen wie Diet­mar Küh­bau­er oder To­ni Pols­ter re­gel­mä­ßig sau­er auf­stößt, kann der 48-Jäh­ri­ge nicht nach­voll­zie­hen. „Heut­zu­ta­ge so zu den­ken, wo doch al­les in­ter­na­tio­na­li­siert wird, ist merk­wür­dig. Es geht doch nicht dar­um, wer wel­che Na­tio­na­li­tät be­sitzt. Ent­we­der man legt ein gu­tes Kon­zept vor und ver­folgt ei­ne kla­re Phi­lo­so­phie oder eben nicht. Das ist der Markt.“Fuß­bal­ler he­gen Träu­me von En­ga­ge­ments in den gro­ßen Li­gen Eu­ro­pas. Sie wol­len dort­hin, wo der bes­te Fuß­ball ge­spielt wird, das meis­te Geld vor­han­den ist. Trai­ner stel­len da­bei frei­lich kei­ne Aus­nah­me dar, sie ti­cken nicht an­ders. „Na­tür­lich möch­te ich ir­gend­wann wie­der in die deut­sche Bun­des­li­ga zu­rück“, be­tont Fink, der bis 2013 zwei Jah­re den Ham­bur­ger SV be­treut hat­te. Ös­ter­reich und die Aus­tria könn­ten auf dem Weg in die Hei­mat hel­fen, Pe­ter Stö­ger war nach sei­nem vio­let­ten Meis­ter­stück vor drei Jah­ren letzt­lich in Köln ge­lan­det. Nach­teil Hap­pel-Sta­di­on. Fink be­ob­ach­tet mit Wohl­wol­len die Ent­wick­lung sei­ner jun­gen Mann­schaft, die jüngs­te 1:4-Nie­der­la­ge im Der­by ge­gen Ra­pid war der ers­te wirk­li­che Rück­schlag in die­ser Sai­son. Ob man denn Salzburg und Ra­pid über 36 Run­den for­dern oder gar über­flü­geln kön­ne? Fink re­la­ti­viert. „Die­se bei­den Klubs sind uns wei­ter­hin et­was vor­aus, auch wenn ei­ni­ge Fans das viel­leicht et­was an­ders se­hen. Ich bin auch kein Zau­be­rer.“Den­noch, wer wie Fink als Ak­ti­ver mit Bay­ern Mün­chen die Cham­pi­ons Le­ague und vier Mal die deut­sche Meis­ter­schaft ge­win­nen konn­te, der strebt ge­wiss stets nach dem Höchs­ten. „Dass ich nicht im­mer Zwei­ter oder Drit­ter wer­den will, ist doch klar“, sagt Fink, der im Ge­spräch mit der „Pres­se am Sonn­tag“kei­nen Hehl über Be­deu­tung und At­trak­ti­vi­tät des Eu­ro­pa­cups macht. „Wenn wir es in die Cham­pi­ons-Le­ague-Qua­li­fi­ka­ti­on schaf­fen, muss ich nicht weg von hier . . .“

Ge­wiss kein Vor­teil ge­gen­über der Kon­kur­renz sei die Tat­sa­che, dass die Wie­ner ih­re Heim­spie­le auf­grund des Um- und Aus­baus der Ge­ne­ra­li Are­na („wird ein klei­nes Schmuck­stück“) in den nächs­ten zwei Jah­ren im Hap­pelOval aus­tra­gen müs­sen. „Das Hap­pelS­ta­di­on“, weiß Fink, „wird uns nicht die Punk­te ein­fah­ren.“In die Sta­dio­nin­fra­struk­tur zu in­ves­tie­ren sei al­ler­dings der ein­zig rich­ti­ge An­satz.

Fink er­in­nert sich an ein Cham­pi­ons-Le­ague-Spiel mit den Bay­ern ge­gen Ro­sen­borg Trond­heim im al­ten Olym­pia­sta­di­on. „Da­mals ka­men 13.000 Fans, heu­te sind es in der Al­li­anz Are­na nie we­ni­ger als 60.000.“Apro­pos Ro­sen­borg: Die Nor­we­ger gas­tie­ren am Don­ners­tag­abend im Play-off der Eu­ro­pa Le­ague in Wien. Es wä­re schön, wür­den 13.000 Zu­schau­er kom­men.

»Ich war nie der ge­fei­er­te Fuß­bal­ler, nie Top­ver­die­ner. Ich war im­mer der Ar­bei­ter.«

APA

Die Er­war­tun­gen an Fink und die Aus­tria sind ge­stie­gen, der Ge­winn des Meis­ter­ti­tels wä­re aber „to­tal au­ßer­ge­wöhn­lich“.

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